Schnittig, der von Honda

Rasenmäher von Honda müssen sich in keiner Weise hinter ihren großen Brüdern und Schwestern – Autos, Motorrädern, Flugzeugen – verstecken. Ihre Talente: stark, langlebig, leise.

Rasenmäher von Honda müssen sich in keiner Weise hinter ihren großen Brüdern und Schwestern – Autos, Motorrädern, Flugzeugen – verstecken. Ihre Talente: stark, langlebig, leise. Ihr klassisches Outfit: schwarzer Griff, grauer Korpus. Vom Prototyp zum Markenprodukt – noch eine Erfolgsgeschichte von Honda im 60. Jubiläumsjahr

Kühlschrank, Waschmaschine und Fern­seher werden gemeinhin als die se­gensreichsten Erfindungen der Neu­zeit ge­priesen. Da muss jemand den Rase­n­mäher vergessen haben. Oder kennen Sie einen Ra­se­­n­besitzer, der freiwillig zu Sense und Schleif­stein greift und dafür den Mäher stehen lässt? Oma und Opa hängen genauso an ihm wie der technikaffine Enkel und die viel beschäftigte Auf-der-Suche-nach-mehr-Frei­zeit-Generation dazwischen.


Jeder zweite Haushalt in Deutschland erfreut sich an einem eigenen Garten, hat die Fakultät für Agrar­wis­senschaften an der Georg-August-Uni­vers­ität Göttingen festgestellt. Im Garten findet Ent­spannung, Be­we­gungsausgleich, CO2-freier Urlaub statt, da gibt‘s Bio­kost aus dem eigenen Beet, ein reiches Par­ty­leben – und Rasen. Ein Garten ohne Ra­sen ist wie ein Sommer ohne Sonne: halbherzig. Rasen tut computermüden Au­gen, nackten Füßen und spielenden Kindern gut. Und wo ein Rasen, da auch ein Rasenmäher.


Blick zurück nach vorn


1946 gründet Soichiro Honda das Honda Tech­nical Research Institute; nach den mo­torisierten Fahrrädern, die er produziert, stehen die Leute Schlange. Zwei Jahre darauf folgt die Firma Honda Motor Co. Ltd. Die eine Million Yen Grundkapital, das sind gerade mal 6.300 Euro, erweisen sich als gut inves­tiertes Geld eines Enthusiasten: Als das Honda Racing Team 1961 beim legendären Motorradrennen auf der Isle of Man in der 125-Kubikzentimeter-Klasse und dann auch noch in der 250-Kubikzentimeter-Klasse den ersten Platz einfährt, steht sportlicher neben wirtschaftlichem Erfolg auf dem Siegerpo­dest.


„Mit dem Sieg bei der Isle of Man wurden wir zum Welt­un­ter­nehmen“, bemerkt Herr Honda später. Die­sem Konzern verdankt die Mensch­heit un­ter anderem den Mo­ped­roller „Super Cub“. Bis zum Jahr 2005 werden über 50 Millionen Stück verkauft. Damit sichert sich der „Super Cub“ einen Platz im Olymp der motorisierten Zweiräder. Außer­dem verdanken wir Honda mit dem High-Tech-Sport­­wagen „NSX“ das erste Voll­­­alumi­nium-Se­rien­fahrzeug der Welt (1990). Das mo­dernste serienreife Brenn­stoff­zel­lenfahrzeug der Welt, den „FCX Clarity“ (2008). Das weltweit erste Serien­mo­torrad mit Air­bagsystem und voll integrier­tem Sa­tel­liten-Naviga­tions­­system („Gold Wing“).



