Die Netzwerker

Staudenarrangements sind der denkbar schönste Rahmen für Sitzplätze und Wege.

Als Einzelwesen hinterlassen sie, nun ja, einen guten Eindruck. Aber in der Gemeinschaft mit anderen laufen sie zu Hochform auf: Stauden. Blüten über Blüten in berauschender Fülle machen jeden Garten zum Ereignis. Wen die Sehnsucht nach so viel Sommer packt, sollte sich jetzt schon mal einen Schlachtplan ausdenken, meint Gartenarchitektin Carola Ettwein.

Jede Staudenart hat ihre Ansprüche an die Licht- und Bodenverhältnisse des Standortes. Je optimaler, desto besser gedeiht sie, desto robuster und widerstandsfähiger reagiert sie auch auf Widrigkeiten. Kurzum: Der Pflegeaufwand verringert sich bei gesunden Pflanzen von Anfang an. Der kundige Gärtner bezeichnet alle mehrjährigen Pflanzen als Stauden.


Ihre oberirdischen Teile sterben im Winter zwar ab, sie sind aber in unseren Klimaverhältnissen so zäh, dass sie im kommenden Frühjahr zuverlässig wieder austreiben. Mit- unter benötigen die Pflanzungen ein bis zwei Vegetationsphasen, um zu ihrer eigentlichen Erscheinung zu finden. Langlebigkeit und Wuchsfreude sind weitere löbliche Eigenschaften.


Lebensbereiche und Böden

Die Kürzel auf den Etiketten der Pflanzen verraten schon mal, welchen Lebensbereich sie anstreben.


„Fr“, die Freifläche: Gemeint ist ein Standort, der den ganzen Tag in der vollen Sonne liegt. Pflanzen mit dieser Kennung sind Sonnenanbeter und nehmen auch einmal etwas trockene- ren Boden in Kauf. Oftmals signalisiert der Staudenname den Lieblingsplatz, zum Beispiel Sonnenhut (Rudbeckia).


„GR“, der Gehölzrand: Er liegt naturgemäß im lichten Schatten. Der Boden ist frisch bis feucht und die Sonne dringt nur ein paar Stunden pro Tag durchs Laubdach. Ein besonders dankbarer und dauerblühender Vertreter auf diesem Standort ist beispielsweise der Storchschnabel (Geranium).„G“ wie Gehölz: Weil Sonne und Licht Mangelware sind, ist es unter Gehölzen selbst an heißen Sommertagen noch angenehm frisch und bleibt der Boden ausreichend feucht. Eine ausdauernde und vielfältige Staudengattung, die sich dort wohl- fühlt, sind unter anderem Funkien (Hosta).


„B“ steht für Beet. Es ist der bevorzugte Platz für Prachtstauden, die mit ihrem Blütenreichtum und ihren extravaganten Farben und Formen beeindrucken. Grundvoraussetzung für so viel Pracht ist ein gut gedüngter und stets ordentlich gegossener Boden, damit die Nährstoffe für die Pflanze auch verfügbar sind.


Farbenrausch und Komposition

Die Auswahl nach Lebensbereichen hat die Staudenauswahl schon etwas unterteilt. Wuchshöhe, Blütezeitpunkt und Blütenfarbe sind drei weitere Kriterien für die Kompositionen. Wichtig: Immer ein paar Arten vorsehen, die den ganzen Sommer über „durchblühen“ und möglichst wenig anspruchsvoll sind.



Als klassische Sonnenkinder gelten die Edelschafgarbe (Achillea) oder die Sonnenbraut (Helenium). Prachtspieren (Astilbe) zieren über Wochen die halb schattigen Bereiche. Wenn Sonne eine absolute Seltenheit ist, kombiniert der Experte in solchem Fall Blatt und Struktur miteinander. Zarte Farben wie die Blüten der Silberkerze (Cimicifuga) passen wunderbar ins Arrangement. Besonders apart sieht eine Staudenpflanzung aus, in der während der Blütezeit eine Farbgruppe vorherrscht: Rosa/Pink/Violett mit Weiß wirkt duftig. Blau/Violett mit Gelb und Orange springt sofort ins Auge. Den goldenen Herbst kündigen Zusammenstellungen in Rot/Orange mit Gelb/Ocker/Braun an.


