Der Feind in meinem Beet: Giersch

Der Feind in meinem Beet: Giersch

Es gibt miese Unkräuter, fiese Unkräuter und Giersch. Das gemeinste aller Unkräuter. Die Rache der Römer für die verlorene Schlacht im Teutoburger Wald.

Getarnt als Gemüsepflanze schleppten sie den Doldenblüter über die Alpen ein. Was den antiken Heerscharen nicht gelang, die Legionen des Aegopodium podagria haben es geschafft: Ganz Deutschland ist erobert – für immer und ewig.


Das Gemeine am Giersch sind seine Wurzeln: Die zwischen 30 und 100 Zentimeter hoch wachsende Pflanze entspringt aus einem Rhizom, das sich unaufhaltsam unterirdisch in alle Richtungen verbreitet. So gelingt es dem Kraut binnen weniger Jahre, große Grünflächen zu überwuchern. Wer das Teufelszeug in seinem Garten entdeckt und ihm das Feld nicht kampflos überlassen will, für den beginnt eine Leidensgeschichte, gegen die das sysiphussche Steinebergaufrollen wie ein Kinderspiel anmutet. Von nun an wird sich der Gartenfreund vorzugsweise in gebückter Haltung zwischen den Beeten bewegen. Der Rücken und die Knie werden schmerzen, die Fingernägel immer Trauer tragen.



Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin dem Giersch in inniger Feindschaft verbunden, seit ich als Kind das widerspenstige Kraut aus dem Himbeerbeet meiner Großmutter klauben musste. In meinem eigenen Garten gedeiht das Unkraut leider auch. Es hat sich zwischen den Rosenbüschen verschanzt. Von dort aus greift es unermüdlich an.


Was tun? Blätter ausreißen? Pah, da kommt der Giersch erst richtig in Fahrt! Wurzeln ausgraben? Schon besser, aber auch nur von vorrübergehendem Erfolg gekrönt. Die spröden weißen Würzelchen reißen, wann immer man in Wut und Eifer zu heftig zieht. Und aus den übrig gebliebenen Rhizomstücken sprießen alsbald neue Blätter.



Kürzlich fiel mir die Anzeige für ein chemisches Anti-Giersch-Mittel in die Hände, die das Ende aller Plage versprach. Ich gebe es zu: In mir keimte Hoffnung – für einen kurzen, wunderbaren Moment. Im Kleingedruckten stand dann leider, dass jedes einzelne Blatt damit zu bestreichen sei. Mein hysterisches Gelächter ließ die Familie erschrocken zusammenlaufen.


Internet sei dank, geht es mir jetzt wieder besser. Beim Surfen im weltweiten Netz stieß ich auf eine Seite der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Das unausrottbare Unkraut sei durch Beweidung im Frühjahr in Schach zu halten, sagen die Experten. Deshalb habe ich mich jetzt entschlossen, Giersch als Gemüse zu akzeptieren. Gegen Gicht helfen soll es auch. Ab sofort esse ich das Grünzeug einfach auf!


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