Winter in der Vase
Setzen wir dem Grau und Weiß vor der Tür doch etwas Herzerwärmendes entgegen. Der 28-jährige Meisterflorist Felix...

„Wenn ich in den Garten gehe und nicht irgendwann ins Tun komme, werde ich nie die Kraft entdecken, die in ihm steckt.“ Selten hat der Journalist einen – dazu noch so jungen – Menschen erlebt, der so viel Ruhe und Entschlossenheit ausstrahlte. Jens Gorschlüter (40) ist Landschaftsarchitekt, seit zehn Jahren selbstständig und im westfälischen Marl auf seinem 10.000-Quadratmeter-Grundstück, auf dem er als Kind aufwuchs, dabei, sich seinen Lebenstraum zu erfüllen: einen Garten zu gestalten, der weithin naturbelassen sein wird. Der einmal einen „Dschungelgarten“ für die Ruhe, einen gepflegten Teil für Gäste und einen Begegnungsgarten für Kunden haben wird (www.gartenatelier-gorschlueter.de). Der Weg dahin war bei unserem Besuch noch weit, der lange Atem des Marathon-Gärtners jedoch stets zu spüren, die Konturen seines Gartenbilds immer zu fühlen.
„In der westlichen Welt klafft eine riesige Lücke zwischen äußerem Wohlstand und innerem Bedürfnis nach Frieden, Freude und Selbstverwirklichung. Der Garten hilft, unsere Ursprünglichkeit wiederzuentdecken, im Einklang mit der Natur und den Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft zu leben. Die Natur des Menschen ist es, neugierig, spielerisch, kreativ und kraftvoll zu SEIN. Wir brauchen diese Reize zu unserer Lebendigkeit. Diese Eigenschaften lassen sich beim Gärtnern entdecken und führen uns ganz direkt zu mehr Langsamkeit und Bewusstheit im Leben.“
„Seit der industriellen Revolution hat sich das Leben der Menschen deutlich verändert. Ballungszentren und Landflucht trugen dazu bei, dass die Lebensweise im Einklang mit der Natur in der Stadt nicht mehr möglich war. Die Menschen im Westen leben heute zu 80 bis 90 Prozent in geschlossenen Räumen und sind von der Natur mit ihren wohltuenden Reizen getrennt. Unser Leben besteht häufig aus einer Kette von Wiederholungen:
Aufstehen–Arbeiten–Ablenken–Hinlegen,
Aufstehen–Arbeiten–Ablenken–Hinlegen,
Aufstehen–Arbeiten–Ablenken–Hinlegen.
Und am Ende
bleiben wir liegen ...“
„Mein Garten ist für mich ein Ort der Ruhe, der Kraft, der Inspiration, der Kreativität und der Lebendigkeit. Es gibt für jede Stimmung einen eigenen Bereich, der zusätzliche Kraft ausstrahlt. Er spiegelt meine berufliche und persönliche Entwicklung wider.“
„Ein Garten braucht Raum für Entwicklung, Wachstum und Reifung. Für mich sind Entscheidungen – anders als ein Beschluss – immer spontan aus dem Bauch heraus. Und alles, was dem Gärtner ein gutes Gefühl beschert, darf dann auch umgesetzt werden. Idealerweise lässt das Gestaltungskonzept für einen Garten hinreichend Raum für spontane Veränderungen.“
„Eine Pflanze ist ein Lebewesen, und jedes Lebewesen hat Würde. Insbesondere Pflanzen an exponierten Standorten, etwa in Felsspalten oder in Küstenregionen, strahlen eine starke Energie aus, die für jedermann deutlich spürbar ist.“