Grasrecycling mit Roboter-Rasenmähern: Rasenmähen 2.0
Gras mähen, die Umwelt schonen, mehr Freizeit haben und dabei gleichzeitig noch sparen – geht das überhaupt? Der...

Als Rudyard Kipling vor genau 100 Jahren als erster Engländer den Nobelpreis für Literatur bekam, soll er das Preisgeld nach den Worten von England-Kenner Peter Sager umgehend in seinen Garten investiert, Land hinzugekauft und einen Teich angelegt haben.
An der Wand des Arbeitszimmers in seinem grünen Refugium befindet sich für Besucher Kiplings Bekenntnis „The Glory of the Garden“, eines der bekanntesten englischen Gedichte und eine zweite Nationalhymne. „Unser England ist ein Garten“, heißt es da. Jeder kann gärtnern, kein Bein ist zu dünn dafür, kein Kopf zu dick, „schon Adam war ein Gärtner“. Nicht nur für Kipling war sonnenklar: Adam war Engländer.
Weshalb die Gartenbegeisterung auf der Insel – Sager nennt sie in „Englische Gartenlust“ das „englische Nationalfieber“ – so grassiert, entzieht sich einbödigen Antworten. Die Erklärung liegt in der Geschichte, im Klima des Landes und im Naturell der Menschen. Der englisch-walisische Gartenfachmann Roddy Llewellyn (59) beschränkt die Deutung ganz aufs Klimatische.
Auf unsere Frage, wo für ihn die Hauptgründe liegen, dass englische Gärten weltweit so berühmt und beliebt sind, entgegnet er: „Im Klima unserer kleinen Insel, die von der Gnade des Golfstroms geküsst wird. Daher können wir, im Vergleich auch zu Ländern wie Deutschland mit harscheren Wintern, eine wesentlich breitere Palette von Pflanzen anbauen.“
Wenn immer wieder erklärt wird, dass es „nirgendwo auf der Welt eine vergleichbare Gartenbau-Kultur wie in England“ gäbe, was man auch auf einschlägigen Internetseiten deutscher Gartenarchitekten lesen kann, hat das vor allem mit einer Vergröberung zu tun. Bis heute wird nämlich ein Merkmal, das zwar prägend, aber nur ein Teilaspekt ist, mit der britischen Gartenkultur insgesamt gleichgesetzt: die Schönheit des großzügigen, frei fließenden Landschaftsgartens, wie er im 18. Jahrhundert erst vom Maler und Landschaftsgärtner William Kent (1686 bis1748) und anschließend vor allem von Lancelot „Capability“ Brown (1716 bis 1783) entwickelt wurde. Kent und Brown hatten um 1730 eine Gartenrevolution vom Zaun gebrochen: als Gegenentwurf zu dem bis dahin auch in Britannien von Adel und Königshaus vergötterten strengen, mathematischen und förmlichen Garten und Park französischer Schule.
Die unsichtbare Hand
Auf der Suche nach einer kontinuierlichen Unterhaltung fürs Auge verwarf namentlich Brown, der jeder Landschaft, jedem Gelände, jedem natürlichen Gartenumfeld bestimmte, ihm innewohnende Tauglichkeiten (capabilities) zubilligte, das strenge Schneiden von Gehölzen, das Modellieren von Hecken zu Quadern, von Büschen zu Pyramiden, von Bäumen zu Kugeln. Stattdessen bevorzugte er das unpolierte Kleid von Wiese und Feld, und wenig übertrifft bei seiner vorsichtigen Natur-, Garten- und Parkgestaltung seinen Umgang mit Wasser: Brown löste sich von Kanälen, die mit dem Lineal gezogen wurden, von geometrischen Bassins und gezirkelten Kaskaden, die über Marmorschwellen fallen.
Auch er übernahm nicht nur, sondern gestaltete Natur. Doch dies mit sanfter, unsichtbarer Hand. In Virginia Waters, einem Landschaftspark mit 50-Hektar-See, der zum Großen Park von Windsor unweit des Schlosses gehört und von Thomas Sandby Mitte des 18. Jahrhunderts entworfen wurde, ist vieles von Menschenhand geformt worden. Aber die Hand bleibt weithin verborgen.
Da wird ein sanfter Strom gelehrt, sich zu seinem Vergnügen zu schlängeln. Da scheint ein Bach im Dickicht zu verschwinden, ehe er – unterbrochen von verschiedenen Landschaftsebenen – glitzernd in der Ferne wieder auftaucht. Da suchten Kent, Sandby und Brown nach einem dezenten und romantischen Übergang von großen Landhäusern zum dazugehörigen Land. Das Ergebnis war der English Garden. Er stand Modell für die Gärten Europas, und trotz vieler anderer Einflüsse auch auf der Insel steht er oft als Inbegriff für den Englischen Garten.
Mit dem heutigen britischen Gartenalltag hat das freilich alles wenig zu tun, mit der Liebe zum Gärtnern dagegen sehr wohl. Roddy Llewellyn zögert keinen Augenblick, seine Landsleute zu besseren Hobbygärtnern als anderswo in Europa zu adeln, und zwar „aus dem einfachen Grund, weil sie über Jahrhunderte so viel Erfahrung gesammelt haben, dass die Gartenliebe des Engländers inzwischen so etwas wie ein nationaler genetischer Fingerabdruck ist“.
Exoten immer beliebter
Die Zuneigung zu Grün und Garten ist nach Llewellyns Worten so flächendeckend, dass sich keine regionalen Unterschiede feststellen lassen. „Waliser und Schotten sind dafür gleichermaßen talentiert, und das trifft auch auf die Iren zu.“
Beim Freizeitverhalten beobachtet der Gartenmann aus Woodstock eine Vermischung traditioneller und neuer Neigungen. „Obgleich es fast unmöglich ist zu verallgemeinern und sich gerade im Garten ganz subjektiver Geschmack entfaltet, sind der Umgang mit dem Rasensprenger, die Fahrt mit dem Rasenmäher und das Schlürfen eines abendlichen, hübschen Cocktails – ich selbst mag Letzteres besonders gern – wahrscheinlich die drei beliebtesten Gartenbeschäftigungen in Britannien.“
An einem englischen Rasen, sagt Roddy Llewellyn, erfreuten sich viele Gartenbesitzer. „Ebenso beliebt sind mittlerweile exotische Bäume und Sträucher, Rosen und Duftpflanzen und, leider, Terrassen.“ Nach seinem Eindruck „haben Frauen ein besseres Gespür für Farben, während Männer stärker im Entwerfen und Gestalten sind“. Die Unterstellung, die Gartenliebe sei in England nur deshalb so stark, weil das Liebesleben auf der Insel eher kühl sei, dementiert der Experte kategorisch: „Die Engländer sind in ihrem Gartenbeet genauso aktiv und leidenschaftlich wie in ihrem Ehebett.“
Der französische Starkoch Raymond Blanc, der seit 35 Jahren in Oxfordshire lebt und arbeitet, mag sich dem nicht ohne weiteres anschließen. Der Publizist Peter Sager zitiert Monsieur in seinem Büchlein mit der Erfahrung, dass die Engländer introvertiert und kühl seien, „aber voller Romantik und Leidenschaft, und die drücken sie aus durch ihre Gärten“: Sie zeigen es nicht beim Essen oder Sex, aber wenn man in ihre Gärten kommt, dann kann man die Leidenschaft spüren und sehen.
Hallo Garten, ich komme!
Lesen Sie jetzt das neue E-Book „schön + grün“ mit allen Infos und Trends rund um den eigenen Garten. Direkt zum Download!