Der Rasenmähertüftler


Aber zurück zum Sommer 1975, zu Takeo Oga­no und seinen Studien der grünen Hal­me. Ohne Naturkunde kein Rasenmäher, der dem Namen Honda zur Ehre gereichen und dem Markt, der nicht gerade unter Rasen­mäher-Mangel litt, imponieren würde. Also vertiefte sich der von diesem speziellen Auf­trag leicht überraschte und irritierte In­ge­nieur ins biologische The­ma Gras: Be­schaf­fenheit, Wachs­­tum, geografische Verteilung, Vorlie­ben, Launen. Im Hinterkopf die alles entscheidende, quälende Frage: Welche be­sonderen Qualitäten muss ein Rasenmäher besitzen, die ihn für die künf­­tigen Besitzer technisch und optisch attraktiv machen? Die ihn aus der Masse der Ange­bote herausheben? Die echten Mehr­wert bieten?


Nachdem Takeo Oga­no alle Bü­cher ausgelesen hatte, schlug ihm sein Di­rek­tor für For­schung und Entwicklung vor, sich vor Ort umzuschauen. Im Februar 1976 machte sich Herr Ogano auf nach England, Deutschland, Frankreich, in die Schweiz und in die USA. In die Rasenmäher-N­ationen.

Mit Hingabe und Akribie erkundete er, wie viele Stunden Gartenbesitzer ihre Rasen mähten, wie lange sie die Maschinen nutzten, wann sie sich zum Neukauf entschlossen. Und er sammelte eifrig Grasbüschel. In den Vororten von Paris sind die anders be­schaffen als bei Villensitzern in Los Angeles oder an der Autobahn nach Stuttgart. Bei seiner Rück­kehr nach Hause hatten sich eine Men­ge Geheimnisse gelüftet: die durchschnittliche Größe von Rasenflächen, das Anwender­profil der am Markt befindlichen Rasen­mä­her, die spezifischen Erwartungen der Kund­schaft, die Rasentypen in den Regi­onen …


Ein guter Rasenmäher ist eine komplexe Ma­schine. Alle gesammelten Erkennt­nisse plus Tüftlergeist formten sich zum ersten Proto­typen, mit dem Takeo Oga­no und sein Team im Sommer 1977 eine zweite Reise nach Eu­ropa antraten. Es wurde ein Erfolgstrip: Wo immer die Männer aus dem fernen Land auftauchten, um ihr „Baby“ vorzustellen, wurden ihnen alle Türen geöffnet. Besuch aus Japan! Von Honda!


Auf der Suche nach dem Besten


Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Oganos japanische Ingenieurskol­legen hatten allerhand an seinen ersten Ent­würfen auszusetzen. Der Rasenmäher müsse unbedingt einen Sitz haben, wo bleibe sonst die Bequemlichkeit! Viel zu gefährlich, konterte Ogano, band auf seinen Pro­totypen einen Bürostuhl und demonstrierte die un­behagliche Nähe zu den schar­fen Schnei­de­messern. Das Fassungs­vermögen des Auffangkorbs ist zu gering! Den Vorschlag, den Rasenmäher mit einer Funktion auszustatten, die das Schnitt­­­­gut mithilfe der Auspuffwärme verbrennen oder trocknen würde, um so mehr Platz zu schaffen, hebelte der Hobbybiologe Ogano mit einer plausiblen Kalkulation aus: Gras be­steht zu mehr als 90 Prozent aus Was­ser, um es zum Ver­dampfen zu bringen, wäre ein un­erhörter Energieaufwand nötig. Der schärfste Ko­llegen-Einwand: Wozu der ganze Auf­wand, über kurz oder lang sind Rasenmäher eh überflüssig!



Biotechnologen basteln schließlich an Rasensorten, die nur minimal wach­sen und keinen regelmäßigen Schnitt erfordern! Herr Ogano griff sich mehrere Tütchen Rasensamen und schritt zum Feldversuch. Auf einem kleinen Hin­terhof durften seine Kollegen zuschauen, in welchem Tempo Gras in die Höhe schießt. Nebenbei wurde japanische Disziplin und Ra­tio aufgeweicht durch Emotionen, die amerikanische oder europäische Rasenbe­sitzer zu ihren liebsten Gefühlslagen beim Mä­hen zählen: die innnige Zwiesprache mit der Natur, der irre Duft von frischem Gras. Rasenmähen ist mehr als das Bewegen einer Maschine, Rasenmähen ist Sinn und Em­pfin­dung, war fortan auch in Ingenieur­kreisen gängige Einsicht.