Höhenstaffelung und Partner

Staudenpapst Karl Foerster mischte mit Vorliebe Gräser zwischen die Pflanzungen und brachte so Leicht- und Luftigkeit ins Spiel. Gräser puffern außerdem unschöne Höhenunterschiede ab und überbrücken unvermeidbare Blühpausen. Die Höhenstaffelung der einzelnen Staudenarten sollte mit lockerem Händchen erfolgen. Ein strenges „Orgelpfeifen-Prinzip“ erzeugt oft ein starres Erscheinungsbild. Wenn Solitärstauden, also die imposanten Großen, auch mal weiter nach vorne rücken dürfen, erscheint das wesentlich natürlicher und ungezwungener.


Viele Staudenarten müssen in größeren Gruppen stehen, einzeln wären sie zu unauffällig. Andere beanspruchen alleinige Aufmerksamkeit, da sie alle anderen an Größe und Pracht überbieten. Wie Farbkleckse auf einer Malerpalette sollten sie ausgewogen verteilt werden. Es empfiehlt sich, bestimmte Arten rhythmisch zu wiederholen. Zu viele verschiedene Stauden wirken in der Summe unruhig. Unsere Augen suchen eine innere Ordnung, ein erkennbares Thema. Also ausgewählte Pflanzen mehrfach an immer wieder anderer Stelle in Szene setzen. Eine weitere Regel sagt: Stauden mit einer Höhe von über 120 Zentimetern stehen am liebsten in 2er- oder 3er-Gruppen zusammen, mittelhohe Pflanzen vertragen sich schon mal in Anordnungen von 4 bis 6 Exemplaren. Die Zwerge, maximal 30 Zentimeter hoch, mögen größere Gruppen von 10 bis 15 Stück.


Um zu verhindern, dass Staudenflächen in den kalten Monaten kahl und leblos aussehen, sollte man Bereiche mit Zwiebelpflanzen schaffen. Während ihre großen Nachbarn noch letzte Kraft für den Austrieb sammeln, spielen die Frühblüher schon mal Frühling. Auch größere und kleinere, teilweise immergrüne Gehölze geben der Pflanzung ein festes Ganzjahres-Gerüst.

Stauden sind halt professionelle Netzwerker.


Mit Überblick und Pflanzplan

Für den nicht ganz so versierten Gärtner ist es ratsam, die Beete mit den beabsichtigten Pflanzen-Mischungen vorab aufzuzeichnen. Solch ein maßstäblicher Pflanzplan ist die beste Grundlage, um anschließend die notwendigen Stückzahlen der einzelnen Flächen zu ermitteln und eine Einkaufsliste auszuarbeiten. Damit man in der bunten Vielfalt nicht den Überblick verliert, am besten eine Auflistung der Blütenfarben und der Blühdauer der einzelnen Pflanzenarten vornehmen.

Jetzt muss nur noch der Sommer kommen.


Hallo Garten, ich komme!

Lesen Sie jetzt das neue E-Book „schön + grün“ mit allen Infos und Trends rund um den eigenen Garten. Direkt zum Download!


Mehr zum Thema Pflanzen

Verschiedene Blattstrukturen und Höhenstaffelungen der Pflanzen werden später fehlende Gelb- und Rottöne kaschieren.

Und ewig grüßt das Sommerloch

Tritt im Garten die Blühpause ein – ein Vorgang ebenso erklärlich wie natürlich –, werden manche Gartenbesitzer zu...

Naturform der Phalaenopsis stuartiana

Orchideen: Wer ist die schönste im ganzen Land?

Die samtweichen und zerbrechlich wirkenden Blüten der Orchidee faszinieren seit Jahrhunderten. So kompliziert wie...

Mehr zum Thema Moderne Gartengestaltung

Ein Garten wird erwachsen

Ein Garten wird erwachsen

Als es die Kinder auf die Sonnenliege statt in den Sandkasten zog, hat die Familie ihrer grünen Oase noch einmal...

E-Book schön + grün 2012

schön + grün – Magazin für Gartenliebhaber (E-Book)

Tipps für die Gartengestaltung und -pflege, Reportagen aus der Pflanzen- und Gartenwelt sowie eine Auswahl der...

Mehr zum Thema Blumen

Garden of Roses®, Kordes 2006: Moderne Rose mit nostalgischen Blüten und zartem Duft.

Die ganze Vielfalt der schönsten Rosen

Sie hätten gern ein paar Rosen im Garten, wissen aber nicht, welche wählen? Wir haben für Sie ein paar der...

Edition AMPLE
Zeitschrift: Mein Schönes Zuhause³ – Hier bestellbar.

Mein Schönes Zuhause³

Schöne Häuser, schöne Gärten, schöner Leben. Hatte Ihr Mann nicht versprochen, dass Sie es schön haben werden …?