Ein Garten wird erwachsen
Als es die Kinder auf die Sonnenliege statt in den Sandkasten zog, hat die Familie ihrer grünen Oase noch einmal...

Japanische Gärten sind wahre Kunstwerke. Auf wenigen Quadratmetern werden Landschaften mit Bergen, Flüssen und Wäldern nachgebildet, ja, mitunter die ganze Welt. Sie haben ihren Ursprung häufig im Zen-Buddhismus und gelten als Orte der Ruhe und Meditation. Jedem einzelnen Element kommt eine Bedeutung zu, nichts bleibt dem Zufall überlassen, alles wird überlegt geplant und gestaltet. Gerade deshalb wirken sie so harmonisch und atmosphärisch dicht.
Helga Gropper, Diplom-Ingenieurin für Landschaftsgestaltung, meint: „Wer sich einen Garten in japanischem Stil anlegen möchte, dem erschließt sich nicht nur eine fremdartige Formensprache, sondern auch eine andere Gedankenwelt. Und darin liegt der besondere Reiz.“ Gerade die kleinen Gärten von modernen Reihenhäusern oder Doppelhaushälften eignen sich für die Anlage eines japanischen Gartens besonders gut. „Hier lässt sich viel leichter als auf großen Flächen eine einheitliche Gestaltung mit japanischen Stilelementen schaffen.“
Den nötigen Rahmen, um seine Wirkung zu entfalten, kann eine Schnitthecke oder ein Bambuszaun bilden. Denn erst, wenn es einen Rahmen gibt, beginnt die eigentliche Arbeit am Kunstwerk.
Viele Elemente der japanischen Vorbilder lassen sich übernehmen. Das gestalterische Grundprinzip: Reduktion auf das Wesentliche. „Der Philosophie des Zen folgend, soll der Gartenbesitzer in seinem Refugium nicht durch starke Reize abgelenkt werden, sondern zu sich selbst finden.“
Steine gehören zu den unverzichtbaren Komponenten, denn einen japanischen Garten anlegen, heißt „ishidateso“. Was so viel bedeutet wie „Steine aufstellen durch einen Mönch“. Mit Steinen werden Felsenlandschaften nachgebildet. Sie stehen für das Ewige und Unveränderliche. Streifen aus Kies und Kieseln symbolisieren Bäche und Flüsse, die auf kleinen Brücken – gern in Form einer großen Steinplatte – überschritten werden können.
„Das Wasser ist im japanischen Garten ebenfalls von großer Bedeutung, denn seine Oberfläche reflektiert das Licht, spiegelt den Himmel und das Dahinziehen der Wolken. Durch das Wasser wird symbolisch die Erde mit dem Himmel vereint.“ Eine Landschaft mit Wasserfall oder Teich bildet oft das zentrale Element der Gestaltung. Wo der Platz oder die baulichen Möglichkeiten unzureichend sind, erfüllt ein kleines Wasser- oder sogar ein Schöpfbecken seinen Zweck.
Bei der Pflanzenauswahl liegt der Schwerpunkt auf interessanten, abwechslungsreichen Texturen der Blätter, weniger auf bunten Blüten. Helga Gropper empfiehlt für schattige Bereiche zum Beispiel verschiedene Funkien. Zu ihren Favoriten zählen außerdem Bergenien, Astilben, Hermerocallis-Wildarten, verschiedene Gräser und Farne, Azaleen und Rhododendren, wobei Letztere, in Form geschnitten, Hügel oder Berglandschaften versinnbildlichen.
Und Bambus? „An Bambus denkt man als Erstes, er steht traditionell für japanische Gartengestaltung, ist aber nicht zwingend notwendig.“ Reizvoll wirken auch Bonsai-, Schirm- und Etagenkiefern. Japanische Ahornbäume bezaubern nicht nur durch die Form ihrer meist stark geschlitzten Blätter. Viele Sorten setzen mit ihrem roten Laub, das sich im Herbst leuchtend orange verfärbt, einen bezaubernden Akzent. „Wer den Platz dafür hat, sollte einen Kirschbaum pflanzen. Er steht als Symbol für die Zeit des Frühlings.“
Bei der Anlage eines japanischen Gartens, der Kombination der einzelnen Elemente wie Steine, Wasser und Pflanzen, müssen zwei Kriterien erfüllt werden: Zum einen braucht er eine einheitliche Formensprache, die gestalterisches Fingerspitzengefühl erfordert. Zum anderen sollte der Garten, selbst wenn er klein ist, dem Betrachter immer wieder neue Anregungen und Perspektiven bieten.
Hingucker können zum Beispiel Skulpturen wie Kraniche oder Buddhafiguren sein. Auch eckige Steinlaternen, die einen Weg flankieren und als Ausdruck von Stabilität auf drei oder vier Füßen stehen, wären denkbar. Sie gelten als Zeichen der Erleuchtung, die der Buddhismus zu erreichen bestrebt ist.
Ein fernöstlicher Garten mit seinem Symbolgehalt ist etwas Besonderes. Helga Gropper: „Wer sich für ihn entscheidet, muss den Stil durchhalten. Ein japanisches Eckchen im Bauerngarten würde nur komisch wirken.“
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