Als Team unschlagbar
Sinnlichkeit, Duft und Schönheit adeln sie zur Königin. Doch im Garten ist’s wie im Leben: Sogar Rosen brauchen...

Anfang der 60er-Jahre, ungefähr zum Zeitpunkt meiner Geburt, erblickte auch ‘Constance Spry‘, die erste Rose von David Austin, das Licht der Welt. Wenn ich an meine früheste Kindheit zurückdenke, kann ich mich an die Faszination erinnern, die die Beobachtung der Pflanzen in unserem Garten auf mich ausübte. Es gab damals nur zwei Rosen in unserem Garten: die ‘Blaue Hechtrose‘ (Rosa glauca) und die ‘Cambridge-Rose‘ (Rosa x cantabrigiensis). Schon als Teenager hatte mich mein Vater, David C. H. Austin, in fast alle Bereiche der Firma David Austin Roses eingeführt, und 1995 wurde ich Geschäftsführer.
Unsere Kunden wissen um unseren Ansatz: die besten Eigenschaften des Bewährten mit den Vorzügen des Neuen zu paaren. Wir versuchen, in den Rosen die so sehr geschätzten Charakteristiken zu vereinen, wie schöne Blütenform, delikater Duft, natürliche und klare Farben, ihre hervorragenden öfter blühenden Eigenschaften, einen strauchartigen und buschigen Wuchs, Gesundheit, Resistenz gegen Krankheiten und ihre Vitalität.
Seit vor 47 Jahren die einmal blühende ‘Constance Spry‘ auf den Markt gekommen ist, hat mein Vater mehr als 200 neue Sorten seiner Englischen Rosen marktreif gemacht. Die ersten sieben öfter blühenden Rosen von David Austin wurden 1969 vorgestellt. Die Englische Rose feiert dieses Jahr also ihren 40. Geburtstag.
Sie schreibt jetzt ihre eigene Geschichte – eine weitere Facette in der langen Historie der Rosenkultivierung. Solch ein Hintergrund kann manchmal ein zweifelhafter Segen sein: Als Hüter der Englischen Rose müssen wir besonders jetzt darauf achten, dass der Ruf der Klassiker der 90er-Jahre und der Rosengenerationen davor die nachfolgenden Generationen nicht überschattet und auch künftige Neuentwicklungen eine Chance bekommen.
Austin-Rosen haben die Herzen der deutschen Gärtner in den 80er-Jahren erobert. Ihre Treue zu den klassischen Sorten, wie ‘Abraham Darby‘ (1985), hat sich in den letzten Jahren noch vertieft. Meiner Meinung nach wird man letztendlich die Englischen Rosen aber nach den Eigenschaften der neueren Varianten beurteilen, nach dem Charakter und der Gartentauglichkeit vieler Nachfolger, die noch nicht auf dem Markt sind.
Die heutigen Sorten wurden absichtlich so gezüchtet, dass sich die einzelnen Sorten stark voneinander unterscheiden. Sogar bis hin zu unterschiedlichen Präferenzen, was ihren Standort angeht. Eine „Einheitslösung“ kann die Englische Rose also nicht bieten. Einige Sorten sind widerstandsfähiger und resistenter gegen Krankheiten als andere; einige haben einen überhängenden Wuchs mit nickenden Blüten, während die Blüten und Triebe anderer Sorten aufrecht wachsen; einige bleiben niedrig und kompakt, während sich wiederum andere über Jahre zu stattlichen Sträuchern entwickeln; einige haben einen starken, komplexen und delikaten Duft; andere wiederum blühen öfter.