Der Erste ist auf der Welt


Im August 1978 kam schließlich der Tag, auf den Takeo Oga­no und seine Leute drei Jahre lang unverdrossen hingearbeitet hatten: Der „HR 21“ stellte sich am Markt vor. Zeitgleich in den USA und Europa. Ver­neigung vor den „Vätern“ – er erweist sich als echter Spross aus dem Hause Honda. Ein Qualitätsmäher, ausgerüstet mit einem senkrecht stehenden Motor, der einen leisen Lauf und unkompliziertes Starten zusichert. Herr Ogano hat seine angepeilten Ziele um­gesetzt: Sicherheit stand ganz oben auf seiner Agenda. Der „HR 21“ ist als einer der ersten Mäher überhaupt mit dem sogenannten BBC-Mechanismus – ein feinsinniges Zu­­s­am­men­spiel von Schneide­messer, Brem­se, Kupplung – ausgestattet.


Was bedeutet: Der Mäher stoppt innerhalb von drei Se­kun­den die Ro­tation der Messer, nachdem Mann oder Frau hinter der Maschine die Hand von der Lenk­stange genommen hat. Heute Standard, aber bitte nicht vergessen: Wir reden hier von 1978. Dieser BBC-Me­cha­nismus setzte übrigens sogar Maß­stäbe, als die USA-Regierung die gesetzlichen Sicher­heitsstan­dards für den Ver­brau­cher­schutz festlegte. Und diese Techno­logie verschaffte Honda einen gewaltigen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern be­züglich der Geräte­sicher­heit.


Weitere Eigenschaften, die bis zur Einfüh­rung von Schwestermodellen im Jahr 1985 hohe Verkaufszahlen von jeweils 150.000 Stück in den USA und in Europa bescherten: Während sich bei anderen Rasenmähern Gartennach­barn regelmäßig vor Gericht trafen, war der Ge­räuschpegel des Honda ausgesprochen ohrenschonend. Ra­sen­mä­hen fand fortan nicht mehr als Allein­gang des Mannes statt, die Eman­zi­pation setzte sich auch auf der grünen Wiese durch. Der „HR 21“ war frauenbedienfreundlich.


Als sich diesem Rasenmäher der „ZE“ an die Seite gesellte, hatte Honda ein Netz von jeweils 1.500 Fachhändlern auf beiden Kon­tinenten unter Vertrag. Erfolg also auch auf der Service-Strecke. Das Erbe von Takeo Ogano liegt in guten Hän­­den. In diesem Jahr wurde die Produkt­linie der „IZY“-Rasenmäher mit einem neuen Mäher fortgeschrieben. In bester Honda-Tra­dition: leichtes Arbeiten, ohne sich mit komplizierter Technik quälen zu müssen; schnelles Starten ohne lange Wartezeit; bessere Fang- und Mäheigenschaften bei geringer Geräuschkulisse, neues Outfit.


Herr Ogano hat also sehr zukunftstauglich agiert. Nur in einem Punkt irrte er. Relativ früh, das Design des künftigen Mähers nahm Konturen an, schlug ihm Fir­menchef Soichiro Honda den Werk­stoff Resinad, eine Harzverbindung, für das Gehäuse vor. Ogano lehnte ab: nicht belas­tungsfähig genug, ein Sicher­heits­risiko für die Benutzer. 1991, 16 Jahre spä­ter, ist Honda der erste Hersteller, der ein spezielles, in Amerika entwickeltes Resinad für Rasenmäher-Gehäuse verwendet. „Als das passierte“, so Takeo Oga­­no, „war ich einmal mehr vom visi­onären Denken von Mister Honda begeistert.“


www.honda.de


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