klassisch romantisch

Die Hortensie trägt den Beinamen „Färbeblume". Obwohl weiterhin das zeit­lose Weiß als Trend­farbe gilt, kann farblich in die Na­tur eingegriffen wer­den.

Die Klassiker des Gartens: Geballte Blütenüppigkeit, hoch aufsteigende Filigranität oder aristokratische Anmut. Sollten Garten­liebhaber einen gemeinsamen Nenner suchen, so wären Hortensien, Clematis und Lilien dabei.

Geballte Schönheit: Die Hortensie

Kein harter Winter kann ihren anmutigen, unermüdlichen Blütenreichtum, den sie im Sommer entfaltet, aufhalten. Bis minus 29 Grad Celsius nimmt die Hortensie auf die leichte Schulter. Blüten sollten jedoch als Knospenschutz den Winter über an der Pflan­­ze bleiben. Die „Wasserschlürferin", so ihr Name übersetzt, verrät, dass sie neben einem normalen Volldünger im Hochsommer verschwenderisch nach Wasser verlangt. Aber bitte mit etwas Kalk oder einem Spritzer Es­sig, um das Wasser weicher zu machen. Sie benötigt einen hellen bis halb schattigen Stand­ort.


Exotischen Ursprungs, bildet sie in den Gär­ten und Vorgärten ganze Blütenwälle in Blau, Violett, Rot, Rosa oder Weiß, mitunter in mehrfarbigen Variationen. Auch als Topf­blume kann sie sich sehen lassen, jedoch sollte sie nach der Blüte in einen größeren Kübel oder ins Freiland umgesetzt werden.


Streng genommen besitzt die Hortensie kei­­ne Blüten. Der Job der Farben­pracht wird von Scheinblüten übernommen. Die tatsächliche Blüte sitzt unmittelbar darunter, klein und unscheinbar. Zu den klassischen Ver­­tre­­tern zählen Teller-, Ball- oder Kugel-, Bau­­ern- und Rispen­hor­ten­sien.


‘Endless Summer‘ mit ihren blauen und neu­erdings weißen Blüten setzt einen eleganten Akzent in jedem Garten. Ihr attraktives dunkelgrünes Blattwerk bietet außerdem einen kontrastreichen Hinter­grund, nicht nur für ihre eigenen Blüten. Diese Bauernhortensie, die zu romantischen und ländlichen ebenso wie zu Barock-Gärten, Gärten im exotischen Stil oder Waldgärten passt, hat das einmalige Ge­schick, nicht nur an vorjährigem Holz, sondern auch an ganz frischen Trieben Blü­ten zu bilden. Ein Blütenmeer ist also garantiert.


Als Solistin von graziler Anmut kann sie ebenso wie in Kombination mit anderen Pflan­­zen, als Strauch, Rand­bepflanzung oder in Ra­batten von sich reden machen. Experten ra­ten: Alte Trie­be von Hortensien erst im Frühjahr zurückschneiden, da neu austreiben­de Ansätze zu der Zeit leichter zu erkennen sind. Auch im Laufe des Sommers sollte man welke Blüten abknipsen. Das Be­schneiden älterer und knorriger Zweige bringt wieder Licht und Luft in die Pflanze, stachelt ihr Wachstum an und fördert erneute Blütenpracht.



Der Freestyle-Climber: Die Clematis

Obwohl die Kletterpflanze voll rasantem Ent­schluss ist, Areale durch Erklim­men zu erobern, braucht sie Hilfestellung. Jedes Rank­gitter mit weniger als einem Zentimeter Durch­messer ist von Nutzen, dickere Stäbe vermag sie nicht mit ihren Blattstielen zu umschlingen. Die Clematis gehört zur Familie der „Ranunculäceae", zu der auch die Christ­rose gezählt wird, und ist Gebirgsbewoh­nerin. Die Blüten­sterne der Hy­bride eignen sich ausgezeichnet für Mauer- und Zaunbe­grünung. Sie zeigen sich in mannigfachen For­men und Farben: sanftes Rosa, intensives Lila, leuchtendes Weiß. Etwa 200 Arten mit über 400 Sorten sind heute im Handel und jedes Jahr werden es, den überwiegend englischen Züchtern sei dank, mehr.