Lieblingsdüfte
Bedingt durch unser Streben nach Vielfalt und wegen der sich laufend vergrößernden Kollektion, wird das „Rosenhandbuch" immer wichtiger. In ihm beschreiben wir den Charakter jeder Rose so, dass auch unerfahrene Gärtner die für sie beste Wahl treffen können. Um Ihnen das darzustellen, sollten wir vielleicht einmal einige meiner Lieblingssorten näher betrachten. Englische Rosen sind bekannt für ihre Wandlungsfähigkeit und ihre Duftintensität, die an Fruchtaromen, Teerosen, Myrrhe, Moschus oder den Duft Alter Rosen erinnern kann. Es gibt aber auch sehr komplexe Kombinationen dieser Nuancen. Jeder Mensch hat ein etwas anderes Duftempfinden. Zu meinen Lieblingssorten zählen ‘Claire Austin‘, die wir vor Kurzem nach meiner Schwester benannt haben, ‘Jude the Obscure‘, ‘Lady Emma Hamilton‘, ‘Golden Celebration‘, ‘Gertrude Jekyll‘, ‘The Generous Gardener‘, ‘Abraham Darby‘, ‘Munstead Wood‘ und ‘Strawberry Hill‘.
Neue Blütenformen und Farben
Es ist unsere feste Überzeugung, dass die Schönheit einer Blüte nicht von ihrer Größe abhängt. Die mit großen Büscheln von winzigen Pomponblüten übersäte Rose, benannt nach meiner Frau ‘Francine Austin‘, wartet mit einer der winzigsten Blütenformen unter den Englischen Rosen auf. Die Blüten der Klassiker im Stil der Alten Rosen, wie die von ‘Rosemoor‘, ‘Harlow Carr‘, ‘Strawberry Hill‘ und ‘William Shakespeare 2000‘, schwanken in der Größe – und jede hat ihren eigenen Zauber. ‘Princess Alexandra of Kent‘ produziert sehr große Blüten, während man die Blüten von ‘Golden Celebration‘ und ‘Jubilee Celebration‘ als riesengroß bezeichnen kann.
Die Anzahl der Blütenblätter variiert stark: angefangen mit den anmutig einfachen Blüten von ‘Kew Gardens‘, die wir dieses Jahr vorgestellt haben, bis hin zu den lila-pink schalenförmigen Rosetten von ‘Spirit of Freedom‘ mit etwa 200 Blütenblättchen. Berühmt gemacht haben die Englischen Rosen jedoch ihre doppelt gefüllten Blütenkelche mit der Vielzahl an Blättchen in schier endloser Formenvielfalt.
Verglichen mit anderen Rosen, zeichnen sich die Blütenblätter der meisten Englischen durch ihre Transparenz aus. Wenn dann das Sonnenlicht von der Rose reflektiert wird, entsteht ein sanftes, leuchtendes, ständig wechselndes Farbspiel. Heute gibt es Englische Rosen sowohl in allen klassischen Farben, wie wir sie von den Alten Rosen kennen, als auch in modernerem Gelb, Apricot und Pfirsich. Mit dem weichen Kupferton von ‘Pat Austin‘, nach meiner Mutter benannt, gelang uns ein völlig neues Farbspiel. ‘Lady of Shalott‘, eine diesjährige Neuheit, ist in der Farbgebung ähnlich und, wie wir meinen, noch widerstandsfähiger. Mit dem außergewöhnlichen kräftigen Lachsrosa der ‘Benjamin Britten‘, dem satten Tieforange der ‘Lady Emma Hamilton‘ und einem komplexen brünierten Orange bei der ‘Summer Song‘ haben wir unsere Farbpalette zusätzlich erweitert.
Die Wuchsform ist bei der Auswahl einer Rose sehr wichtig, obwohl dieser Aspekt oftmals unbeachtet bleibt. Für Rosenbeete eignen sich besonders Englische Rosen mit gleichmäßigem, aufrechtem Wuchs, wie: ‘Charlotte Austin‘, ‘Sophy‘s Rose‘, ‘Molineux‘, ‘Darcey Bussell‘ und ‘Ambridge Rose‘. Viele formen einen buschigrunden Strauch und sind ideal für gemischte Rabatten. Hier empfehlen sich vor allem ‘Golden Celebration‘, ‘Grace‘, ‘Emanuel‘, ‘Jubilee Celebration‘, ‘Wildeve‘ und ‘William Shakespeare 2000‘. Möchte man dagegen eher aufrecht stehende Rosen, sollte man zum Beispiel ‘The Pilgrim‘, ‘Scepter d'Isle‘, ‘Gertrude Jekyll‘ oder ‘Port Sunlight‘ wählen. Die klassischen Englischen Rosen, die ihre Blüten in kleinen Büscheln präsentieren, haben oft einen sanft überhängenden Habitus, wie ‘Crown Princess Margareta‘ und ‘A Shropshire Lad‘.
