Naschstationen im Garten

Neben dem Platz für die Sonnenliege findet sich im Garten immer auch ein Fleckchen Erde für Obst und Gemüse oder einen Abenteuerspielplatz für die Kinder.

Landschaftsarchitektin Daniela Kuptz plant Hausgärten, in denen sich Schönes mit Nützlichem vereint. Neben dem Platz für die Sonnenliege findet sich immer auch ein Fleckchen Erde für Obst und Gemüse oder einen Abenteuerspielplatz für die Kinder.

Frau Kuptz, ich stelle mir gerade ein sehr modernes Haus vor, mit einem ebenso geradlinig und klar gestalteten Garten – und mittendrin ein Gemüsebeet. Das passt doch schlecht zusammen, oder?


Daniela Kuptz: Wieso? Ich sehe keinen Widerspruch darin, Elemente eines Nutz­gar­tens in einen modernen Hausgarten einzufügen. Ein bisschen Obst, Gemüse, Kräuter und Schnittblumen vor der Haustür zu ernten, macht einfach Spaß. Viele Familien mit Kindern wünschen sich, unabhängig vom Stil des Gartens, ihre Kleinen mögen aus eigener An­schau­ung lernen, dass Äpfel nicht im Su­permarktregal wachsen.


Wie gehen Sie an die Planung eines Gartens heran, der nicht nur der Zierde dienen soll, sondern bei­den Aspekten: dem Schönen und dem Nütz­lichen?


Daniela Kuptz: Zuerst frage ich, wie viel Zeit die Besitzer für die Pflege von Obst und Ge­müse aufbringen können und wollen. Wem nur eine Stunde pro Woche bleibt, dem wer­de ich kein aufwendiges Gemüsebeet einreden. Wichtig ist die Grundstücksgröße. Ten­den­ziell werden die Gärten ja immer kleiner. Trotzdem lassen sich ver­schiedene Funktio­nen realisieren, wenn man sie geschickt miteinander kombiniert. Beispiel Hochbeet: In ihm sprießen duftende Kräuter und gleichzeitig bietet es sich als Sitzplatz an. Ein nächs­­­ter Punkt sind die Licht­verhältnisse. In einem Garten nach Süden gedeiht viel. Aber auch im Schatten kann man Leckeres ernten, Bärlauch zum Beispiel. Der fühlt sich unter hohen Laubbäumen und Hecken wohl. Alle Überlegungen münden in eine funktionale Glie­derung des Gartens. Er wird in einzelne Räume mit entsprechenden Aufgaben unterteilt: Erholen, Naschen, Spielen.


Welche Pflanzen empfehlen Sie gern für einen Naschgarten?


Daniela Kuptz: Beginnen wir beim Obst. Wenn der Platz ausreicht, einen Apfelbaum. Er bezaubert im Frühling mit herrlichen Blüten. Im Spätsommer oder Herbst trägt er Früchte, die viel aromatischer schmecken als die faden Kugeln, die es zu kaufen gibt. Zu mei­nen Lieblingssorten gehören Cox Orange und alte Sorten wie ,Ernst Bosch‘, deren Früchte wunderbar duften. Zu einer Fel­sen­birne rate ich liebend gern. Sie wird drei Meter hoch und drei Meter breit. An der Ter­rasse platziert, spendet sie verlässlich Schat­­­ten. Ihre Früch­te schmecken süß und können roh ge­gessen werden. Sie enthalten viele Vitamine. Auch Marmelade lässt sich daraus kochen, sie hat einen leichten Bei­geschmack von Marzi­pan. Ein Busch, den ich ebenfalls sehr mag, ist der Holunder. Die Blüten duften nicht nur fantastisch – aus ih­nen kann man Sirup kochen, aus den Früch­ten Gelee.



Diese Pflanzen erfüllen mehrere Funktionen: Sichtschutz, Schattenspender, Schmuck – und Früchtelieferant


Daniela Kuptz: Richtig, deshalb lassen sie sich gut mit verschiedenen Stilen vereinbaren. Himbeeren schmecken zwar auch gut, aber die geben optisch nicht viel her. Sie wach­sen an einem Trieb, der sich wenig verzweigt und müssen angebunden werden. Sta­chelbeeren sind aus der Mode gekommen. Wenn der Gartenbesitzer kleine Kinder hat, empfehle ich lieber Nutzpflanzen, die keine Dornen haben, damit sich die Kleinen nicht wehtun.


