Der romantische Garten

Der romantische Garten

Es scheint, als habe der Mensch ein kollek­tives Urbild von einem romantischen Garten im Kopf. „Be­grif­fe wie Arka­dien, Eden oder Paradies be­schreiben diese Idylle, in der Mensch, von der Last der Arbeit und aller Sorgen befreit, in Ruhe sein Leben genießen und glücklich sein kann“, sagt der Garten­gestalter Siegmar Gurth. „Im Grunde ist der romantische Gar­­ten der Urtyp des Gartens überhaupt.“

Mit grünen Welten kennt sich Siegmar Gurth aus. Gemeinsam mit seinem Kollegen Gregor Alexan­der Zimmer hat er vor ein paar Jahren mitten in der hektischen Hauptstadt das Ate­lier der garten-terra-architectura ge­grün­det. Seit­her kreieren die beiden Inge­nieure für Gartenplanung und Frei­raum­ge­staltung anspruchsvolle Privatgärten in verschiedenen Stilen – darunter immer wieder auch romantische Rück­zugs­re­fugien voller Sinn­lich­­­keit und Schönheit – jenseits des tech­nisierten Alltags.


Nach geraden Linien und klaren Formen der Moderne wird man vergeblich suchen. Üppige, wogende Pflanzen, geschwungene Wege, Elemente, die einen Bezug zu einer idealisierten, besser gedachten Vergangenheit herstellen, verschmelzen im romantischen Gar­ten zu ein­em zauberhaften Bild, das sich nicht auf den ersten Blick erschließt.


Mit seinen stets neuen Ein- und Ausblicken, seinen versteckten, lauschigen Plätzen besitzt er im besten Fall eine geheimnisvolle, fast mystische At­mo­sphäre. Für die sind nicht un­­bedingt barocke Putten aus dem Bau­markt zuständig. Vor ei­nem Ein­­fa­milien­haus wirken sie meist de­pla­tziert und kitschig. Wenn die Profis von einem Be­zug zur Ver­gangen­heit sprechen, denken sie eher an moos­be­wach­sene Steine, die „an einen schönen Wald­spaz­iergang erinnern“. Und an die bewusste Inszenierung von Licht. An einen Sonnen­strahl, der durch das Blät­terdach eines ho­hen Baumes dringt und für eine hal­be Stun­de am Nachmittag auf eine Hortensie trifft. Für einen kurzen Mo­ment täuscht dieser An­blick das Gefühl vor, auf einer Wald­lich­tung zu stehen.


„Auch Wasser streichelt unsere romantische Seele“, sagt Siegmar Gurth. Und sollte deshalb in keinem Garten fehlen. Besonders be­ruhigend wirkt ein murmelnder Bach, sofern er sich harmonisch in das Bild einpasst und nicht aufdringlich in einem Bett aus Plastik vor sich hinplätschert. Auch ein künstlicher Teich macht Sinn, wenn er mit Sach­kennt­nis angelegt wird und nicht der An­­blick schwar­zer Teichfolie am Ufer brüsk in die industrielle Gegenwart zurückholt. Dann lieber ein Wasserbecken aus Klin­ker­stein mit einer einzelnen Seerose darin. Ein Spiegel des Him­mels, in dem sich der lautlose Zug der Wol­ken beobachten lässt. An ei­nem Platz im Gar­ten, wo die Zeit still zu stehen und Dorn­röschen auf ihren Prinzen zu warten scheint.



Gregor Alexander Zimmer: „Was als besonders romantisch empfunden wird, liegt na­türlich im Auge des Betrachters selbst.“ Doch bei den Pflanzen sind sich die beiden Gar­tenplaner sicher: Rosen funktionieren immer. „Ich würde mich weniger für Teehybriden entscheiden, die streng gerade wachsen, vielmehr für Kletterrosen, die kein Gerüst brau­chen, sondern in einem Gebüsch hochranken, sich womöglich über den Ast eines Bau­mes legen“, sagt Siegmar Gurth.


Die weiß blühende Sorte ,Bobbie James‘ ist so ein starker Kletterer, der mit den Jahren bis zu zehn Meter in die Höhe strebt und im Halb­schat­ten üppig blüht. Die rote ,Chevy Chase‘ rankt an Bäumen ebenso gut empor wie an Per­golen und Rosenbögen – bauliche Ele­mente, mit denen sich romantische Gärten sinnvoll strukturieren lassen.


Nahezu Pflicht: Strauchrosen mit ihrem be­törendem Duft. Englische Rosen wie ,Gertru­de Je­kyll‘ oder ,Graham Thomas‘ werden mit duftenden Begleitern wie Lavendel oder Phlox am besten in die Nähe eines Sitz­plat­zes gepflanzt, direkt an der Terrasse oder an einem etwas abseits gelegenen Pavillon. „Bei der Pflanzenauswahl kann man aus dem Vollen schöpfen“, sagt Gregor Alexander Zim­­­mer.


Bäume, Blüten­sträucher, Gräser, Stau­den sollten entweder farblich harmonieren oder in Kontrasten miteinander kombiniert werden. Die beiden Gartenplaner haben ein paar sinnvolle Varianten zusammengestellt (siehe Kasten). Einheitsrasen, so ihr Rat, kann durch eine bunte Wildblumen­wie­se aufge­lockert werden. Und selbst Schatten ist kein Hindernis für Blüten. Blühende Bau­ern­hor­tensien oder Rhododen­dron setzen reizende Ak­zen­te zwischen dem Blatt­grün von Fun­kien und Farn.


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