Winter in der Vase
Setzen wir dem Grau und Weiß vor der Tür doch etwas Herzerwärmendes entgegen. Der 28-jährige Meisterflorist Felix...

Der mediterrane Garten hält Erinnerungen fest. Unbeschwerte Augenblicke, die Farben von Sonne, Strand und Meer. Kein Wunder also, dass die mediterrane Architektur und Gartengestaltung in Deutschland ungebrochen hoch im Kurs steht.
Expertin Tanja Ratsch: „Das mediterrane Gefühl ist die Summe aus einer geradlinigen Grundstruktur, stilprägenden Elementen wie Terrakottatöpfen, Pergolen, Wasserbecken und Trockenmauern, Materialien in warmen Farbtönen und den typischen Pflanzen“. Die Frau kennt sich aus. Schon vor vielen Jahren hat sie ihre Passion für mediterrane Pflanzen zum Beruf gemacht und betreibt gemeinsam mit ihrem Mann eine Gärtnerei für Schönheiten, die rund ums Mittelmeer gedeihen und auch in heimischen Gärten ihren Zauber entfalten.
Doch leider halten es viele der mediterranen Klassiker hierzulande nur in Kübeln und Töpfen auf der sommerlichen Terrasse aus. Sobald es kalt wird, müssen Oleander, Olivenbaum und Co. ins Winterquartier wechseln. Haben die empfindlichen Südländer eine stattliche Größe erreicht, kann der jährliche Standortwechsel zur Plackerei werden.
Neben den Topfpflanzen für die Terrasse gibt es allerdings eine ganze Reihe exotischer Schönheiten, die wie der Lavendel den Winter im Freien überstehen. Zu den Gehölzen, die das mediterrane Flair eines Gartens prägen und Kälte bis minus 15 Grad Celsius vertragen, gehört zum Beispiel die Mittelmeerzypresse. „Ein Weg, der links und rechts von säulenförmigen Nadelbäumen gesäumt wird, ruft automatisch ein Gefühl von Toskana-Urlaub wach“, sagt Tanja Ratsch. Die schlanken Gewächse verlangen allerdings einen durchlässigen Boden. Wie die meisten mediterranen Pflanzen vertragen die Zypressen keine Staunässe.
Die Mittelmeer-Pinie nimmt ebenfalls eine gehörige Portion Schnee und Frost hin und eignet sich als stilgerechter Schattenspender. „Unter einer Pinie zu sitzen und den würzigen Geruch ihrer langen, dunkelgrünen, 15 bis 18 Zentimeter langen Nadeln einzuatmen, das ist einer der schönen Sommereindrücke, die man auch in unseren Breiten genießen kann“, schwärmt Tanja Ratsch. Als Kontrast zu den nadligen Mediterranen oder als Leitbaum bietet sich der blühfreudige Seidenbaum mit seiner ausladenden Krone an, der mit einer Wuchshöhe von knapp vier Metern und einer kompakten, dichten Krone relativ bescheidenen Platz beansprucht.
Weitere ausgewählte Exoten fürs Freiland
Osmanthus fragrans: Wie ihr Name schon verrät, bezaubert die Duftblüte durch ihren lieblichen Duft, der an Aprikosenblüten erinnert. Da sie frostverträglich ist, kann sie in den Garten gepflanzt werden.
Passiflora caerulea: Diese Passionsblume ist bedingt winterhart. An einem warmen, geschützen Standort fühlt sie sich wohl, sollte aber im Herbst mit Laub bedeckt werden. Die oberirdischen Teile sterben ab, im späten Frühjahr treibt die Blume aus.
Choisya ternata: Die hübschen weißen Blüten der Orangenblume wachsen in dichten Dolden und duften so verlockend wie die anderer Zitruspflanzen auch. Die Pflanzen lieben saure Erde und entsprechenden Dünger. Im Garten können sie bis zu 1,50 Meter hoch werden.
