Rosen in Farben des Sonnenbogens

Rosen in Farben des Sonnenbogens

Die Zuneigung zu Rosen ist eine unvergängliche Liebe. Jedes Jahr kommen neue Sorten hinzu, was die Qual der Wahl erhöht. Ein kleiner Überblick über die Neuheiten großer Züchter wie Kordes und Austin, Noack und Tantau zeigt: „Sunshine“-Farben wie Orange, Aprikot und Kupfergelb sind unverändert populär, „Klettermaxen“ schwer im Kommen und Dunkelrote vor allem bei Männern im Schwange.

Die Vielfalt selbst der Neuzugänge unter denRosensorten ist so groß, dass der Liebhaber leicht den Überblick verlieren kann. Eine Umfrage bei den Rosenzüchtern drängt sich daher förmlich auf. Beginnen wir mit „W. Kordes‘ Söhne“, Europas größter Rosenschule in Schleswig-Holstein, wo Thomas Proll (40) Züchtungsleiter für Garten- und Topfrosen ist und als Koautor unlängst auch „Rosen“ im Verlag Kosmos (9,95 Euro) veröffentlicht hat.


Thomas Proll erinnert zunächst daran, dass die Saison der Rosenzüchter nicht dem Kalenderjahr folgt, also nicht „wie das Denken vieler Gartenfreunde mit dem Erwachen der Natur im Frühling beginnt, sondern im Herbst, wenn die im Sommer herangewachsenen Pflanzen von den Feldern gerodet und als sogenannte wurzelnackte Ware zum Verkauf angeboten werden.

Deshalb erscheinen die neuen Kataloge der führenden Rosenzüchter auch immer im Sommer und gelten dann für den anschließenden Herbst und das folgende Frühjahr. Das ist ein sehr praktischer Fingerzeig. Aus genau diesem Grunde weiß der erfahrene Rosenliebhaber nämlich, „dass die im Herbst erstmalig angebotenen Neuheiten in der Regel zunächst nur in relativ begrenzt­­en Mengen zur Verfügung stehen, weil das Ver­­mehrungsmaterial bei jungen Sorten noch begrenzt ist und diese Kostbarkeiten frühzeitig bestellt werden müssen“, erläutert der Mann von Kordes.



Kundenneigungen


Unkundige wundern sich daher nicht selten, wenn sie im Frühjahr die Neuheiten zu bestellen versuchen und zunächst leer ausgehen. Das gilt auch für diese Saison. Thomas Proll: „Von unseren sechs Neuheiten sind im Frühjahr nur noch die Sorten 'Amaretto' und 'Escimo' in begrenzter Stückzahl erhältlich.“ Neben den Neuheiten 2006/07 hat Herr Proll für unsere Leser dankenswerterweise daher schon, soweit möglich, die neuen Sorten des Unternehmens für 2007/08 mitgeliefert (eine Auswahl beider Jahrgänge in den Fotos).


Die Frage nach den wichtigsten aktuellen Kundenneigungen, die nicht immer ganz eindeutig zu benennen sind, beantwortet der Züchtungsleiter von Kordes so: Farben: „Obwohl der Gartenrosenmarkt sicher nicht so sehr Farbtrends unterworfen ist wie etwa der Schnittblumenmarkt, so ist doch die Nachfrage nach den ,Sun­shine‘-Farben wie Orange, Aprikot, Kupfergelb noch immer unverändert hoch. Eine gewisse Renaissance der Farbe Rosa ist zu bemerken, obwohl diese ja bei den Gartenrosen nie wirklich aus der Mode war – bei den Schnittrosen dagegen schon. Vielleicht ist auch ein leichter Rückgang bei dunkelroten Rosen (= typische Männerfarbe) zu verzeichnen.“ Thomas Proll schließt nicht aus, dass „die Frauen mehr selber einkaufen“ und setzt hinzu: „Die allermeisten Damen würden sich selbst nämlich nie rote Rosen kaufen!“ Aha.


„Für alles Fans, falls ...“


Rosenarten: Kordes bemerkt „allgemein eine deutliche Nachfrage nach den neuen, gesünderen Sorten.“ Man hat auch beobachtet, dass letztlich alle Rosentypen ihre Liebhaber finden – „nur muss die Kombination aus Schönheit, Romantik und Gesundheit stimmen“. Die nostalgischen „Märchenrosen" von Kordes erfreuen sich, „sicher im Fahrtwind der Englischen Rosen, seit Jahren großer Beliebtheit. Eine enorm starke Nachfrage nach unseren neuen Kletterrosen, den ‘Klettermaxen‘, zeigt, dass die Kunden in diesem Bereich hungrig nach neuen Sorten sind.“ Eher überrascht hat den Experten „die Begeisterung über die neuen, blattgesunden Zwergrosen - hier war die Nachfrage in den vergangenen Jahren stetig gesunken, weil die alten, für Pilzkrankheiten hoch anfälligen Sorten den Leuten nur Ärger gemacht haben. Da aber immer kompakt wachsende Rosen für Kübel, Balkon, Terrasse und kleine Gärten gesucht sind, werden wir mit der neuen Generation von Sorten (künftig in der Gruppe der ‘Lilliputs‘ zusammengefasst) sicher schnell Kundenvertrauen zurückgewinnen.“


