Rose ohne Dorn

Wenn ab Anfang Mai die ersten Pfingst­rosen erblühen, erlebt der Garten seine erste Sommerattraktion.

Das Glück ist kurz, aber vollkommen. Wenn ab Anfang Mai die ersten Pfingst­rosen erblühen, erlebt der Garten seine erste Sommerattraktion. Zwei bis drei Wochen dau­­ert der Blütenrausch gerade mal. Aber er ist es wert, den Schönheiten die große Büh­­ne zu bieten.

Die Echte Pfingstrose (Paeonia officinalis), heimisch im gesamten Mittelmeerraum und in den Höhenlagen Mittel- und Südeuropas, wurde einst von Benediktinermönchen im Mit­tel­alter über die Alpen gebracht. Sie diente einst als Heilpflanze. Aus ihren Wurzeln und Samen wurden Mittel gegen Kramp­f­anfälle, Darmstörungen, Gicht und Epilepsie gewonnen. Von den Klöstern aus nahmen sie ihren Weg in die Bauerngärten. Heute gedeihen in den heimischen Gärten jedoch überwiegend Edel-Pfingstrosen aus Ostasien (Pae­onia lactiflora). Ihre immer neuen Blü­ten- und Farb­variationen scheinen unerschöpf­lich: 3.000 Sorten, darunter Stauden- und Strauch­formen gibt es bislang.


In der christlichen Symbolik steht die auch als „Marienblume“ bekannte Pfingstrose für Reichtum, Gesundheit und Schönheit. Also kaum verwunderlich, dass die „Rose ohne Dorn“ schon auf mittelalterlichen Tafelbil­dern auftaucht. Später zählte sie, wie an den opulenten Gemälden zu erkennen, zu den Lieb­­lingen der Impressionisten wie Ma­net, De­lacroix und Renoir.


Die beste Pflanzzeit der Päonie ist Oktober bis November, dann, wenn sie ihr altes Laub verloren hat. Wer sie dennoch im Frühjahr oder Sommer in die Erde bringen möchte, kann auf getopfte Pflanzen zurückgreifen. „Sonnig und auf nährstoffreichem Boden sollten sie stehen“, sagt Aglaja von Rumohr, Inhaberin der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin in Sulzburg-Laufen, die knapp 200 Sorten in ihrem Sortiment führt.


Nicht immer blüht die Päonie gleich im ers­­ten Jahr, mitunter tut sie es erst im zweiten oder dritten. Doch hat die knapp ein Meter hohe Staude endgültig Wurzeln geschlagen, blüht sie Jahr für Jahr üppiger. Aufs Um­pflan­­­­­­­zen reagiert sie mitunter mit einem mehrjährigen Blühstreik. Wie auch immer: Die ro­buste, pflegeleichte und überaus standorttreue Pfingst­rose gilt unter Kennern als „Pflan­ze für ein ganzes Leben.“


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