Das Grün des Südens

Der mediterrane Charakter eines Gartens wird wesentlich von Pflanzen geprägt. In Kübeln fühlen sich südländische Schönheiten auch bei uns wohl. Für unsere heimischen Winter im Freiland wird ihnen Härte abverlangt. Tanja Ratsch, Expertin für exotische Flora, kennt die Überlebenskünstler.

Der mediterrane Garten hält Erin­ne­run­gen fest. Unbeschwerte Augen­blicke, die Farben von Sonne, Strand und Meer. Kein Wunder also, dass die mediterrane Archi­tek­tur und Garten­gestaltung in Deut­schland un­gebrochen hoch im Kurs steht.


Expertin Tanja Ratsch: „Das mediterrane Gefühl ist die Sum­me aus einer geradlinigen Grundstruk­tur, stilprägenden Elementen wie Terrakotta­töp­fen, Pergolen, Wasserbecken und Trocken­mau­ern, Materialien in warmen Farbtönen und den typischen Pflanzen“. Die Frau kennt sich aus. Schon vor vielen Jahren hat sie ihre Passion für mediterrane Pflanzen zum Beruf gemacht und betreibt gemeinsam mit ihrem Mann eine Gärtnerei für Schönheiten, die rund ums Mittelmeer gedeihen und auch in heimischen Gärten ihren Zauber entfalten.


Doch leider halten es viele der mediterranen Klassiker hierzulande nur in Kübeln und Töp­fen auf der sommerlichen Terrasse aus. So­bald es kalt wird, müssen Oleander, Oli­ven­baum und Co. ins Winterquartier wechseln. Haben die empfindlichen Südländer eine statt­liche Größe erreicht, kann der jährliche Standort­wechsel zur Plackerei werden.


Neben den Topfpflanzen für die Terrasse gibt es allerdings eine ganze Reihe exotischer Schön­heiten, die wie der Lavendel den Win­ter im Freien überstehen. Zu den Gehölzen, die das mediterrane Flair eines Gartens prägen und Kälte bis minus 15 Grad Celsius vertragen, ge­hört zum Beispiel die Mittelmeer­zypresse. „Ein Weg, der links und rechts von säulenförmigen Nadel­bäumen gesäumt wird, ruft automatisch ein Gefühl von Toskana-Urlaub wach“, sagt Tanja Ratsch. Die schlan­ken Gewächse verlangen allerdings einen durchlässigen Boden. Wie die meisten mediterranen Pflanzen vertragen die Zypressen kei­ne Staunässe.


Die Mittelmeer-Pinie nimmt ebenfalls eine gehörige Portion Schnee und Frost hin und eignet sich als stilgerechter Schattenspender. „Unter einer Pinie zu sitzen und den würzigen Geruch ihrer langen, dunkelgrünen, 15 bis 18 Zentimeter langen Nadeln einzuatmen, das ist einer der schönen Sommereindrücke, die man auch in unseren Breiten genießen kann“, schwärmt Tanja Ratsch. Als Kontrast zu den nadligen Medi­terranen oder als Leitbaum bietet sich der blühfreudige Seidenbaum mit seiner ausladenden Kro­ne an, der mit einer Wuchs­höhe von knapp vier Metern und einer kompakten, dichten Kro­ne relativ bescheidenen Platz beansprucht.



Weitere ausgewählte Exoten fürs Freiland

Osmanthus fragrans: Wie ihr Name schon verrät, bezaubert die Duftblüte durch ih­ren lieblichen Duft, der an Aprikosen­blü­ten erinnert. Da sie frostverträglich ist, kann sie in den Garten gepflanzt werden.


Passiflora caerulea: Diese Passionsblume ist bedingt winterhart. An einem warmen, ge­schützen Standort fühlt sie sich wohl, sollte aber im Herbst mit Laub bedeckt werden. Die oberirdischen Teile sterben ab, im späten Früh­jahr treibt die Blume aus.


Choisya ternata: Die hübschen weißen Blü­ten der Orangenblume wachsen in dichten Dolden und duften so verlockend wie die an­derer Zitrus­pflan­zen auch. Die Pflanzen lieben saure Er­de und entsprechenden Dünger. Im Garten können sie bis zu 1,50 Meter hoch werden.