Cistus ladanifer: Die Lack-Zistrose besitzt ein würzig-herbes, für den Mittelmeerraum typisches Aroma. Zistrosen sind Halbsträucher, die steinig-durchlässige Erde und voll sonnige, heiße Standorte schätzen. Die Wurzeln sollten weder austrocknen noch längere Zeit nass stehen. Die Pflanze verträgt Frost bis etwa minus 12 Grad.
Arbutus unedo: Die Früchte des Erdbeerbaums ähneln den heimischen Erdbeeren nicht nur äußerlich, sie schmecken auch vertraut. Sie können roh gegessen oder zu Marmelade, Gelee, Likör verarbeitet werden. Die immergrüne Pflanze toleriert Frost und wünscht einen sonnigen bis halbschattigen Standort in durchlässigem Boden.
Viburnum tinus: Der Mittelmeerschneeball ist eine bliebter mediterraner Gartengast. Seine weißen, duftenden Blütendolden erblühen im Spätherbst oder Spätwinter. Später schmückt sich der kompakte Strauch mit glänzenden blauen Beeren. Er ist anspruchslos und pflegeleicht und kommt auch im Schatten zurecht.
Acanthus mollis: Die Blätter der Pracht-Akanthus finden sich als Abbildung in korinthischen Säulen wieder. Die lupinenähnlichen Blüten können mehr als einen Meter hoch werden. Die Pflanze gedeiht gut an beschatteten, bodenfeuchten Plätzen im Garten.
Abelia x grandiflora: Die Abelie ist ein immergrüner bis teilimmergrüner Kleinstrauch, der ein wenig Frost verträgt und in milden Lagen in den Garten gepflanzt werden kann. Sie blüht weiß oder blau, den ganzen Sommer über.
Einen Teil des Gartens sollten Liebhaber des Mediterranen Nutzpflanzen vorbehalten. Nicht nur Tomaten, Zucchinis, Oregano und Rosmarin gedeihen im hiesigen Klima ohne Probleme. Auch einige exotische Fruchtgehölze wie der Erdbeerbaum versprechen an einem sonnigen, geschützten Standort und ein wenig Winterschutz einen schmackhaften Ertrag. Die Favoriten von Tanja Ratsch: leckere Feigensorten von ,Turca' über ,Brogiotto Nero', ,Dottato' oder Columbaro Bianco' mit ihren zuckersüßen, saftigen Früchten. „Eine feine Sache sind auch Kaki-Bäume“. Zu den beliebten Sorten gehören ,Tipo', ,Vainiglia' und ,Jiro'.
Üppige Blütenpracht ist natürlich ein Thema in mediterranen Gärten. Stockrosen, Rosen oder die verschiedenen Sorten des Garteneibischs mit weißen, rosa oder blauen Blüten sorgen für Farbe. Der kleinwüchsige, kompakte Strauch fühlt sich an sonnigen Standorten auch in hiesigen Gärten wohl.
Pergolen dienen in Südeuropa als Schattenspender, hierzulande sind sie eher ein gestalterisches Element, das sich stilgerecht zum Beispiel mit Echtem Jasmin beranken lässt. Seinen kleinen, weißen Blüten entströmt ein betörender Duft von Sommer, Sonne und Wohlgefühl. Als wüchsiger Kletterer für eine Pergola empfiehlt sich aber auch die Trompetenblume, die meterlange Triebe bildet. Die Sorte ,Mme. Galan‘ besticht durch leuchtend orange bis scharlachrote Blüten. Die Sorte ,Flava‘ bildet an einem sonnigen Standort liebend gern große, gelbe Blütentrichter.
Obgleich die Terrasse bevorzugtes Refugium frostempflindlicher Lieblinge wie der Orangen- und Zitronenbäume bleibt – ein Weinstock im Pflanzkübel kann mit einem Schutz aus Fichtenreisig sogar im Winter draußen bleiben. Tanja Ratsch: „Im Schatten schirmförmig gezogener Reben sitzen, an denen Trauben wachsen, und ein Glas Wein genießen, das hat wirklich Stil.“