Solide Baufinanzierung, Teil 2 - Welche Förderprogramme gibt es?

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Öffentliche Fördermittel sind stets willkommen. So kann man Kosten sparen und den Kreditbedarf reduzieren. Bund, Länder und Gemeinden helfen beim Erwerb von Wohneigentum mit günstigen Krediten und anderen Zuwendungen. Allerdings ist es nicht ganz einfach, sich im Fördermittel-Dschungel zurechtzufinden.

Über 6.000 unterschiedliche Förderangebote registrieren die Datenbanken hierzulande in den Bereichen Bauen, Sanieren und Energie sparen. mein schönes zuhause³ hilft privaten Bauherren und Hauskäufern mit wertvollen Hinweisen und Tipps, den Überblick zu behalten und sich die bestmögliche Förderung für ihr künftiges Zuhause zu sichern.


Förder-Flaggschiff KfW


Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bildet mit ihren umfangreichen Programmen zur Finanzierung von Investitionen in Wohnimmobilien das Herzstück öffentlicher Förderung. Besonders interessant für Bauherren und Käufer neuer, selbstgenutzter Immobilien ist das Wohneigentumsprogramm der KfW.


Es gewährt zinsgünstige Darlehen bis zu 50.000 Euro mit Laufzeiten zwischen vier und 35 Jahren. Bei 20 Jahren Laufzeit, drei tilgungsfreien Anlaufjahren und fünf Jahren Zinsbindung fallen hierfür derzeit 2,22 Prozent Effektivzins an. Bei zehn Jahren Zinsbindung sind es 2,78 Prozent. Für 35 Jahre Laufzeit mit zehnjähriger Zinsbindung und fünf tilgungsfreien Jahren zahlen Sie 2,85 Prozent.


Wer besonders energiesparend baut, kann außerdem über das KfW-Programm „Energieeffizient Bauen“ weitere 50.000 Euro je Wohneinheit zu Zinsen ab 1,41 Prozent sowie einen Tilgungszuschuss von bis zu 5.000 Euro bekommen. Gefördert werden auch hier der Neubau oder Ersterwerb von Wohnimmobilien nach dem KfW-Effizienzhaus-Standards 70, 55 oder 40. Je niedriger die Zahl, desto höher fällt die Förderung aus. Zinsen, Laufzeit und tilgungsfreie Jahre sind ähnlich gestaffelt. Ferienhäuser werden bei diesen KfW-Programmen allerdings nicht gefördert.


Welche Förderung am besten zu Ihrem Bauvorhaben passt, finden Sie mit wenigen Klicks über den Produktfinder auf der Webseite der KfW heraus. Dort erhalten Sie auch weiterführende Informationen.


Unser Tipp: Wenn Sie beim Bau oder Kauf eines KfW-Effizienzhauses eine Einliegerwohnung einplanen, können Sie gleich zweimal von der Förderung für energieeffizientes Bauen profitieren. Vorausgesetzt, es handelt sich um eine separate Wohneinheit mit Zimmer, Küche oder Kochnische und Bad & WC.


Ideale Kombination


Wie unser Finanzierungsbeispiel zeigt, lassen sich beide KfW-Programme hervorragend verbinden.


  • Grundstück: € 75 000
  • Baukosten Haus: € 200 000

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-Gesamtkosten: € 275 000


KfW-Finanzierung


  • Wohneigentumsprogramm: € 50 000
  • Energieeffizientes Bauen: € 50 000
  • KfW-Finanzierung gesamt: € 100 000
  • 10 % Tilgungszuschuss für Effizienzhaus 40: - € 5 000

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  • Effektiv zurückzuzahlender Betrag: € 95 000

Besser geht es kaum: Sie nehmen 100.000 Euro über die KfW auf und zahlen nur 95.000 Euro zurück – zu extrem günstigen Zinsen. Die Restsumme von 175.000 Euro kann zum Beispiel über Eigenmittel, Bankdarlehen oder Bausparkassen finanziert werden. Oder Sie machen sich auf die Suche nach weiteren Fördermitteln.