Blühverhalten: Thomas Proll bekräftigt, dass es hier inzwischen Standards gibt, die bei modernen Rosen Pflicht sind, allen voran das Öfterblühen (Dauerblühen). „Je nach Witterungsverlauf einer Saison ist natürlich auch die Regenfestigkeit der Sorten eine wichtige Eigenschaft – wenig gefüllte Blüten leiden hierunter naturgemäß weniger als stark gefüllte. Nostalgische und besonders Duftrosen haben häufig sehr weiche Blütenblätter, die schnell verkleben – manchmal hat Schönheit eben leider ihren Preis.“



Auch Rosen klimafühlig


Beim fast mediterranen Wetterverlauf im Sommer 2006, an den wir uns in Zukunft vielleicht gewöhnen müssen, wurden nach den Erfahrungen Thomas Prolls „viele Rosenfreunde von ungewohnten Eigenschaften ihrer Rosen überrascht, die sie sonst im kühleren deutschen Klima nicht zeigen: Die Blüte verlief nicht nur viel schneller, die Farben verblassten bei einigen Rosen extrem stark oder die Blüten verbrannten unter der hohen Sonneneinstrahlung. Bei anderen führte der hohe Anteil an UV-Licht hingegen zu intensiveren Blütenfarben oder einem roten Rand bei gelb blühenden Sorten. Die sich verändernden Klimabedingungen können also auch für uns Rosenzüchter neue Herausforderungen bedeuten.“


Härtetest bestanden


Die neuen Züchtungen (Fotos auf der linken Seite) von Noack Rosen, den Baum- und Rosenschulen aus dem westfälischen Gütersloh, beanspruchen durch die Bank den Vorzug stabiler Gesundheit und anhaltender, wiederkehrender Blüte. Alle besitzen das ADR-Prädikat (ADR = Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung) aus einem der strengsten Tauglichkeitstests für neue Rosen in der Welt. Auf Redaktionsanfrage bezeichnet das Unternehmen seine neue Rose „Flashlight“ als „eine besonders nostalgisch wirkende“ und die „Getano“ als „eine besonders farbenprächtige“. Beide sind Strauchrosen.


Die fünf neuen Englischen Rosen von David Austin liegen ganz in der Tradition der berühmten Züchterei aus den West Midlands. Michael Marriott, Technical Manager bei David Austin Roses, erklärt die Sorten „Claire Austin“ und „Port Sunlight“ zu den „besonders widerstandsfähigen und gesunden“, „Port Sunlight“ zu „der am üppigsten blühenden und zur besten Kletterin“, „Princess Alexandra of Kent“ wegen „ihrer an die Bourbonen-Rosen erinnernden Blüten zur nostalgischsten und zur größtblütigen“ sowie „Munstead Wood“ zur „farbenprächtigsten“ unter den neuen Kreationen aus Albrighton. Vier der fünf Neuzüchtungen, nämlich „Port Sunlight“, „Princess Alexandra of Kent“, „Claire Austin“ und „Munstead Wood“ können sich damit schmücken, „extremely fragrant“, stark duftend, zu sein.


Heidi Klum bei Tantau


Unter den neuen Züchtungen von Rosen Tantau aus dem schleswig-holsteinischen Uetersen wurden „Rosita“, „Sweet Haze“, „White Haze“ und „Piano“ mit dem Prädikat „besonders widerstandsfähig“ deklariert. Die „Heidi Klum Rose“ wird als „besonders duftend“ und zugleich „besonders nostalgisch“ beschrieben, die „Uetersener Klosterrose“ als „besonders klettertauglich“, „Piano“ als „auf­­fallend großblütig“. Zu den besonders Farbenprächtigen gehören wie­der­um „Piano“, „Biedermeier Garden“ und die „Heidi Klum Rose“. Sämtliche Neuzüchtungen werden als „sehr blühfreudig“ eingestuft. Das Model hat die nach ihr benannte „edel­­rosenähnliche Blume“ im Mai 2005 übrigens eigenhändig bei Tantau in Uetersen getauft.


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