Mein Schönes Zuhause³
Schöne Häuser, schöne Gärten, schöner Leben. Hatte Ihr Mann nicht versprochen, dass Sie es schön haben werden …?

Das morgendliche Vogelkonzert beginnt etwa 80 Minuten, bevor sich die Sonne zeigt, mit dem Gesang des Gartenrotschwanzes. Was uns tagsüber lieblich in den Ohren klingt, kann zu frühmorgendlicher Stunde, sagen wir‘s mal mit harmlosen Worten, arge Antipathien in uns wecken. Die Faktenlage: Sonnenaufgang im Juni ist kurz vor vier ...! Den das Rotkehl-chen mit ungefähr 50 Minuten Vorsprung erwartet.
Der Star dagegen entpuppt sich als „Langschläfer“, er ist erst kurz vor Sonnenaufgang zu hören. In der Natur hat alles einen tieferen Sinn. Weshalb also dieses zeitversetzte Einstimmen in den Chor? Der Gesang der Vogelmännchen dient dazu, Reviere abzugrenzen und Weibchen anzulocken. Er muss für Artgenossen folglich gut zu hören sein. Möglicherweise hat der Einsatz peu à peu auch die Funktion, die Gesänge zeitlich zu entzerren, damit die Vögel allzu großer akustischer Konkurrenz entgehen.
Erst kurz nach Sonnenaufgang bis in den späteren Morgen hinein verschmelzen die einzelnen Gesänge zu einem vielstimmigen Konzert. Da jede Vogelart ihre ganz spezifische „Gesangshelligkeit“ hat, kann man fast die Uhrzeit nach ihren Weckrufen bestimmen. Aber eben nur fast. Nebel, starke Bewölkung, Regen, geografische Lage, individuelles Verhalten von Einzelvögeln, unterschiedliche Häufigkeit von Vogelarten und künstliche Beleuchtung können den Zeitplan schon mal durcheinanderbringen.
1. Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus)
Der Gartenrotschwanz bevorzugt offene Gehölze. Wenn der eigene Baumbestand noch keine Naturhöhlen bietet, lockt ihn möglicherweise eine Nisthilfe in den Garten. Als Insektenfresser ernährt sich dieser hübsche Vogel vor allem von Käfern und Spinnen. Das Männchen ist in seinem Brutkleid praktisch unverwechselbar: Brust und Bauch sind rostrot gefärbt, Kehle und Wangen schwarz, die Stirn mit weißem Streifen. Den namengebenden roten Schwanz haben beide Geschlechter, doch bescheidet sich das Weibchen mit einem schlichten, beige-braunen Gefieder. Gartenrotschwänze überwintern südlich der Sahara, im April treffen sie bei uns ein. Das Männchen trägt dann seine typische Gesangsstrophe gerne von einem Baumwipfel aus vor. Sie beginnt mit ein bis zwei hohen Terzen und endet in einem zweiten, leiseren Gesangsteil.
2. Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros)
Er gehört zu den 40 häufigsten Gartenvögeln. Als einer der ersten Zugvögel kehrt er aus seinen Winterquartieren im Mittelmeerraum und milderen atlantischen Breiten zurück. Äußerlich fällt an ihm vor allem der rostrote Schwanz auf, der beim Sitzen häufig zittert. Das Männchen hat ein rußschwarzes bis schiefergraues Federkleid, das Weibchen bei gleicher Schwanzfärbung ein beiges bis braunes. Für sein Nest wählt der Hausrotschwanz Höhlen jeglicher Art, egal, ob unter der Terrassen-Markise, am Carport, im Schuppen oder in einem Holzstapel. Er mag Insekten, im Herbst auch Beeren und Früchte. Sein Gesang klingt unnachahmlich heiser gequetscht.
3. Singdrossel (Turdus philomelos)
Überwiegend beige und braun gefärbt, zieren Männchen und Weibchen eine schön gesprenkelte Brust und Bauchseite. Ihr stabiles, tiefmuldiges Nest kleiden sie innen mit Holzmulm, feuchter Erde oder Lehm aus. Sie lieben alte Bäume. Lieblingsspeise der Singdrosseln sind Schnecken. Um an das leckere Innere einer Gehäuseschnecke heranzukommen, schlägt sie diese am Boden an einem geeigneten Stein mit kräftigen Schnabelhieben auf. Ähnlich wie die etwas größere Amsel singt sie besonders gerne in den Abendstunden von einer exponierten Baumspitze aus: sehr lange, ganz unterschiedliche Melodien, einzelne Motive meistens dreimal hintereinander.