Aufgepasst! Beantragen müssen Sie KfW-Darlehen über Ihre Bank oder Sparkasse. Die Kreditinstitute können aber nicht gezwungen werden, KfW Kredite anzubieten. Manche Geldhäuser machen Schwierigkeiten oder bieten das gewünschte Programm nicht an. Lassen Sie sich nicht gleich abwimmeln. Bleiben Sie hartnäckig oder wechseln Sie im Zweifelsfall die Bank. Es lohnt sich.



Föderale Fördertöpfe


Neben der bundeseigenen KfW-Förderbank bieten auch die Bundesländer eigene Förderprogramme für den Aufbau von Wohneigentum. Allerdings sind die Fördertöpfe höchst unterschiedlich ausgestattet. Hamburg beispielsweise fördert den Neubau von Wohneigentum unter bestimmten Einkommensvoraussetzungen mit zinsgünstigen Darlehen von 0,6 Prozent für fünf Jahre. Der Darlehenssatz beträgt bis zu 900 Euro je Quadratmeter förderfähiger Wohnfl äche. Dieses Baudarlehen kann sich um einen Familienzuschlag erhöhen, der etwa bei einer Familie mit zwei Kindern 20.000 Euro beträgt.


Beispiel Bayern: Das Land wirbt gleich mit drei verschiedenen Programmen zur Eigenheimfinanzierung. Vor allem junge Familien mit mittleren Einkommen möchte der Freistaat mit Zinsverbilligung und Kinderzuschüssen zum Neubau oder Kauf eines Eigenheims animieren. Deutschlandweit gibt es dutzende solcher und ähnlicher Förderprogramme, die gezielt den Erwerb oder Neubau selbstgenutzten Wohneigentums mit Darlehen oder direkten Zuschüssen unterstützen und so die privaten Investitionskosten senken.


Von den meisten Programmen der Bundesländer profitieren vor allem Haushalte mit niedrigen oder auch mittleren Einkommen sowie kinderreiche Familien, Alleinerziehende und Schwerbehinderte. Diese Förderprogramme lassen sich in der Regel problemlos mit denen des Bundes kombinieren. Leider haben einige Bundesländer wie Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern ihre Programme zur Wohnraumförderung aus finanziellen Gründen reduziert oder ganz eingestellt.


Weil sie je nach Kassenlage auch kurzfristig wieder aufgelegt werden können, sollten Sie sich dennoch auch hier informieren. Da sich die Förderrichtlinien von Land zu Land und zum Teil auch von Jahr zu Jahr erheblich unterscheiden, ist es erforderlich, sich immer die aktuellen Informationen zu beschaffen.


Exklusiv für unsere Leser haben wir die deshalb Webadressen zusammengestellt, unter denen sie nähere Informationen zu den laufenden Förderprogrammen der Bundesländer für Neubau oder Erwerb von Wohneigentum finden.


Baden-Württemberg: l-bank.de

Bayern: labo-bayern.de

Berlin: ibb.de

Brandenburg: ilb.de

Bremen: bab-bremen.de

Hamburg: wk-hamburg.de

Hessen: wibank.de

Mecklenburg-Vorp:. lfi-mv.de

Niedersachsen: nbank.de

Nordrhein-Westfalen: mbwsv.de

Rheinland-Pfalz: isb.rlp.de

Saarland: saarland.de

Sachsen: sab.sachsen.de

Sachsen-Anhalt: ib-sachsen-anhalt.de

Schleswig-Holstein: ib-sh.de

Thüringen: aufbaubank.de


Tipp: Einen von der Verbraucherzentrale Bundesverband und der KfW gesponserten Förderrechner für selbstgenutztes Wohneigentum in den verschiedenen Bundesländern finden Sie unter diesem Link.



Baugeld vom Bürgermeister


Auch auf kommunaler Ebene winken Städte und Gemeinden mit zum Teil üppigen Fördermitteln. Die Palette der Wohltaten reicht von zinsgünstigen Darlehen über verbilligte Baugrundstücke und direkte Zuschüsse von oft mehreren zehntausend Euro bis hin zu kostenfreien Kindergartenplätzen.


Der Grund: Die Kommunen wollen die Folgen des demographischen Wandels abmildern und die eigene Infrastruktur und Steuerbasis durch Zuzug vor allem von jungen Familien verbessern. In Stuttgart etwa kann eine Familie mit zwei Kindern einen Baukostenzuschuss von 20.000 Euro erhalten. In Heilbronn werden bis zu 25.000 Euro Zuschuss je Haus gewährt, plus 5.000 Euro pro Kind. Im niedersächsischen Celle erhalten Familien mit zwei Kindern 200 Quadratmeter Bauland zum halben Preis. Die Liste ließe sich fortsetzen.


