Ländlich, sittlich

Ländlich, sittlich – Cottage Garden.

Er ist gewöhnlich nicht in der Stadt zu finden und kommt ohne Beton oder andere Industriematerialien aus. Im Übrigen lässt sich gar nicht so leicht bestimmen, was genau ein Country-Garten ist. Sicher jedoch: Er kann sehr schön sein. Wie im Fall des Privatgartens unseres Gastautors Manfred Siegwarth, Landschaftsarchitekt am Bodensee.

Cottage-Garden würde ich außerhalb Englands übersetzen als „Bauerngarten“. Cottage Garden ist ein Gartentyp, von dem sich die englische Gärtnerin Gertrude Jekyll (1843–1932) stark inspirieren ließ. In diesen Gärten fand man Gemüse, Blumenbeete, Gruppierungen aus Sträuchern und Sommerblumen, wobei Ordnung oberstes Gebot war.


Meiner Meinung nach sollte eine ordnende Hand in fast allen Gärten spürbar sein. Das Streben nach einem englischen Country Garden – die Kleinausgabe wäre der Cottage Garden – ist bis heute einer der häufigsten Wünsche von Hausbesitzern. Was aber steht hinter dem Verlangen? Ein Wellnesswunsch für die Gefühle! Ein Ausgleich für den stressgeplagten, täglich geforderten Menschen.


Wer möchte nicht unter einem blühenden Apfelbaum sitzend in die Landschaft träumen! Es ist die Spielwiese, die jeder braucht, um glücklich zu sein. Meine heimische Bodenseelandschaft gehört zur Klimazone 7 bis 9; sie hat in der Regel Weinbauklima. Das erlaubt Pflanzen in großer Bandbreite, ähnlich wie im Tessin oder am Lago Maggiore. Auch bei uns gibt es eine Tradition von Bauerngärten, die ziemlich genau dem Anspruch der Cottage Gärten viktorianischer Zeit entspricht. Hintergrund war die Versorgung mit Eiern von eigenen Hühnern, mit Gemüse, Kräutern, Beeren und anderem Obst.


Die meisten Menschen, die heute einen Cottage- oder Bauerngarten besitzen wollen, haben jedoch nicht die Zeit für die erforderliche Pflege. Deshalb kann man einen Kompromiss machen, Hühnerstall oder große Gemüsebeete weglassen und dafür andere klassische Komponenten des Country- Gartens einbringen.