Beletage - Ein Garten als lebendiger, sinnenfreudiger Kleinkosmos

Der Steg ist der ideale Platz für Kleine-Mädchen-Gespräche. Im Hintergrund das skandinavische Gartenhäuschen und die Tafelrunde unterm Sonnensegel

Länge mal Breite – mal Höhe. Der Garten der Familie Beck hat nicht nur zweidimensionales Format, sondern bezieht ganz selbstverständlich die höher gelegene Terrasse und die Balkone mit ein. Überhaupt ist er ein lebendiger, sinnenfreudiger Kleinkosmos, stellte Landschaftsarchitektin Carola Ettwein fest.

Es gibt Gärten, die sind wunderbar, aber man ahnt den gestalterischen Ehrgeiz, der in ihnen steckt. Es gibt Gärten mit jeder Menge Blumen, Rasen, Bäumen – und trotzdem 0815-Orte. Und dann gibt es Gärten wie den der Familie Beck in Überlingen am Bodensee: eine unangestrengte Inszenierung, ein temperamentvolles Zusammenspiel von Farben, Formen, Ereignissen. Ein Garten, wie fast jeder Garten denkt und dabei Eden vor Augen hat.


Der Becksche ist zugleich Sinnbild funktionierender Familiendemokratie. Mama, Papa, Kinder – jedem wurde sein Lieblingsplätzchen und Vorzugsort zugebilligt. In der grünen Weidenlaube verplaudern die Eltern gern mal einen müßigen Sonntagnachmittag. Der Steg am Teich ist für die Mädchen beliebter Füßebaumel-Platz. Die Gemüsebeete in Hausnähe befriedigen die Ansprüche des Chefkochs an gesunde Biokost. So hat alles in diesem Garten seinen schönen Sinn.


Für die Becks ist er die Fortsetzung ihrer Wohnräume im Haus mit anderen Mitteln. Nicht nur, dass Haus und Garten optisch ein Bündnis eingegangen sind. Auch der Freiraum wurde wie eine Wohnung strukturiert. Mehrere Gartenräume reihen sich aneinander, haben ein charakterstarkes „Ambiente“ und eindeutige Funktionen. Auch wenn das Haus Großzügigkeit und Offenheit atmet, gibt es sich zur Straße bewusst verschlossener. So führt denn ein schmaler, verschlungener Pfad zum Vorgarten. Der bremst forsches Alltagstempo aus und stimmt mit seinem üppigen Bewuchs rechts und links schon mal auf das sich anschließende Dorado ein. Eine Bank direkt neben dem höher gelegenen Eingang und abgeschirmt von allerlei Stauden signalisiert Lust an Kommunikation mit der Welt außerhalb der Grundstücksgrenzen.


Vom Gemüsegarten war schon die Rede. Der wurde praktischerweise so nahe am Haus angelegt, dass beim Kräuterschneiden keine Gefahr für die Suppe auf dem Herd droht. Eine breite, leichte Treppe, architektonisch den Terrassen auf den drei Etagen des Hauses angepasst, führt auf kürzestem Weg in den tiefer gelegenen Gartenraum.



Im Sommer werden Kissen auf den Stufen verteilt, dann wird auch die Treppe zum wunderbaren Freisitz. Was wäre dieser Garten ohne seine Terrasse und Balkone: Auf drei Etagen bieten sie nicht nur Gestühl oder Blumentöpfen Platz, sondern sind eine Fortsetzung des Pendants zu ebener Erde. Beletage! Ausladende Kübelpflanzen, wie Bambus und Gräser, Efeu, der sich am Geländer emporschlingt, Farbe ins Spiel bringende Blüten verwischen die Grenzen zwischen Innen- und Außenbereich. Und man hat von hier oben natürlich auch immer den Teich im hinteren Teil des Gartens im Blick. Der verschafft im Sommer den Menschen Abkühlung und den Tieren – Fischen und Libellen beispielsweise – Lebensraum.


In Teichnähe befindet sich der „Festplatz“ des Beckschen Anwesens. Brennt die Sonne zu heiß vom Himmel, wird beim Grillen oder in entspannter Gästerunde ein ausgedientes Surfsegel als Schattenspender aufgespannt. Sämtliche Utensilien und Gerätschaften finden im Gartenhäuschen Platz, das in seinem skandinavischen Outfit Mittsommernächte im hohen Norden in Erinnerung ruft. Das Schönste an diesem Garten: Man spürt das pralle, sinnenfreudige Leben an allen Ecken und Enden.


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