Welcher Garten paßt zu mir ?

Fotos und Planung: K3 Landschaftsarchitektur

Ob pflegeleicht oder pflegeintensiv, nützlich oder eher familienfreundlich – vier Gartentypen stehen zur Wahl

Einen pflegeleichten Garten so anzulegen, dass er auch dem „Faulen“ Spaß macht, ist zwar eine Herausforderung, aber mit ein paar guten Tricks durchaus realisierbar. Wichtig ist hierbei, dass man den Garten nicht zu kleinteilig und verspielt konzipiert, sondern Wert auf gerade Linien, klare Schwerpunkte und Übersichtlichkeit gelegt wird. Eine großzügig bemessene Terrasse erweitert den Wohnraum von innen nach außen und lässt sich mit einer Überdachung oder mit soliden Markisen wetterfester gestalten. So wird das Draußen im Idealfall ganzjährig nutzbar. Hochbeete als Übergang zum eigentlichen Garten gliedern und gestatten eine bequeme und rückenschonende Küchenkräuter-Kultur in Küchennähe. Alle duftenden Kräuter wie zum Beispiel Rosmarin, Salbei, Oregano und Bohnenkraut lieben Sonne und einen durchlässigen Boden ohne Staunässe. Sie sind gerne Gast auf der Süd- oder Südwestseite des Gartengrundstücks. Im Anschluss an die Terrasse folgt meist eine freie, ebene Rasenfläche, die eine breit gefächerte Nutzung zulässt. Hier findet die große Sommertafel Platz, wenn die ganze Familie zusammen kommt und im Freien feiern möchte. Am lauen Sonntagnachmittag relaxt man im Grünen auf Gartenliegen, die sich idealer Weise bequem auf- und wieder abbauen lassen – für den Fall etwa, dass überraschend die Enkel zu Besuch kommen und der Rasen für ein Fußballspiel herhalten muss, dem er dann auch unbeschadet standhalten sollte. Ein gut gepflegter Rasen benötigt regelmäßigen Schnitt und ausreichende Düngergaben, ist somit eine „Intensiv-Kultur“.



Ein pflegeintensiver Garten lässt das Herz aller Hobby-Botaniker höherschlagen, belohnt mit prächtigen Blütenteppichen und reicher Ernte, bringt regelmäßig Bewegung an frischer Luft, beansprucht jedoch viel Freizeit und erfordert, damit kein Frust aufkommt, einen grünen Daumen. Die Arbeit im Garten hört eigentlich nie auf, denn die Natur sprießt, blüht, wächst und welkt ja unaufhörlich. Wem das gefällt, der findet im Garten ein ebenso abwechslungsreiches wie befriedigendes Steckenpferd und jede Menge Stoff für Fachgespräche mit anderen Freizeit-Gärtnern. Wir haben uns beim Typus „pflegeintensiv“ auf die Pflanzenvielfalt konzentriert. Diese Gärten sind oftmals der Natur nachempfunden, ihre Formensprache organisch und geschwungen, ohne rechte Winkel und scharfe Kanten. Kleine Sitzplätze, Nischen, Figuren, Spielereien schaffen immer neue Eindrücke. Wer das möchte, kann mit solch einer Gestaltungssprache schon im Vorgarten beginnen. Der Hausbaum kann mit verschiedenen Halbschatten-Stauden unterpflanzt und von blühenden Kleinsträuchern gesäumt sein. Je standortgerechter die Pflanzenauswahl getroffen wurde, desto wohler fühlen sich die Mitbewohner in ihrem Lebensraum und desto problemloser werden sie auch gedeihen. Auch das ist eine recht einfache Faustregel, um sich unnötige Gartenarbeit zu sparen. Mit Blick auf den Klimawandel und öfter auftretende, trockene, niederschlagsarme Sommer empfehlen die Baumschulen und Staudenzüchter ohnehin widerstandsfähige Überlebenskünstler. Fast immer braucht man einen Weg, der einmal rund ums Haus führt, sei es für Rasenmäher, Gartengeräte oder auch Besucher, die gleich ins Grüne marschieren. Eine gemischte Pflanzung mit Blütensträuchern, immergrünen Blatt- und Nadelgehölzen sowie Füllstauden empfiehlt sich entlang der Grundstücksgrenze und rahmt den Gartenraum ein.



