Im Dunkeln tappen

Gekonnt platzierte Leuchten verwandeln den Garten in der Dunkelheit in eine märchenhafte Welt. Ganz nebenbei sorgen sie natürlich für sicheren Tritt und Positionsbestimmung in der Schwärze der Nacht.

Mit der untergehenden Sonne versinken unsere Gärten meist in der Schwärze der Nacht. Dabei sind sie, gekonnt beleuchtet, wunderbare Kulissen für Fantasie und Mysterien, meint Land­schaftsarchitektin Carola Ettwein. Was ist „gekonnt“?

Beleuchtung von Eingängen, Zufahrten und Wegen gehört zu unserem Pflichtprogramm. Auch die Terrassenbeleuchtung hat ihre feste Daseinsberechtigung. Aber die stimmungsvolle, subtile, mitunter auch diffuse Lichtinszenierung einer Gartenlandschaft? Da wird oft nach dem Gießkannenprinzip verteilt, was sich mit ein wenig Fingerspitzengefühl zum „Highlight“ der Anlage etablieren könnte. Fassen wir ein paar Regeln zur Güte zusammen: Bei der Lichtinszenierung geht es vorrangig um tolle Lichteffekte, also um die raffinierte Variante statt der rein funktionalen „Erleuchtung“.


Leuchten sollten auf bestimmte Objekte gerichtet sein, ohne selbst wahrgenommen zu werden. Das Objekt wird für den Betrachter indirekt beleuchtet. Lichtquelle und Effekt sind scheinbar räumlich getrennt. Nicht der helle Strahler interessiert, sondern wie das Licht auf die Umgebung oder den fokussierten Gegenstand projiziert wird.


Die Ausrichtung der Leuchten sollte der Blickrichtung des Betrachters entsprechen. Andernfalls blenden die Strahler, was eine entspannte Stimmung stört. Notfalls die Leuchten mit Hilfsmitteln abdecken oder verschatten.


In professionell illuminierten Gärten nimmt man die Leuchtmittel tagsüber wenig oder gar nicht wahr. Wenn sie unter Pflanzen, hinter Steinen verborgen oder nur als kleine Strahler im Bodenbelag erkennbar sind, ist der Effekt bei Nacht umso überraschender.


Ausnahme: besonders dekorative Beleuch­­tungen, wie Lichtkugeln, die zum Schau­ob­­jekt werden.

Zu viele verschiedene Leuchttypen wirken unruhig und konzeptionslos. Meist reichen drei bis vier Installationen für die gewünschten Effekte. Das wirkungsvolle Spiel mit Licht und Schatten ist wichtiger als die Totalausleuchtung des Gartens.



Nächste Frage: Was ist eindrucksvoll genug, um nachts hervorgehoben zu werden? Auf jeden Fall Objekte wie malerische oder skurrile Gehölze, natürlich schöne Skulpturen und ausdrucksstarke architektonische Elemente wie Wasserbecken, Brunnen, Quellsteine und Teiche. Aber auch ganze Achsen, beispielsweise eine Reihenpflanzung kugeliger Formgehölze oder Ensembles wie der Sitzplatz unter der Laube mit einer interessanten Steinmauer. Normalerweise befinden sich zwischen solchen Orten auch Treppen- und Wegeverbindungen, die beleuchtet sein müssen, um sicher begehbar zu sein. Das sollte im Gesamtkonzept berücksichtigt werden.


Richtige Leuchte am richtigen Platz

Nach diesen Vorüberlegungen folgt nun die praktische Umsetzung. Egal ob Neuanlage oder Umgestaltung, ein Lageplan, in den alle Gartenbestandteile maßstäblich eingetragen werden, erweist sich als sinnvoll: feste Sitz- und Aufenthaltsorte, Wege­verbindungen, Treppen, Mauern, Wasserelemente, Baum- und Strauch­bestand, wichtige Dekorationselemente. Dann beginnt die Auswahl: Wo sitzt man häufig? Welche Achse soll betont sein? Welche Blatt-, Mauer- oder Materialstruktur könnte nachts interessant aussehen? Was wäre ein schöner Hintergrund – die grüne, gleichmäßige Heckenwand oder die raue Natursteinfläche? Was soll im Vordergrund, was im Hintergrund hervorgehoben werden?