Cistus ladanifer: Die Lack-Zistrose besitzt ein würzig-herbes, für den Mittel­meer­raum typisches Aroma. Zistrosen sind Halb­sträu­cher, die steinig-durchlässige Erde und voll sonnige, heiße Standorte schätzen. Die Wur­zeln sollten weder austrocknen noch längere Zeit nass stehen. Die Pflanze verträgt Frost bis etwa minus 12 Grad.


Arbutus unedo: Die Früchte des Erdbeer­baums ähneln den heimischen Erdbeeren nicht nur äußerlich, sie schmecken auch vertraut. Sie kön­nen roh gegessen oder zu Mar­melade, Ge­lee, Likör verarbeitet werden. Die immergrüne Pflanze toleriert Frost und wünscht einen sonnigen bis halbschattigen Standort in durchlässigem Boden.


Viburnum tinus: Der Mittelmeer­schnee­ball ist eine bliebter mediterraner Gar­ten­­gast. Sei­ne weißen, duftenden Blü­ten­­­dolden erblü­hen im Spätherbst oder Spät­winter. Später schmückt sich der kompakte Strauch mit glän­zenden blauen Beeren. Er ist anspruchslos und pflegeleicht und kommt auch im Schat­ten zurecht.


Acanthus mollis: Die Blätter der Pracht-Akan­­thus finden sich als Abbildung in ko­rinthischen Säulen wieder. Die lupinenähnlichen Blüten können mehr als einen Meter hoch werden. Die Pflanze gedeiht gut an be­schatteten, bodenfeuchten Plätzen im Garten.


Abelia x grandiflora: Die Abelie ist ein im­mer­­­grüner bis teilimmergrüner Klein­strauch, der ein wenig Frost verträgt und in milden Lagen in den Garten gepflanzt werden kann. Sie blüht weiß oder blau, den ganzen Som­mer über.



Einen Teil des Gartens sollten Liebhaber des Mediterranen Nutzpflanzen vorbehalten. Nicht nur Tomaten, Zucchinis, Oregano und Rosmarin gedeihen im hiesigen Klima ohne Proble­me. Auch einige exotische Frucht­ge­hölze wie der Erdbeerbaum versprechen an einem sonnigen, geschützten Stand­ort und ein wenig Winterschutz einen schmackhaften Ertrag. Die Favoriten von Tanja Ratsch: leckere Feigensorten von ,Turca' über ,Bro­giotto Nero', ,Dottato' oder Columbaro Bianco' mit ihren zuckersüßen, saftigen Früchten. „Eine feine Sache sind auch Kaki-Bäume“. Zu den beliebten Sorten gehören ,Tipo', ,Vainiglia' und ,Jiro'.


Üppige Blütenpracht ist natürlich ein Thema in mediterranen Gärten. Stockrosen, Rosen oder die verschiedenen Sorten des Garten­eibischs mit weißen, rosa oder blauen Blüten sorgen für Farbe. Der kleinwüchsige, kompakte Strauch fühlt sich an sonnigen Stand­orten auch in hiesigen Gärten wohl.


Pergolen dienen in Südeuropa als Schatten­spender, hierzulande sind sie eher ein gestalterisches Element, das sich stilgerecht zum Beispiel mit Echtem Jas­min beranken lässt. Seinen kleinen, weißen Blüten entströmt ein betö­ren­der Duft von Sommer, Sonne und Wohlgefühl. Als wüchsiger Kletterer für eine Per­gola empfiehlt sich aber auch die Trom­pe­ten­blume, die meterlange Triebe bildet. Die Sorte ,Mme. Galan‘ besticht durch leuchtend orange bis scharlachrote Blüten. Die Sorte ,Flava‘ bildet an einem sonnigen Stand­­­ort liebend gern große, gelbe Blüten­trichter.


Obgleich die Terrasse bevorzugtes Refugium frostempflindlicher Lieblinge wie der Orangen- und Zitronenbäume bleibt – ein Wein­stock im Pflanzkübel kann mit einem Schutz aus Fich­tenreisig sogar im Winter draußen bleiben. Tanja Ratsch: „Im Schatten schirmförmig ge­zogener Reben sitzen, an denen Trauben wach­sen, und ein Glas Wein genießen, das hat wirklich Stil.“


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