Der Mister Q des Turbo-Regners

GARDENA Gartenbedarf

Agent Tatics Q-Abteilung in Mailand hat den Countdown der reinen Zweck­dien­lichkeit von Gartenutensilien runtergezählt. Als Erfinder genialer Geräte weckte der Industrie­designer die Begehrlichkeit nach Spritzen, Scheren und Schläuchen seines Klienten Gardena. Für seine innovativen Ideen erhielt Aleksandar Tatic gerade den Oscar für Produktdesign, die „red dot“-Auszeichnung „best of the best“. Mission erfüllt.

Gartengeräte haben einen Zweck zu er­fül­len. Sie sollen bewässern, schnei­­­den und was sonst noch alles an Pflegear­bei­ten anfällt, im Hand­um­drehen erledigen. Was sonst. Richtig begeistern können heute nur noch Gartenutensilien, die auch haptisch und optisch herausragen. Den kleinen, entscheidenden Unterschied zwischen praktischem Gartenhelfer und designtem Nutz­objekt macht Aleksandar Tatic.


Der Mai­län­der De­­sig­­­ner ist dafür verantwortlich, dass die Hand­brausen, Regu­lierspritzen und Flä­chenregner des renommierten Han­dels­unternehmens Gardena neuerdings nicht nur gebraucht, son­dern begehrt werden. Frei nach dem Mot­­to: „Mein Auto, mein Haus, mein Turbinen­regner“, wird heute im Garten gezeigt, was man hat.


Schließlich soll der Outdoorbereich der Woh­nung in nichts nachstehen. Das Äußere ist konsequenterweise wie das Zu­hause eingerichtet, dekoriert und ausgestattet: Was im Inneren die Kunst an der Wand, sind draußen trendige Terrakotta-Kübel. Was im Wohn­bereich die Hightech-Geräte, sind Outdoor die mo­dernsten Gartenutensilien. Und die müssen sich definitiv sehen lassen können.


„Die Zielgruppe für Gartengeräte und Acces­soires hat sich in den vergangenen Jahren ge­ändert“, sagt der Industriedesigner Aleks­andar Tatic. Statt Rentner mit Nutzga­rten verlangen jetzt die Best Ager nach Design im Outdoorbereich. „Die so genannten DINKS (Double Income No Kids) haben die Debatten über die „Rainshower“-Dusche im Bad längst hinter sich gelassen und fachsimpeln inzwischen über den Viereck-Regner auf dem Ra­sen.


Wer sich um solche Neben­säch­lich­kei­ten kümmern kann, hat sich einen gewissen Luxus erarbeitet – und den darf man Gott sei Dank wieder zeigen“, so seine Beobach­tun­gen. Aleksandar Tatic liefert auch gleich eine Ant­wort auf diesen Trend: den Entwurf der Pre­mium-Produkte für Gardena.


Dabei sollten die schicken Geräte zunächst nur ein Mar­­­ke­ting-Gag sein. „Wie immer haben wir als De­sign­unternehmen dem Kunden drei Pro­dukte vorgestellt: eines, von dem man mit Si­cher­­heit weiß, dass er den Entwurf nehmen wird. Eines, das ihn ein wenig in Richtung Inno­va­tion pusht. Und das dritte, das einfach cool, abgefahren und spaßig ist“, so Alek­san­dar Tatic. Das waren die chromglänzenden, ergonomisch-schnittigen Weiter­ent­wicklun­gen der klassischen Sprit­zen und Brausen. Von denen zeigten sich nicht nur die Verant­­wort­lichen bei Gardena beeindruckt.


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„Nach der Messe kamen völlig unerwartet die Be­stellungen“, resümiert der Designer die verblüffende Ent­wicklung der Idee.

Aber was ist eigentlich so außergewöhnlich, begeisternd und zeigenswert an diesen Pre­mium-Gartenutensilien? Dazu muss man eine Spritz­dusche made by Attivo und Gar­dena einfach mal in die Hand nehmen: Sie schmeicheln dem Gärtner auf der Haut, schmie­­­gen sich sanft in die Hand­in­nenfläche und fügen sich fast unterwürfig der individu­­ellen Ergonomie. Sie verzücken das Auge in silbrig glänzendem Out­fit, sind stimmig in der Farbkombination, un­aufdringlich und doch auffällig schick.


„Die Gartengeräte befriedigen die neue Lust am Geschmackvollen“, bringt es Aleksandar Ta­tic auf den Punkt. Und übertreibt damit keineswegs. Wie sonst will man es sich er­klären, dass die edlen Schlauchstücke der Premi­umkollektion in den Geschäften ständig „verloren gehen“. Wem das nicht reicht: Deutlich steigende Um­sätze bei Gardena sind ein weiterer Beleg dafür, wie sehr die Welt auf gutes Design schaut.


„Man müsste zunächst den Begriff ,Desi­gn‘ definieren – und daran haben sich schon vie­­­le versucht. Wenn wir die Interpre­tation ir­end­wo zwischen Funktions­innovation und markengerechter Produkt­gestaltung ansiedeln, würde ich sagen: Design ist ein Räd­chen in einer großen Ma­schine – aber ein wichtiges Rädchen“, so der Insider in vorneh­­mer Be­scheidenheit.


Doch es geht dem Käufer nicht nur und ausschließlich ums Zeigen. Auch das weiß Alek­sandar Tatic. „Die Wertigkeit der Objekte spielt eine große Rolle“, so der 38-Jährige. „Wer in Premium investiert, verlangt nach Lang­­lebigkeit.“ Dieser Anforderung fühlt man sich bei Gardena verpflichtet. Nicht im­mer zum Vergnügen von Attivo. Proto­typen eines Streuwagens müssen die 1.000-Stun­den-Holper-Stolper-Prüfung bestehen (da­bei fährt der Wagen über eine Piste aus Bret­tern, Stacheln und Steinen), bevor sie eine ernsthafte Chance bekommen. Hecken­sch­e­ren sollen einen 3-Meter-Falltest ohne Kratzer überleben. Die Devise des Unter­nehmens:?Niemand darf sich verletzen. Nicht mal bei falscher Benutzung – was wiederum un­mög­lich ist.



Für die Einhaltung der rigiden Vor­gaben sorgt die Abteilung für Qualitätssi­cherung. „Mein Albtraum bei Gardena“, sagt Aleksan­dar Tatic mit einem Schmunzeln. „Die haben dort zum Beispiel die Regulierspritze tat­säch­lich mit Salzsäure getestet – was, wen wundert‘s, der Legierung zusetzte. Wir haben das Problem beseitigt. Und nun kann jedermann sei­ne Blumen getrost mit Salzwasser gie­ßen.“ Zumindest der Spritze passiert nichts mehr.


Der Kölner jugoslawischer Abstammung mit Firmensitz in Italien arbeitet seit sieben Jah­ren mit dem Ulmer Gartengeräte-Unter­neh­men Gardena zusammen. Die neue, etwas zu­rückhaltendere Farbzusammen­stellung (Orange trifft nie mehr direkt auf Türkis) entspringt ebenso seinem Kopf wie das Imple­mentieren der Weich­kunststoff-Ele­­mente am Griff. Eine scheinbar simple Sa­che, die aber technische Kom­petenz voraussetzt. Gardena hat sie. „Für uns als Designer bedeutet ein sol­cher Vorsprung, dass wir aus dem Vollen schöpfen können.“


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