Wenn dieses Vorkonzept Hand und Fuß hat, darf man sich nach den geeigneten Leuchtquellen umschauen. Die Produktvielfalt lässt sich grob in folgende Leuchtmittel unterteilen:


Bodeneinbaustrahler/Lichtpunkte:

Überall dort empfehlenswert, wo eine sichtbare Beleuchtung als störend empfunden wird – in Bodennähe von Bäumen, Hecken, Sträuchern und schönen Blattpflanzen oder Gräsern.

Übrigens lässt helles, weißes Licht Blätter smaragdgrün schimmern, während rötlich-gelbes Licht angenehm warm und nicht übertrieben hell wirkt.


Erdspießstrahler:

Sie sind mobil und lassen sich mit wechselnden Vegetationshöhepunkten auch leicht umstecken. Wichtig: die Kabel kaschieren.


Einbauleuchten/Niedrige Standleuchten:

Sie strahlen oftmals nach unten und sind deshalb gut für die seitliche Montage bei Treppenaufgängen oder bodennah bei Sitzplätzen geeignet. Sie sollten in dezentem Design gewählt sein, um auch tagsüber nicht zu technisch zu wirken.



Unterwasserleuchten:

Sie setzen Wasserbecken, kleine Quellen, einen Wasserfall oder einen größeren Teich stimmungsvoll in Szene. Bei Wasserbecken und Schwimmteichen lassen sich raffiniertere Effekte erzielen, wenn interessante Randobjekte wie eine Wasserwand, mehrere Wasserspeier oder eine Fontäne illuminiert werden. Auf der ansonsten glatten, dunklen Wasserfläche schafft das eine wunderbar stimmige Atmosphäre.


Sind die passenden Leuchtmittel ausgewählt, hat das Konsequenzen für die Stromverteilung im Garten.


Energieausbeute und Lebensdauer


Eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Auswahl eines Leuchtmittels ist zweifellos seine Wirtschaftlichkeit. Diese setzt sich nicht allein aus dem Anschaffungspreis und Stromverbrauch zusammen, sondern hängt auch von der Lichtausbeute und der durchschnittlichen Lebensdauer ab. So gesehen ist die Glühbirne berechtigterweise ein Auslaufmodell. Halogenlampen sind recht effektiv, da ihre Lichtleistung höher und ihre Wärmeerzeugung geringer ist. Mit niedrigem Energieverbrauch und langer Haltbarkeit überzeugt derzeit die Energiespar- oder auch Kompaktleuchtstofflampe, was ihren höheren Anschaffungspreis rechtfertigt und über die Aufwärmphase von etwa 10 Minuten hinwegsehen lässt. LED-Leuchten sind ebenfalls Stromsparer, müssen sich den Gartenbereich aber erst noch erobern.


Beim Stromsparen helfen übrigens Bewegungsmelder, Zeitschaltuhren sowie Dämmerungsschalter, die alle die Beleuchtungsdauer regulieren. Außerdem sollten Scheinwerfer optimal in Höhe und Entfernung ausgerichtet werden, um die gewünschte Lichtausbeute zu erzielen.


Solarleuchten gelten momentan noch als Sonderfall. Sie verursachen zwar keine Betriebskosten und kommen erfreulicherweise ohne Kabel aus, sind aber derzeit wegen ihrer geringen Helligkeit und Energieausbeute noch nicht konkurrenzfähig. Besserung versprechen ein paar Hochleistungsprodukte, die mithilfe mehrerer LEDs und gezielt eingesetzter Reflektortechnik bemerkenswert hell scheinen. Und zudem erstaunlich temperaturunempfindlich sind. Kombiniert mit herkömmlichen Leuchtmitteln lässt sich so durch Solarleuchten ein umweltfreundlicheres, atmosphärisches Beleuchtungskonzept verwirklichen.


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