Wenig Arbeit, viele Freuden
Fast alle Englischen Rosen eignen sich für Beete, gemischte Rabatten und Hecken. Sie stehen aber auch entlang eines Zauns gut. Man sollte die neueren Sorten ausprobieren, sie werden sich als wahre Alleskönner im Garten erweisen. Allerdings darf man nicht vergessen, die Wuchshöhe in die Überlegungen einzubeziehen. Einige Sorten sind hervorragende Kletterer. Zum Begrünen von Rosenbögen und Pergolen wählt man am besten eine der Ramblerrosen, wie ‘Malvern Hills‘ oder ‘Snow Goose‘, oder eine der wüchsigeren Kletterrosen: ‘St. Swithun‘, ‘Teasing Georgia‘, ‘The Pilgrim‘, ‘The Generous Gardener‘, ‘Mortimer Sackler‘ oder ‘Graham Thomas‘.
Trotz all unserer Fortschritte, die wir durch unsere Züchtungsprogramme erzielen konnten, besteht leider immer noch der Irrglauben, Englische Rosen seien schwer zu kultivieren. Stimmt, einige der älteren stellen durchaus eine Herausforderung dar. Die meisten Englischen Rosen, die in den 90er-Jahren beliebt waren, etwa ‘English Garden‘, ‘Evelyn‘ und ‘Fisherman's Friend‘, wurden mittlerweile durch andere Sorten ersetzt, die ihnen in Schönheit nicht nachstehen, aber gesünder und zuverlässiger sind. Heute kann der Gartenneuling, der zum ersten Mal auf Englische Rosen trifft, zwischen viel schöneren, neuen Rosatönen wählen. Beste Beispiele dafür sind ‘Wildeve‘, ‘Harlow Carr‘, ‘Gentle Hermione‘, ‘Wisley 2008‘ oder ‘Eglantyne‘.
Die meisten Züchtungen der letzten 10 bis 15 Jahre verlangen außer einem guten Boden, Dünger, Wasser und Rückschnitt nur wenig oder keine besondere Pflege. Unsere Rosen werden während der Feldversuche nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. ‘Wild Edric‘ und ‘The Mayflower‘, die beide zu den gesündesten Sorten gehören, nehmen die Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln sogar arg übel. Wie übrigens die meisten Rosen, die aus einer Kreuzung mit Rosa rugosa, also der Kartoffelrose, hervorgegangen sind.
Die Freuden, die ein begeisterter Rosengärtner aus seiner Arbeit als Gegenleistung erhält, sind unbeschreiblich. Deshalb: Suchen Sie sich einen schönen Platz in Ihrem Garten aus, bereiten Sie den Boden unter Zugabe von genügend Kompost gut vor und wagen Sie das Experiment, indem Sie ein kleines Rosenbeet oder eine gemischte Rabatte anlegen. Eigentlich sollte kein Haus ohne ein paar Kletterrosen am Hauseingang oder am Gartentor auskommen müssen, und niemand die Freuden einer Rosenhecke missen.
Aber Vorsicht: Die Kultivierung von Rosen kann zur Faszination werden. Englische Rosen verführen leicht zum Sammeln! Wenn Sie die älteren Sorten Ihrer Englischen Rosen lieben und mit dem Ergebnis zufrieden sind, sollten Sie genau da weitermachen. Falls Sie jedoch ziemlich am Anfang stehen und sich noch nicht an Englische Rosen herangewagt haben, weil Sie dachten, dass sich alle ohnehin gleichen, so hoffe ich, dass ich Sie dazu inspirieren konnte, einige meiner bevorzugten neuen Sorten auszuprobieren. Ich garantiere Ihnen eine Überraschung!
Hallo Garten, ich komme!
Lesen Sie jetzt das neue E-Book „schön + grün“ mit allen Infos und Trends rund um den eigenen Garten. Direkt zum Download!