Der ursprüngliche Nutzgarten gewinnt im Zuge der Entschleunigung unseres Freizeitverhaltens an Bedeutung. Er zollt gewissermaßen auch dem Gedanken „zurück zur Natur“ Respekt und bringt einen Hauch vom Landlust-Trend in unsere Städte und Wohnsiedlungen. Dabei kann man Gartenfrüchte durchaus abwechslungsreich und sogar platzsparend anbauen. Bestes Beispiel hierfür: Spalierobst, als Gartenzaun-Ersatz und Sichtschutz oder klassisch an der warmen Hauswand gezogen, erfordert zwar stetigen Schnitt und Erziehung des Gehölzes, bietet dafür Ernteglück auf Augenhöhe. Der Klassiker „Beerengarten“ aus Omas Zeiten darf in diesem Landhaus-Konzept natürlich nie fehlen. Früh-, mittel- und spätfruchtende Sträucher mit Johannisbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Jostabeeren und so weiter sind nur eine kleine Auswahl der gesamten Möglichkeiten, an denen nicht zuletzt die Enkel viel Vergnügen haben. Althergebrachte, fast vergessene heimische Wildfrüchte wie beispielsweise die Kornelkirsche (Cornus mas), der sehr Vitamin-C-haltige Sanddorn (Hippophae rhamnoides fructus) oder Schlehen, Mispeln, Speierling ergänzen das Gartenreich und danken den Anbau mit einer bunten Schmetterlings- und Vogelwelt. Gelegenheit zur wohlverdienten Entspannung finden die Nutzgärtner und ihre Freunde schließlich beim Grillen vor dem hübschen Gerätehaus, wenn sich Nützliches mit Schönem paart. Wer dann noch die selbstgezogenen Zucchini, Bohnen und Paprika kredenzen oder eigenen Bio-Salat aus dem Garten servieren kann, darf sich wahrhaft glücklich schätzen.



Der Familiengarten ist gewissermaßen die „Keimzelle“ der Gartenkultur. Manch ein großer Meister der Gartenarchitektur war hier im Kindesalter glücklich, was ihn ein Leben lang nicht mehr los ließ. Tatsächlich lernen die Kleinen hier die ersten, beaufsichtigten Schritte in der gezähmten Natur und dürfen ihre Fantasie spielerisch blühen lassen.

Der Hain aus schmalen Obstgehölzen begrünt den Vorgarten, vielleicht sogar mit „Geburtstags-Bäumen“ und kleinem Namens-Schildchen. Auf der robusten Wiese unterm Blätterdach spielt es sich auch im Hochsommer angenehm temperiert. Und im Beerengarten sind die süßen, großen Früchte natürlich besonders begehrt und dürfen immer zwischendurch vernascht werden. Der Naschgarten auf der Gebäude-Rückseite sollte zum Beispiel von der Küche aus gut zu beaufsichtigen sein. Kleine Beete dürfen durchaus den etwas älteren Kindern gehören und ihrer Verantwortung und Einteilung anvertraut werden: Schnell wachsende, bunte Blumen sind hier sicher am spannendsten. Einjährige Blumen wie Kapuzinerkresse, Ringelblume, Sonnenblumen aus Vogelfutter oder Erdbeeren werden nach den Spätfrösten ab Mitte Mai direkt in den Boden ausgesät bzw. gepflanzt, keimen schnell, wachsen rasch und blühen bereits nach wenigen Wochen. Kinder lieben die verborgenen Winkel ihres Gartens, wo vielleicht Zwerge wohnen und Elfen schlafen. Deshalb braucht es Rückzugsräume, die nicht direkt einsehbar sind. Ein Weidentunnel als „grüne“ Höhle hält einigem Spieldruck stand und ist leicht anzulegen. Schon einfache Ruten schlagen als so genannte „Pionier-Gehölze“ nach kurzer Zeit Wurzeln und treiben problemlos aus. Ein zusätzlicher größerer Nutzgarten bietet Platz für Gemüse und raumgreifende Arten wie Kürbis und Co., aus denen sich im Herbst Halloween-Geister schnitzen lassen. Tomaten schmecken am besten selbst gepflückt, direkt vom Strauch in den Mund. Spalierfrüchte wie Trauben, Bohnen, Klettergurken, Kiwi oder Zucchini beim Wachsen und Gedeihen beobachten zu können, macht nicht nur einfach Spaß, sondern lehrt auch das Einmaleins der Biologie.


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Lesen Sie den ausführlichen Bericht ab Seite 134 in der Ausgabe März/April 2016 mein schönes zuhause°°°


Carola Ettwein

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