Die Pflanzen lassen sich in drei Gruppen ka­tegorisieren: die Frühblüher, die sich bereits im März gen Himmel aufmachen, gefolgt von den Mai- und Juni-Startern. Die Sommer­blüher – mit der größten Anhänger­schaft – bilden die Nachhut. Sie präsentieren sich von Juni bis Oktober. Clematis haben es eilig. Wer also noch im Herbst pflanzt, darf sich sicher sein, sie bereits im Sommer bei optimaler Platzierung mit doppelter bis dreifacher Höhe begrüßen zu können.


Komplett sonnige Standorte lehnt sie kategorisch ab. Es sei denn, es handelt sich um eine robuste Sorte, die das intensive Son­nenbad verträgt. Trotzdem sollte ihr Fuß stets beschattet sein. In der Regel zieht sie jedoch den halbschattigen Aufenthaltsort vor, gern in Gesellschaft von Kirschlorbeer oder Eibe. Sie liebt gut durchlüfteten Boden, aufgelockert und mit etwas Hydro-Ton be­stückt, das erleichtert den notwendigen Was­serabzug. Wasser benötigt sie in ausreichender Menge, ebenso nährstoffreichen Bo­­den. Es muss also immer für genügend Dün­ger gesorgt werden.


Dandy-Requisite: Die Lilie

Mit einer bedeutungsvoll gehaltenen Lilie in der Hand flanierte einst der Schriftsteller Oscar Wilde über den Londoner Piccadilly Cir­cus: „Die Gesellschaft will verblüfft werden.“ Wegen ihrer kunstvollen Anmut und Qualität als Schnittblume erfreute sie sich nicht nur bei Wilde großer Beliebtheit.



Die ursprünglich aus dem Orient stammende Grazie ist eine Sonnenanbeterin, ihre unters­ten Blätter sollten jedoch etwas beschattet werden. Dem Halbschatten ist sie auch nicht abgeneigt. Die meisten Sorten lieben sehr trockenen, durchlässigen, lockeren, sandigen bis leicht lehmigen Boden. Stau­nässe lehnen sie kategorisch ab. Als Nahrung reicht der Pflanze eine Handvoll Hornspäne, organischer Dünger oder Blaukorn. Ihre Zwiebeln, die sich durch ausreichende Winter­härte auszeichnen, werden im Sep­tember gesetzt. Die Lilie kann mehrere Jahre am selben Ort stehen, doch sobald die Blühfähigkeit schwä­­chelt: umsetzen!


Kreuzfahrer, die sie nach Europa brachten, sahen in ihr das Wahrzeichen der Mutter Got­tes und des Königtums. Ihre faszinierende Gestalt haben sich Könige zunutze ge­macht und sie kunstvoll in ihren Zeptern verewigt. In der Heraldik ist die Lilie eines der wichtigsten Wappenbilder der Könige von Frankreich und ebenso im Wappen von Lille oder Florenz zu entdecken.


Lilien zählen zu den grünen Hausbewohnern, denen es aber auch im Garten gefällt. Ver­blühte Topf-Lilien können von August bis Oktober in ein Beet gepflanzt werden, nicht in den Ra­sen, denn unter der Grasnarbe wachsen sie nicht weiter. Bei welken Lilien ist es wichtig, sie kurz unter dem Blütenstand abzuschneiden, so können noch Nährstoffe in die Zwie­bel gelangen.


Die Blume ist nicht nur dekorativ: Ihre vor dem Kochen noch bitter und scharf schme­ckende Zwiebel ist nach dem Garen innerhalb weniger Minuten weich und süß. Die Pflanze besitzt außerdem heilende Kräfte: Ihr feiner Blütenstaub befreit die Atemwege, die Blütenblätter bringen die Wundheilung auf Trab, was bereits den Ägyptern und Persern bekannt war. Im Altertum wurde die weiße Lilie zur Herstellung von Salben oder Ölen herangezogen.


Sie bildet ihre trompeten-, glocken- oder schalenförmigen großen, auffällig gefärbten und gezeichneten Blüten während des Som­mers aus. Die ausdauernde, krautige Pflanze kann bisweilen eine Höhe von bis zu zwei Metern erreichen. Die meist auf der Blüte zu entdeckenden dunklen Punkte sind erblich, das Muster selbst nicht. Infolge­dessen kann jede Lilie als einzigartig be­zeichnet werden. Oft gepaart mit einem betörenden Duft – ei­ni­ge Sorten werden zu den am intensivsten duftenden Geschöpfen gezählt –, wertet sie mit ihrer Eleganz jeden Garten auf.


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