Die Terrasse: Ein Ort der Erhabenheit

Moderne Terrasse

Wenn das Haus die Vorspeise, die Küche der Hauptgang und der Garten das Dessert ist, dann ist die Terrasse das Vier-Gang-Menü. Fehlt es, verliert selbst der schönste Alltag seinen Reiz. Wie aber kommt man zu einer praktischen wie ästhetischen Terrasse?

Fragen an Prof. Dipl.-Ing. Regine Keller, Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlicher Raum an der Technischen Universität München und Mitinhaberin eines Landschaftsarchitektenbüros in der Landeshauptstadt.


Den Garten, heißt es oft, kann man mit allen Sinnen genießen. Wie steht's damit speziell auf der Terrasse?


Prof. Regine Keller: Wenn die Bauher­ren­schaft neben stilistischem Geschmack auch noch kulinarischen beweist, kann der Ge­nuss auf der Terrasse perfekt sein.


Wie stufen Sie den Standort Terrasse im Ge­samtkontext von Haus und Garten ein?


Regine Keller: Sie ist meist der Übergang zwi­schen innen und außen. Manchmal flie­ßend, manchmal abrupt. Im besten Falle ist sie die Erweiterung der Wohn­räume und bildet mit dem Gebäude eine stilistische Ein­heit, ob re­prä­sentativ oder zu­rückgezogen.


Ist sie vielleicht sogar der Platz, von dem aus der ganze Garten gestaltet wird?


Regine Keller: Sie ist sicher der Ort, von dem aus man die gesamte Gartengestaltung am besten betrachten und genießen kann. Trotz­dem sollte sie mit ihrer Lage und Blick­füh­rung nicht alle Plätze des Gartens preisgeben. Ein Garten braucht Überraschungen, die über den erhabenen Blick von der Ter­rasse hinaus noch etwas bieten.


Ist erst der Genuss der Terrasse Hinweis darauf, dass ein Bauherr auf dem Anwesen wirklich angekommen ist?


Regine Keller: Das klingt mir ein biss­chen zu tiefenpsychologisch. Wichtig ist, dass sich die Bauherren einfach wohlfühlen. Das ge­schieht meist dann, wenn sie eine klare Vor­stel­lung davon haben, was sie wollen und dies konsequent und ohne Kompro­misse umsetzen. Gibt es diese Vorstellung nicht, sollte man sich kompetent beraten lassen.


Inwiefern haben sich die Schönheitsvor­stel­lungen von einer gelungenen Terrasse verändert – was davon begrüßen Sie?


Regine Keller: Schönheitsvorstellungen ge­hen, wie immer, mit der Zeit. Gelungen ist die Terrasse dann, wenn Material, Propor­tion, Di­mension und Exposition mit der Ar­chitek­tur von Ge­bäude und Garten korrespondieren.


Leider bieten viele Fachmärkte eine Fülle stilistischer Grausamkeiten an. Häufig werden mediterrane, asiatische und neoantike Ele­mente gemischt. Meist fällt es dem Laien schwer, sich für einen Stil zu entscheiden. Auch wenn einzelne Stilelemente unterschiedlicher Epochen und Kulturen großen ästhetischen Wert haben können, ist deren unreflektierte Kombination häufig das Aus für einen an sich schönen Garten. Für Bera­tung und Gestaltung gibt es Gott sei Dank qualifizierte Landschafts­architekten.


Sollte man seine Terrasse stilistisch festlegen und streng danach gestalten?


Regine Keller: Ja, unbedingt. Erst dann kann man die gesetzten Regeln gekonnt verletzen.



Eine Terrasse muss ganz praktisch funktionieren. Woran ist vor allem zu denken?


Regine Keller: Der Belag muss für Begeh­bar­keit und Bestuhlung taugen. Eine Steinter­ras­se sollte vom Material her relativ ho­mo­gen sein, die Fugen sollten zulassen, dass Ge­gen­stände gut und sicher stehen. Letztlich muss sie angenehm zu begehen und leicht zu pflegen sein. Holzroste sollten abschnittsweise demontierbar sein, damit man die Fläche da­runter pflegen oder den heruntergefallenen Ehe­ring wiederfinden kann.


Einige Zutaten haben auf der Terrasse besser nichts zu su­chen – sofern sie ästhetisch überzeugend sein will.


Regine Keller: Tabu sind Überflüssiges wie Gartenzwerge und Kunststoffgeranien.


Welche Gartendesigner be­sitzen Ihrer An­sicht nach Norman-Foster-Format?


Regine Keller: Was bedeutet das: Interna­ti­o­nalität, Stararchitektur? Ich schätze be­son­ders Kathryn Gustafson, Günther Vogt und Jane Sarah Bihr-de Salis. (Die Franco-Ame­rikanerin Gustafson hat sich mit sinnlich-emotionalen Landschaftsarbeiten hervorgetan; der Schweizer Vogt gestaltete den Au­ßenraum der Tate Modern in London, Frau Bihr-de Salis, Schweiz, ist mehrfach ausgezeichnete Landschaftsarchitektin – R.O.)


Sind Ihnen Film oder Musik erinnerlich, in denen die Terrasse eine Rolle spielte?


Regine Keller: Die Gartenterrasse im Film „Mon Oncle“ (1958) von Jacques Tati, die gro­ße steinerne Dachterrasse des Archi­tekten Adalberto Libera auf der Villa Mala­parte in Capri im Film „Die Verachtung“ (1963) von Jean-Luc Godard, mit Brigitte Bardot und Mi­chel Piccoli, sowie das Lied vom Sonnen­deck von Peter Licht.


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