4. Amsel (Turdus merula)
Die Amsel ist Deutschlands häufigster Vogel. Das Männchen hat ein glänzend schwarzes Gefieder, Schnabel und Augen sind kräftig orangegelb. Das Weibchen und die Jungvögel sind braun gefärbt. Ihr Nest baut die Amsel in Bäumen, Sträuchern, Hecken. Sie mag Regenwürmer, Schnecken und Insekten, ab dem Spätherbst dann auch Beeren und Fleischfrüchte. Die Amsel ist ein Meistersänger. Ihre Lieder sind sehr melodisch, relativ langsam, volltönend. Ihr Kontaktruf ist ein feiner, rollender Ton, bei Gefahr ertönt ein tiefes „dak“. Alarm schlägt sie mit den Lauten „tschuk“ oder „dak-dak-dak“. Die männliche Amsel baut in ihren Gesang sogenannte Klingeltöne ein.
5. Rotkehlchen (Erithacus rubecula)
Der kleine rundliche Vogel lässt sich gut an der orangeroten Brust, Kehle und Stirn und der Tarnfarbe Braun an der Oberseite erkennen. Er ist ganzjährig bei uns zu Hause und ein Einzelgänger. Sein Nest befindet sich, gut versteckt, am Boden. Zu seiner Nahrung gehören Insekten, Schnecken, Würmer, im Herbst und Winter auch Beerenfrüchte. Das Rotkehlchen ruft hart, kurz und hoch: „tik“ in wiederholender Serie. Der Alarmruf ist ein feines „zie“. Sein perlender Gesang mit melodischen Klängen ertönt jeden Tag in der Morgen- und Abenddämmerung.
6. Rauchschwalbe (Hirundo rustica)
Im Unterschied zur Mehlschwalbe besitzt die Rauchschwalbe lange Schwanzspieße und eine braunrote Färbung von Kehle und Stirn. Ihre Oberseite ist bis auf einige helle Flecken blauschwarz, ebenso das Brustband. Ihre schalenförmigen lehmigen Nester baut sie in Gebäuden an Balken, Wänden oder Mauervorsprüngen, früher auch an offenen Kaminen oder Rauchfängen – daher ihr Name. Ihre Nahrung sind fliegende Insekten. Tief fliegende Schwalben kündigen Regen an. Der Flugruf „wid-wid“ ist auch als Bettelruf von Jungen zu hören, bei Beunruhigung ein zweisilbiges spitzes „ziwitt“. Der Gesang ist ein anhaltendes kristallklares Gezwitscher, am Ende eines Abschnitts ertönt jeweils ein gedehntes Schnurren.
7. Ringeltaube (Columba palumbus)
Ursprünglich in offenen Landschaften mit kleineren Waldflächen beheimatet, sind Ringel- tauben heute bei uns auch in Grünanlagen, Friedhöfen und größeren Gärten heimisch. Dort leben sie in Nadel- oder Laubbäumen. Auffällig sind die weißen Abzeichen auf den Flügeln und am Hals, der lange Schwanz und der unproportionierte Körperbau: großer Körper mit etwas zu klein geratenem Kopf. Ringeltauben ernähren sich vorwiegend pflanzlich von Getreide, Mais, Bucheckern und frischem Blattgrün, seltener werden Würmer oder Insekten erbeutet. Der Reviergesang des Männchens klingt dumpf und rhythmisch: „ruhgu-ruguhu-guu".
8. Zaunkönig (Troglodytes troglodytes)
Der lebhafte braune Zaunkönig mit aufgerichtetem Schwanz und langem Pinzettenschnabel gehört zu den kleinsten Vögeln Europas. Er wohnt ganzjährig in Wäldern, Parks und Gärten. Sein kugelförmiges Backofennest befindet sich in dichtem Unterholz in Bodennähe. Das Männchen baut gleich mehrere, um seiner Zaunkönigin zu imponieren.
Zu seiner Nahrung gehören Insekten, Würmer und Spinnen. Der Zaunkönig ruft schmatzend „zeck“, bei Gefahr laut und hart „tick-tick-tick“, manchmal schnurrend „zerr“. Seine Kaskaden von schmetternden Triller lassen den Zwerg nahezu vibrieren.