Hilfe von oben


Weitgehend unbekannt ist die Förderung durch die Kirche. 19 katholische Bistümer und 15 evangelische Landeskirchen unterstützen bauwillige Familien beim Erwerb von Wohneigentum. Die angebotenen Fördermaßnahmen der Kirchengemeinden umfassen vor allem zinsgünstige, teilweise auch zinslose Darlehen, Zuschüsse zu Erschließungskosten oder Baugrundstücke mit günstigem Erbbauzins.


Das Bistum Osnabrück zum Beispiel gewährt verbilligte Erbbaurechte für Familien mit Kindern. Im Erzbistum Köln kann eine katholische Familie mit zwei Kindern ein zinsloses Darlehen von 11.000 Euro für den Erwerb von Wohneigentum oder das eigene Bauvorhaben erhalten.


Alle Auskünfte zu den kirchlichen Fördermitteln erhalten Bauherren am besten vor Ort entweder bei der Stadtoder Kirchenverwaltung oder auch über die Online-Datenbank der Aktion pro Eigenheim.


Professionelle Unterstützung


Öffentliche Fördermittel sind ein idealer und für viele unverzichtbarer Baustein zur Sicherung der Gesamtfinanzierung ihrer Immobilie. Aber der Weg durch den Fördermittel-Dschungel ist kein Spaziergang. Wem hierzu Zeit und Muße fehlen, kann unabhängige Hilfe in Anspruch nehmen und Fördermittelauskunft und -beschaffung in professionelle Hände legen.


Das kostet allerdings ein wenig Geld. Einen solchen Service rund ums Bauen und Modernisieren bietet beispielsweise der Fördermittelspezialist

Febis.


Tipp: Eine Online-Datenbank mit den Förderprogrammen von bundesweit über 800 Kommunen und Städten finden Sie hier. Die Recherche läuft ganz bequem über Ortssuche oder die Eingabe der Postleitzahl.


Wohn-Riester und Co.


Wer mit seiner Immobilie zugleich für das Alter vorsorgt, kann seit 2008 mit dem staatlich geförderten Wohn-Riester-Darlehen auch den Bau, Kauf oder die Entschuldung selbst genutzten Wohneigentums finanzieren. Laut Stiftung Warentest lassen sich damit – je nach Ausgangslage und Kredithöhe – im Einzelfall bis zu 50.000 Euro sparen.


Die hohe Ersparnis erklärt sich aus der staatlichen Zulage, dem Zinseszinseffekt sowie der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Beiträgen und Zulagen. Von Letzterem profitieren vor allem Gutverdiener. Die volle Förderung erhält, wer mindestens vier Prozent seines Brutto-Jahresverdienstes zur Tilgung des Wohn-Riester-Darlehens aufwendet – einschließlich Zulagen bis zu einem förderfähigen Maximum von 2.100 Euro. Wenn Sie bereits Geld in einem Riester-Rentenvertrag angespart haben, kann auch dies zur Tilgung eingesetzt werden.


Spartipp: Die Riester-Förderung wird erst bei Renteneintritt besteuert. Wer die Steuerschuld dann sofort in einem Betrag begleicht, statt sie über Jahre abzustottern, erhält einen Nachlass von 30 Prozent. Wie sich dies konkret im Portemonnaie bemerkbar macht, hängt allerdings von Ihrem individuellen Steuersatz ab.


Weiter gehende Informationen zu Wohn-Riester erhalten Bauherren und Hauskäufer am besten über entsprechende Veröffentlichungen der Stiftung Warentest oder die Verbraucherzentralen. Bei Letzteren können Sie auch klären, ob und wie die einkommensabhängige staatliche Wohnungsbauprämie sowie die Arbeitnehmersparzulage in Ihrem speziellen Fall zur Immobilienfinanzierung beitragen können. Inwieweit steuerliche Aspekte zur optimalen Finanzierung Ihres Traumhauses beitragen können, besprechen Sie am besten mit Ihrem Steuerberater.


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