Der Feind in meinem Beet: Herkules-Staude
Eine historisch überlieferte Anekdote gibt dem russischen Zaren Alexander I. die Schuld, einem heimtückischen...

Das Elend kommt nicht von ungefähr. Eine hohe Effektivität, die enorme Wuchsgeschwindigkeit und der niedrige Anspruch machen es den Unerwünschten einfach, sich auszubreiten. Mit welchem Mittel ich auch versuche, dem Übel beizukommen, es bleibt ein ewiges Hase-und-Igel-Spiel: Die Nichtsnutze sind immer schon da.
Mit ihren kriechenden, verzweigten und unbändig wuchernden Trieben nutzen sie jede erdenkliche Chance, ihre Botschaften vom Glück und ihre Verheißungen von Erfolg unters Volk zu bringen. Sie tarnen sich dabei hinter so wohlklingenden Namen wie „Weißer Klee“, „Blaues Wunder“, „Trifolium“ oder „Viagra“. Sie versenden Heilsnachrichten wie diese: „Alles Gute fürs Jahr“ und „Mehr Spaß am Leben“. Und damit diese Mitteilungen mich auch erreichen, setzen sie auf Masse. Die unendliche Menge unterdrückt wiederum die Produktivität anderer, schöner, sinnvoller Gewächse. So entdecke ich seit Silvester einen unaufhaltsamen, sich täglich potenzierenden Zuwachs.
Die Störenfriede legen nämlich ihre Keime unsichtbar für das Auge in getarntem Nährboden ab. Das dient zum einen dazu, unbedarfte Menschen direkt auf die zwielichtigen Angebote zu locken. Zum anderen sollen die Verstecke vortäuschen, dass das versprochene Glück oder der Erfolg wahr werden könnte, wenn man es aus seinem Schlupfwinkel herauslässt. Aber nicht mit mir!
Ich bin jetzt bereit, bis zum Äußersten zu gehen und würde dafür den Feind sogar mit Giftblockern zu bezwingen versuchen. Wären nicht die vielen anderen Entdeckungen in den unendlichen Weiten von Wiese und Web, die dadurch in Mitleidenschaft gerieten.
Wirklich wirksam ist es wohl nur, die Lebensbedingungen der Quälgeister und die Auswüchse dieser Schmarotzer zu unterdrücken. Mühsam, ja. Aber unausweichlich. Beim ersten Aufkeimen wird nun sofort vertikutiert, werden alle Wurzeln des Übels herausgeholt. Das stärkt die anderen und verhindert den Auswuchs der Plage. Klee und Spam werden verdrängt und tauchen fortan in meinem Leben nur noch als Erinnerung von gestern auf. Hoffentlich.