9. Rabenkrähe (Corvus corone corone)
Als Rabenkrähe wird die schwarze Unterart der Aaskrähe bezeichnet. Ihr Gefieder ist vollständig schwarz, im Unterschied zur Saatkrähe weniger glänzend, auch der Schnabelansatz ist schwarz befiedert. Rabenkrähen, unter Naturschutz stehend, sind häufig in Ortschaften anzutreffen. Verpaarte Rabenkrähen verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen, Nichtbrüter schließen sich hingegen zu großen Trupps zusammen. Ihr breites Nahrungsspektrum umfasst Insekten, Schnecken, kleine Wirbeltiere, Saaten, Früchte, Wurzeln, selbst Aas oder Küchenabfälle. Dass auch Eier und Jungvögel anderer Arten auf ihrem Speiseplan stehen, macht sie eher unsympathisch. Allerdings wurde ihr Einfluss auf die Bestände anderer Vogelarten lange Zeit überschätzt. Ihr weit schallendes, leicht nerviges Krächzen ist sprichwörtlich.
10. Saatkrähe (Corvus frugilegus)
Saatkrähen sind etwas schlanker als Rabenkrähen und haben ein metallisch glänzendes Gefieder mit abstehenden Partien am Bauch. Ihr schlanker, spitzer Schnabel ist bei erwachsenen Tieren unbefiedert, mit grau-weißem Ansatz. Essbares suchen sie auf Feldern: Insekten, Regenwürmer, Schnecken, wegen Nahrungsdezimierung durch Pestizideinsatz notgedrungen zum Ärger der Landwirte Getreidesamen und Feldfrüchte. Ihr Chorgeschrei ist vielstimmig, laut, eintönig, etwas hysterisch.
11. Mönchsgrasmücke (Sylvia atricapilla)
Mönchsgrasmücken leben in dichter, halb schattiger Laubvegetation. Also selbst in Großstädten. Erkennungszeichen ist die „Mönchskappe“, ein schwarzes Käppchen beim Männchen, ein rötlich- braunes bei Weibchen und Jungvögeln. Sie ernähren sich zur Brutzeit überwiegend von Insekten und deren Larven, im Sommer und Herbst vor allem von Beeren und Früchten. Immer öfter kann man einzelne Mönchsgrasmücken auch im Winter bei uns entdecken. Ihr Gesang ist auffallend wohltönend: Nach einem zwitschernden Vorgesang ertönt ein laut flötender „Überschlag" aus nahezu reinen Tönen.
12. Gartengrasmücke (Sylvia borin)
Der beigebraun gefärbte, unscheinbare Vogel siedelt sich in Hecken, Feldgehölzen und an Waldrändern an, kommt bei üppiger Vegetation aber auch in Parks, Friedhöfen und in naturnahen Gärten vor, allerdings viel seltener als beispielsweise die Mönchsgrasmücke. Während zur Brutzeit Insekten, Spinnen und Raupen von Blättern und Zweigen abgelesen werden, stehen im Sommer Holunderbeeren und andere Früchte auf dem Speiseplan. Dann müssen Kalorien für den Flug ins afrikanische Überwinterungsquartier gesammelt werden, aus dem die Gartengrasmücke erst recht spät Ende April bis Anfang Mai zurückkehrt.
Den Sommer über macht sie mit ihrem wohlklingenden, orgelnden Gesang auf sich aufmerksam, den sie in schier endlosen Strophen vorträgt. Ein rhythmisches „wät-wät-wät" dient als Warnruf.
13. Goldammer (Emberiza citrinella)
Das Männchen fällt durch den leuchtend gelb befiederten Kopf und den zimtbraunen Bürzel auf. Am Rücken sind beide Geschlechter dunkel gestreift, ihre äußeren Schwanzfedern weiß gekantet. Das Weibchen ist schlichter gefärbt. Goldammern bauen ihre Nester direkt am Boden unter Sträuchern und Hecken. Sie bevorzugen eine offene und abwechslungsreiche Landschaft. Die Nahrung besteht überwiegend aus Insekten, feinen Sämereien und milchreifen Getreidekörnern. Als Bühne für seinen unverwechselbaren Gesang – ein höher werdendes, lang gezogenes „zizizizizizizii-düh" – dient dem Männchen ein Zaunpfahl oder ein herausragender Zweig.
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