Wie ist es ums Gemüsebeet bestellt?


Daniela Kuptz: Das Hegen von Gemüse ist auf­wendiger, man sollte sich mit Frucht­folgen, Dünger, Schädlingen auskennen. Aber Tomaten funktionieren eigentlich im­mer. Sie brauchen ein sonniges, regenge­schütztes Plätzchen, vielleicht an einer Haus­­wand, und einen Stab, an dem sie sich hoch­winden können. Regelmäßig gewässert, versprechen sie in der Regel eine gute Ernte. Blatt­salat, Feldsalat und Spinat sind im Naschgarten ebenfalls gut beheimatet. Boh­nen ranken sich sogar im Gebüsch hoch und haben hübsche Blüten. Ganz klar, dass Kräu­ter nicht fehlen dürfen. Basilikum, Ros­marin oder Pimpernelle lassen sich in dekorativen Gefäßen ziehen, die der For­men­spra­che des Hauses und des Gartens entsprechen: in streng geradlinigen Kübeln ebenso wie in Ter­rakotta- oder rustikalen Tontöpfen. Eine Kräu­­ter­spirale wirkt immer reizvoll. Übrigens gehören für mich zu den nützlichen Schön­heiten auch eine Reihe Blumen. Die Blüten der Brunnen­kresse, der Ringel­blu­me oder der Tag­lilie sind essbar und eine wunderbare Dekoration auf dem Teller. Ein Beet für einjährige Schnittblumen würde ich immer mit einplanen.


Ein Naschgarten wird ja oft für Kinder angelegt. Die Kleinen haben aber noch weit mehr Bedürfnisse, sie wollen spielen. Optisch sind Spielgeräte leider oft eine Zumutung.


Daniela Kuptz: Die Klettergerüste aus dem Bau­markt strahlen häufig pure Langeweile aus. Ei­ne Schaukel, vier Sprossen, das war‘s. Sie re­gen die Fantasie der Kinder kein Stück an. Eine Spielecke muss vielfältig und span­nend sein. Nach meiner Erfah­rung passieren auf interessanten Spiel­plätzen die we­nigsten Unfälle.


Wie lauten Ihre Vorschläge für ein Kinder­paradies im Garten?


Daniela Kuptz: Kleinkinder brauchen Sand zum Buddeln. Der muss nicht von einem Holzrahmen eingekastelt sein. Viel schöner sieht eine Sandmulde aus, die später vielleicht zu einem Teich umgestaltet werden kann. Kinder spielen auch gern mit Wasser. Eine Schwengel­pumpe zum Wasserschöpfen ist im Gegen­satz zu einem offenen Gewässer völlig ungefährlich. Kleine Rinnsale, die über Steine fließen, Kuhlen für Matschepampe – all das macht Spaß. Stehen alte große Bäu­me auf dem Grundstück, kann man die Schaukel an einem starken Ast befestigen. Oder einen Kletterwald bauen, mit Leitern, Sei­­len und Rampen.


Wo ist der beste Platz für eine Spielecke?


Daniela Kuptz: Für Kleinkinder natürlich nah an der Terrasse oder am Haus. Dort hat man sie jederzeit im Blick. Größere Kin­dern lieben geheime Ecken, weil sie sich gern verstecken, sich gern mal zu­rück­ziehen, in ihre eigene Welt eintauchen und Abenteuer erleben wollen. Viel­leicht findet sich hinter einem Schup­pen oder einer Hecke ein geeigneter Platz, der nicht von jedem Standort aus einsehbar ist. Dort könnten sie sich eine Hütte aus frischen Weiden­ruten bauen. Die im Frühjahr ge­schnit­tenen Zweige der Kopf­weide werden in die Er­de gesteckt und wachsen schnell an. Im Som­­mer ist dann alles schön grün und dicht.


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