Ein Garten wird erwachsen
Als es die Kinder auf die Sonnenliege statt in den Sandkasten zog, hat die Familie ihrer grünen Oase noch einmal...

Stellen Sie sich vor: Sie haben Gäste. Sie stehen mit ihnen auf der Terrasse und unterhalten sich. Plötzlich entflammt im hinteren Teil Ihres Gartens ein Feuer und taucht das Grün in warmes, flackerndes Licht. Alles staunt – nur Sie nicht, denn Sie haben von allen anderen unbemerkt einfach einen Schalter betätigt ...
Oder: Immer wenn Sie abends von der Arbeit nach Hause kommen, wandeln Sie durch den Garten. Nebelschwaden durchziehen die Beete, tauchen die Szenerie in mystische Abgeschiedenheit. Sie betreten das Haus, drücken auf den Knopf – und der Nebel verschwindet ...
So entwirft Judith Mann, einstige Kunst- und Architekturstudentin, später Gründerin der Effektschmiede GmbH Köln, beispielhaft zwei Szenarien für den denkbaren Einsatz von ihrem Team geschaffener Installationen. Judith Mann (39), die auch schon für eine Firma für Pyrotechnik und Spezialeffekte tätig war sowie Feuer für Fernsehshows und Gärten, inklusive Spezialeffekte, entzündete, bezeichnet sich selbst mit Blick auf ihr Metier als „Atmosphärenarchitektin“. Bei Lichte besehen trifft das die Berufsbeschreibung, denn die Effekte, die sie auch in privaten Gärten erzeugt, sind originell, aufsehenerregend und stimmungsstiftend. Und sie sind dauerhaft! Wann immer Ihnen der Sinn danach steht, können Sie Ihr eigenes Naturschauspiel aufführen.
Judith Mann: „Die Effekte, mit denen wir arbeiten, sind flüchtig. Nebel verfliegt, Regen endet, ein Feuer brennt nieder. Durch die Wahl ausschließlich hochwertiger Technik und Peripheriegeräte – wie Spezialausrüstung mit Pumpen, Düsenrohren oder Ähnlichem – können unsere Objekte jedoch über Jahre hinweg immer wieder und genau dann, wenn die Gartenliebhaber es wollen, diese schönen flüchtigen Ereignisse hervorzaubern.“
Unsere skeptische Frage, ob angesichts der Reizüberflutung im Alltag der Reiz der Natur im heimischen Garten nicht Attraktion genug ist, nimmt die Rheinländerin gern und offensiv auf: „Ja, genau und eben drum. Wir setzen Mittel ein, die genau so in der Natur auch vorkommen. Nur eben mit dem Unterschied, dass der Kunde Regen, Wind, Nebel und Feuer haben kann, wann und wo er möchte.“
Die Dramaturgie der Effektschmiede Köln praktiziert Goethes Motto „Wer vieles bietet, wird manchem etwas bieten“: mit Wasser gefüllte Schalen aus Ton, Stein, Stahl, Edelstahl, in denen auf Knopfdruck Feuer brennt. Eine einzelne Flamme, die im Gartenteich lodert. Über diesen Teich quillt außerdem Nebel. Ein Blumenbeet, eine Pflanzengruppe oder eine einzelne Pflanze, die effektvoll von Nebel umhüllt wird. Eine Sichtachse wird mit einer Flammenlinie betont ...
Judith Mann legt jedoch Wert darauf: „Es gibt kein Patentrezept. Alles ist für den betreffenden Ort entwickelt. Wir entscheiden mit dem Kunden, was für die räumliche Situation passt.“
Auch die Kostenfrage richtet sich ganz nach Art und Um fang der In sta l lation im Grün. Noch einmal die Atmosphärenarchitektin: „Dafür spielen viele Faktoren vor Ort eine Rolle. Aber fünf- bis zehntausend Euro – je nach Objekt und Lagebedingungen – muss man veranschlagen."
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