Das dicke deutsche Hausbuch 2012
Alles über gute Einfamilienhäuser. Die wichtigsten Schritte auf dem Weg ins eigene Haus. Architekturentscheidungen,...

Andreas Steinhof (54), Unternehmer: Es lohnt!
Reden wir mal übers Sparen?
Da fragt der Sparer: Was bringt‘s mir?
Sind Sie ein Sparer?
Auf jeden Fall bin ich niemand, der die freiwillige, unnötige Erhöhung anfallender Nebenkosten zu seinem Steckenpferd erklärt. Ich sehe rundum, dass diejenigen, die in irgendeiner Form Geld eintreiben, immer raffinierter werden, hier ein Cent, da ein Cent. Dem möchte ich schon etwas entgegensetzen.
Das klingt sportiv.
Es ist sportiv.
Ein Familiensport?
Leider nein, für die Kinder nicht.
Was sind denn so Etat-Einsparungs-Diktate des Familien-Finanzministers?
Wir haben einen Geschirrspüler – muss man Geschirr zehn Minuten lang unter fließend heißem Wasser abwaschen? Muss man beim Abwaschen des Obstes das Wasser weiterlaufen lassen, auch wenn man zufällig zum Telefon gerufen wird? Muss man permanent vergessen, im Bad die Heizröhre auszumachen? Muss man nachts die Heizung anlassen –und gar noch das Fenster offen halten? Ist der Weg zwischen zwei Supermärkten zu weit, wenn man dabei ein bisschen effektiver Sonderangebote nutzen kann?
Wirken Sie auf Ihre Familie tyrannisch?
Vor alles ist ein Preis gesetzt, das ist nicht meine Erfindung, aber ich frage mich, ob ich eine 100er-Glühbirne einsetzen soll, wo es nur um begleitende Beleuchtung geht.
Sie haben die Frage nach der tyrannischen Wirkung noch nicht beantwortet.
Na ja, das klingt jetzt vielleicht alles ein wenig schrecklich rechnerisch, aber so ist es nicht. Man muss versuchen, ein paar Dinge in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, so wie man beim Autofahren die Regeln beherzigt, ohne dabei noch viel nachzudenken. Es geht um ein grundsätzliches Verhalten, nicht um die monatliche Bilanzierung, wie viel man nun konkret eingespart hat. Auf die Dauer stellt sich einfach so ein Gefühl ein, dass man nicht herumschludert mit dem Geld.
Geben Sie in einem Restaurant Trinkgeld?
Selbstverständlich. Aber das ist ein gutes Beispiel. Viele Leute geben Trinkgeld noch so, als wären es DM-Beträge. Früher gab man eine Mark, jetzt gibt man einen Euro. Das sind aber zwei Mark!
Ist Geiz geil?
Geiz nicht, Selbstkontrolle schon. Ich denke, es gibt Situationen, da muss man darauf achten, dass es billig bleibt, und andere Situationen, da kommt es darauf an, dass etwas preiswert ist. Beides ist nicht ein und dasselbe.
Wo gucken Sie nicht aufs Geld?
Ich? Ich gucke doch nicht aufs Geld. Ich sehe mich aber umstellt von Leuten, die sehr wohl auf mein Geld gucken. Deshalb halte ich es ein bisschen fest. Und wenn auf einer CD draufsteht, sie habe 54 Minuten Laufzeit, dann frage ich meinen Sohn, warum er das Gerät vier Stunden anlässt.
Manuela Klinger (41), Kostümbildnerin: Es nervt.
Sind Sie ein sparsamer Typ?
Nein, dazu habe ich zu wenig Geld.
Wie meinen Sie das?
Sparsamkeit muss Spaß machen, sonst macht sie einen fertig.
Geld ausgeben, das man nicht hat, kann einen auch ungeheuer fertig machen.
Wie immer beim Geld: Man muss konkret werden. Allgemeine Philosophie nützt wenig.
Also gut: Wie sparsam sind Sie im Haushalt?
Mein Mann kriegt nur drei Kartoffeln pro Mahlzeit.
Sie wollen nicht über Geld reden.
Ich sag doch: Ich habe nicht genug ...
Um sparsam zu sein, ich weiß. Wir wollen wissen, wie es um die so genannten Kleinigkeiten steht: das Licht im Flur ausschalten, wenn man sich im Wohnzimmer aufhält; auf der Toilette sparsam spülen; unter den tropfenden Wasserhahn ein Gefäß stellen ...
Verschwenderisch gehen wir mit den Dingen, die etwas kosten, nicht um. Aber es gibt eine Grenze: Die liegt dort, wo man merkt, jetzt lebt man nicht mehr, jetzt konzentriert man sich nur noch darauf, wie man 19 Cents im Monat sparen kann – und dafür kauft man sich extra ein Notizbuch, das allein schon 55 Cents kostet. So ist das mit dem Einsparen.
Sie führen demnach kein Haushaltsbuch?
Nein. Das verkrampft und verführt zur Buchhalterei. Ich mag zum Beispiel die Leute nicht, die durch die ganze Stadt fahren, um etwas billiger einzukaufen. Dabei geht allerdings der herausgewirtschaftete Betrag für den Mehrverbrauch an Benzin drauf.
Wobei sparen Sie – außer an den Kartoffeln, die Sie Ihrem Mann beim Mittagessen verweigern?
Na ja, ein paar mehr als drei sind‘s schon ... Man muss tatsächlich nicht in allen Zimmern gleichzeitig Licht brennen lassen. Aber es gibt Abende, da brennt‘s trotzdem überall, weil uns nach Helligkeit ist und nicht nach Dämmer-Stimmung. Nur ja nicht aus allem ein Prinzip machen, das einen fesselt! Freilich nutzen wir beim Telefonieren günstige Zeiten und Sondertarife. Aber was mich beim Einkaufen nervt, sind diese ständigen Angebote zum Preisvergleich, man ist da nur noch mit Tabellen und Zahlen beschäftigt. Also: Wenn ich bade, ist die Wanne voll!
Ist Geiz geil?
Wir sind nicht geizig, aber wir denken, dass Geld ein Mittel ist, nicht der Zweck. Womöglich geht einem bei einer bestimmten Form der durchtrainierten Sparsamkeit die Freude am Leben verloren. Wenn die Knauserei in Verbissenheit ausartet.
Bei welcher Kleinigkeit sind Sie anfällig, mehr als nötig Geld auszugeben?
Schokolade.
Und wenn Sie nun Ihr Mann bitten würde, da vielleicht ein wenig sparsamer zu werden?
Da würde ich sagen, verehrter Herr vom Biertresen – diese Bemerkung hätten Sie sich wirklich sparen können.