Leitzins sinkt, Baufi-Zinsen steigen

Der Leitzins sinkt und sinkt, zuletzt wurde er am 7. Mai auf historisch niedrige 1 % gesenkt. Und wie reagieren die Hypothekenzinsen? Steigen! Warum das so ist, welche Hintergründe eine Rolle spielen, erläutert Finanzexperte Max Herbst.

"Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen senkt, freuen sich die Bauherren. Denn sie rechnen mit fallenden Kreditzinsen. Doch leider reagieren die Hypothekenzinsen in der Regel anders als erwartet.


Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend.


Wenn die Banken Baukredite vergeben, besorgen sie sich das Geld nicht bei der Zentralbank, sondern auf dem Kapitalmarkt – entweder über die Vergabe von Pfandbriefen oder in Form anderer langfristiger Geldanlagen.


Wenn die EZB die Zinsen senkt und in der Aussage zur Zinsentscheidung eine Perspektive eröffnet, die eine wirtschaftliche Besserung erwarten lässt, kaufen viele Anleger Aktien. Schließlich könnte der Aktienmarkt nun anspringen. Folglich wird Geld aus festverzinslichen Anlagen abgezogen und in Dividendentitel angelegt.


Doch diese "Krötenwanderung" erhöht auf kurze Sicht die Zinsen für Baugeld, da für verzinsliche Anlagen weniger Geld zur Verfügung steht. So hat die EZB seit Oktober 2008 fünf Mal die Zinsen gesenkt – und in vier Fällen sind innerhalb der nachfolgenden zwei Wochen die Baugeldzinsen leicht gestiegen. Betrachtet man den Zeitraum seit 2001, in dem die Leitzinsen elf Mal gesenkt wurden, haben sich die Baugeldzinsen anschließend sechs Mal verteuert." Soweit Finanzexperte Max Herbst.


Genau diesen Effekt 2. konnte man sehr gut nach der vorletzten Leitzinssenkung am 2. April feststellen: die Aktien zogen an, die Baufinanzierungszinsen stiegen ebenfalls, um rund 0,1 %-Punkte im 10- und 15-jährigen Bereich.



Das hört sich nicht viel an, bedeutet aber über 10 Jahre bei 100.000 Euro 1.200 Euro Unterschied.


Tipps des Verbraucherportals Geld-Magazin.de dazu:


Wenn Sie jetzt eine neue Baufinanzierung abschliessen, sollten Sie sich die noch niedrigen Zinssätze möglichst lange sichern. Also besser nicht den auf den ersten Blick niedrigeren 5-Jahres-Zins (und damit die niedrigere Rate) nehmen, sondern mindestens 10 Jahre (durchschnittlich 4,35 % p.a. effektiv), besser noch länger eine Zinsfestschreibung vereinbaren. Der leicht höhere Zins (für 15 Jahre im Durchschnitt 4,78 % p.a. effektiv, Stand 15. Mai) rechnet sich, wenn die Zinsen in den nächsten Jahren steigen.


Ein gutes Beispiel sind die jetzt auslaufenden 10-Jahres-Zinsbindungen - diese kommen aus einem Zinsniveau mit der "6" vor dem Komma. Genauso wie die Zinsen seit damals gesunken sind, können (und werden) sie auch wieder steigen.


Vergleichen Sie, und nehmen Sie nicht das erstbeste Angebot. Den besten Überblick und die aktuellen Zinsen finden Sie in unserem Vergleichsrechner Baufinanzierung & Hypotheken


Zuletzt das Thema Tilgung: versuchen Sie, möglichst flexible Sondertilgungen in Ihre Baufinanzierung einzubinden. Wenn Sie sie später nicht benötigen ... kein Problem. Aber wenn Sie gern mehr tilgen möchten (Lottogewinn, Erbschaft usw.) und es nur gegen hohe Gebühr dürften, ärgern Sie sich.


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