Winter in der Vase
Setzen wir dem Grau und Weiß vor der Tür doch etwas Herzerwärmendes entgegen. Der 28-jährige Meisterflorist Felix...

Frau Kuptz, ich stelle mir gerade ein sehr modernes Haus vor, mit einem ebenso geradlinig und klar gestalteten Garten – und mittendrin ein Gemüsebeet. Das passt doch schlecht zusammen, oder?
Daniela Kuptz: Wieso? Ich sehe keinen Widerspruch darin, Elemente eines Nutzgartens in einen modernen Hausgarten einzufügen. Ein bisschen Obst, Gemüse, Kräuter und Schnittblumen vor der Haustür zu ernten, macht einfach Spaß. Viele Familien mit Kindern wünschen sich, unabhängig vom Stil des Gartens, ihre Kleinen mögen aus eigener Anschauung lernen, dass Äpfel nicht im Supermarktregal wachsen.
Wie gehen Sie an die Planung eines Gartens heran, der nicht nur der Zierde dienen soll, sondern beiden Aspekten: dem Schönen und dem Nützlichen?
Daniela Kuptz: Zuerst frage ich, wie viel Zeit die Besitzer für die Pflege von Obst und Gemüse aufbringen können und wollen. Wem nur eine Stunde pro Woche bleibt, dem werde ich kein aufwendiges Gemüsebeet einreden. Wichtig ist die Grundstücksgröße. Tendenziell werden die Gärten ja immer kleiner. Trotzdem lassen sich verschiedene Funktionen realisieren, wenn man sie geschickt miteinander kombiniert. Beispiel Hochbeet: In ihm sprießen duftende Kräuter und gleichzeitig bietet es sich als Sitzplatz an. Ein nächster Punkt sind die Lichtverhältnisse. In einem Garten nach Süden gedeiht viel. Aber auch im Schatten kann man Leckeres ernten, Bärlauch zum Beispiel. Der fühlt sich unter hohen Laubbäumen und Hecken wohl. Alle Überlegungen münden in eine funktionale Gliederung des Gartens. Er wird in einzelne Räume mit entsprechenden Aufgaben unterteilt: Erholen, Naschen, Spielen.
Welche Pflanzen empfehlen Sie gern für einen Naschgarten?
Daniela Kuptz: Beginnen wir beim Obst. Wenn der Platz ausreicht, einen Apfelbaum. Er bezaubert im Frühling mit herrlichen Blüten. Im Spätsommer oder Herbst trägt er Früchte, die viel aromatischer schmecken als die faden Kugeln, die es zu kaufen gibt. Zu meinen Lieblingssorten gehören Cox Orange und alte Sorten wie ,Ernst Bosch‘, deren Früchte wunderbar duften. Zu einer Felsenbirne rate ich liebend gern. Sie wird drei Meter hoch und drei Meter breit. An der Terrasse platziert, spendet sie verlässlich Schatten. Ihre Früchte schmecken süß und können roh gegessen werden. Sie enthalten viele Vitamine. Auch Marmelade lässt sich daraus kochen, sie hat einen leichten Beigeschmack von Marzipan. Ein Busch, den ich ebenfalls sehr mag, ist der Holunder. Die Blüten duften nicht nur fantastisch – aus ihnen kann man Sirup kochen, aus den Früchten Gelee.
Diese Pflanzen erfüllen mehrere Funktionen: Sichtschutz, Schattenspender, Schmuck – und Früchtelieferant
Daniela Kuptz: Richtig, deshalb lassen sie sich gut mit verschiedenen Stilen vereinbaren. Himbeeren schmecken zwar auch gut, aber die geben optisch nicht viel her. Sie wachsen an einem Trieb, der sich wenig verzweigt und müssen angebunden werden. Stachelbeeren sind aus der Mode gekommen. Wenn der Gartenbesitzer kleine Kinder hat, empfehle ich lieber Nutzpflanzen, die keine Dornen haben, damit sich die Kleinen nicht wehtun.
Wie ist es ums Gemüsebeet bestellt?
Daniela Kuptz: Das Hegen von Gemüse ist aufwendiger, man sollte sich mit Fruchtfolgen, Dünger, Schädlingen auskennen. Aber Tomaten funktionieren eigentlich immer. Sie brauchen ein sonniges, regengeschütztes Plätzchen, vielleicht an einer Hauswand, und einen Stab, an dem sie sich hochwinden können. Regelmäßig gewässert, versprechen sie in der Regel eine gute Ernte. Blattsalat, Feldsalat und Spinat sind im Naschgarten ebenfalls gut beheimatet. Bohnen ranken sich sogar im Gebüsch hoch und haben hübsche Blüten. Ganz klar, dass Kräuter nicht fehlen dürfen. Basilikum, Rosmarin oder Pimpernelle lassen sich in dekorativen Gefäßen ziehen, die der Formensprache des Hauses und des Gartens entsprechen: in streng geradlinigen Kübeln ebenso wie in Terrakotta- oder rustikalen Tontöpfen. Eine Kräuterspirale wirkt immer reizvoll. Übrigens gehören für mich zu den nützlichen Schönheiten auch eine Reihe Blumen. Die Blüten der Brunnenkresse, der Ringelblume oder der Taglilie sind essbar und eine wunderbare Dekoration auf dem Teller. Ein Beet für einjährige Schnittblumen würde ich immer mit einplanen.
Ein Naschgarten wird ja oft für Kinder angelegt. Die Kleinen haben aber noch weit mehr Bedürfnisse, sie wollen spielen. Optisch sind Spielgeräte leider oft eine Zumutung.
Daniela Kuptz: Die Klettergerüste aus dem Baumarkt strahlen häufig pure Langeweile aus. Eine Schaukel, vier Sprossen, das war‘s. Sie regen die Fantasie der Kinder kein Stück an. Eine Spielecke muss vielfältig und spannend sein. Nach meiner Erfahrung passieren auf interessanten Spielplätzen die wenigsten Unfälle.
Wie lauten Ihre Vorschläge für ein Kinderparadies im Garten?
Daniela Kuptz: Kleinkinder brauchen Sand zum Buddeln. Der muss nicht von einem Holzrahmen eingekastelt sein. Viel schöner sieht eine Sandmulde aus, die später vielleicht zu einem Teich umgestaltet werden kann. Kinder spielen auch gern mit Wasser. Eine Schwengelpumpe zum Wasserschöpfen ist im Gegensatz zu einem offenen Gewässer völlig ungefährlich. Kleine Rinnsale, die über Steine fließen, Kuhlen für Matschepampe – all das macht Spaß. Stehen alte große Bäume auf dem Grundstück, kann man die Schaukel an einem starken Ast befestigen. Oder einen Kletterwald bauen, mit Leitern, Seilen und Rampen.
Wo ist der beste Platz für eine Spielecke?
Daniela Kuptz: Für Kleinkinder natürlich nah an der Terrasse oder am Haus. Dort hat man sie jederzeit im Blick. Größere Kindern lieben geheime Ecken, weil sie sich gern verstecken, sich gern mal zurückziehen, in ihre eigene Welt eintauchen und Abenteuer erleben wollen. Vielleicht findet sich hinter einem Schuppen oder einer Hecke ein geeigneter Platz, der nicht von jedem Standort aus einsehbar ist. Dort könnten sie sich eine Hütte aus frischen Weidenruten bauen. Die im Frühjahr geschnittenen Zweige der Kopfweide werden in die Erde gesteckt und wachsen schnell an. Im Sommer ist dann alles schön grün und dicht.