Hand aufs Herz: KfW

Energetische Sanierung

Erfolge, Probleme und künftige Regeln der KfW-Energiespar-Förderprogramme mit der EnEV 2009: KfW-Direktor Christof Stein und Öko-Holzhausbau-Branchenerste Dagmar Fritz-Kramer im Gespräch

Frau Fritz-Kramer, Sie verstehen es bitte nicht als unhöflich, wenn wir zuerst Chris­tof Stein als KfW-Banker gratulieren. Es pas­­siert nicht alle Tage, dass ein Bank­pro­dukt wie „KfW 40“ eine Marke wird, mit der eine ganze Branche ihre energetische Qua­lität definiert.


Dagmar Fritz-Kramer: Bei allen Wünschen und kritischen Anmerkungen, die ich zu den gegenwärtigen Schwer­punkten und dem An­satz der Ener­gie­­sparförderung habe – was die Kredit­anstalt für Wiederaufbau in den letzten Jahren mit dieser Förderung an­geschoben hat, ist aller Ehren wert.

Christof Stein: Wir freuen uns natürlich, dass sich über unsere Förder­in­stru­mente die Marke „KfW-Energiesparhaus“ als Maßstab für energieeffiziente Wohngebäude etabliert hat. Bauherren und Käufer erhalten so eine verlässliche Aus­sage über die energetische Qualität des Gebäu­des.


Welche Energiesparmaßnahmen für Wohn­bauten fördert denn die KfW?


Christof Stein: Im Rahmen der energetischen Sanierung werden alle Maßnahmen gefördert, die unmittelbar zur Verbes­serung der Energieeffizienz erforderlich sind. Be­­zu­schusst werden Kosten für das Material eben­so wie für notwendige Ne­ben­arbeiten, beispielsweise für die Ent­sor­gung und das Neu­verputzen nach vorgenom­­mer Däm­mung der Außenwände. Da vie­le Maß­nah­men die zusätzliche Ein­be­zie­hung von Sach­ver­ständigen erfordern, wird auch de­ren Arbeit bei Ein- und Zweifamilienhäusern be­zu­schusst.


EIN BANKPRODUKT ALS GÜTEMARKE


Wir fördern entsprechende Maßnahmen im Neubau ebenso wie im Bestand, obwohl dort der Effekt für die Senkung sowohl des Heiz­­energie­ver­brauchs als auch der CO2-Emis­sionen erheblich größer ist.

Die drei aktuellen großen Förderpakete sind derzeit:

  • das „CO2-Gebäudesanierungsprogramm“,
  • das Programm „Wohnraum modernisieren für die Altbausanierung“,
  • das Programm „Ökologisches Bauen für den energieeffizienten Neubau“.

Der zu erreichende Standard für Ein- und Zweifamilienhäuser wird durch die An­for­de­rungen der Energieeinspar­ver­ordnung (EnEV) definiert. Besser gebaute oder sanierte Häu­ser erhalten dann die Förderung. Wer ein bestehendes Haus saniert und das energetische Niveau eines Neubaus um 30 Prozent unterschreitet, erhält zum Bei­spiel ne­ben einem attraktiven Förderdarlehen ei­nen Til­gungszuschuss von bis zu 6.250 Euro pro Wohneinheit.


Wie wirksam sind die KfW-Förderpro­gram­me? Welches Angebot wird am häu­figsten in Anspruch genommen?


Christof Stein: Das größte Nachfrage-Vo­lu­men mit mehr als 80.000 Zusagen und ei­nem Volumen von annähernd 4 Mil­liar­den Eu­­­ro entfiel 2008 auf die Programme zur ener­­getischen Sanierung. Im Programm „Öko­logisch Bauen“, zu dem die KfW 40- und KfW 60-Häuser gehören, waren es ca. 30.000 Dar­lehenszusagen über 2,5 Milliarden Euro.

Dagmar Fritz-Kramer: Glauben Sie mir, dass ich mich zu gerne ganz toll mit Ihnen darüber freuen würde?



Was hindert Sie daran?


Dagmar Fritz-Kramer: Das Wissen darum, wie sehr wir erst am Anfang dieses Weges ste­hen. Wir haben zu lange ge­braucht, um über­haupt die Brisanz unserer energe­tischen und ökologischen Probleme mit der alten Art, Häuser zu bauen und zu bewohnen, zu erkennen. Mit dem Klimawandel vor der Tür wird uns nun die Zeit knapp für die Suche nach innovativen, wirklich bahnbrechenden Lösungen beim ökologischen Bauen. Ent­schieden bessere Dämmung und radikale Senkung des Energieverbrauchs sind in Ordnung, aber doch nur ein erster Schritt. Wenn wir nur den Energieverbrauch wäh­rend der Nutzung eines Wohngebäudes in den Focus rücken, wird der ökologische Ruck­sack der CO2- und Energieverbräuche für die Herstellung des Gebäudes gar nicht mit ein­bezogen. Das kann nicht richtig sein.


Wer bestimmt eigentlich die Zielsetzungen und die Kriterien für die Förderprogramme der KfW?


Christof Stein: Grundlage für die technischen Mindestanforderungen unserer Pro­gramme ist die Energieeinsparverord­nung (EnEV). Verord­nungsgeber der EnEV ist der Bund. Gemäß dem Grundsatz: „Gefördert werden kann nur, was nicht ohnehin gesetzlich gefordert ist!“ haben wir Anforderungen an die Ener­gieeffizienz der geförderten Gebäude definiert, die über die gesetzliche Mindest­anforderung hinaus gehen.

Maßgeblich sind nach jetzigem Stand der Pri­märenergiebedarf des Gebäudes sowie der spe­zifische Trans­missionswärmeverlust. Kla­re Regel: Je besser der energetische Stan­dard des Gebäudes nach der Maßnah­me, desto höher ist die Förderung.

Die Festlegung der konkreten KfW-Förder­strategie er­folgt in enger Abstimmung mit dem Bundes­ministerium für Verkehr, Bau und Stadt­entwicklung (BMVBS), das auch die Haus­haltsmittel für die Zinsverbilligung in den Bundesprogrammen zur Ver­fügung stellt.


2009: DAS KFW-„EFFIZIENZHAUS“


Für 2009 ist die neue Fassung der Ener­gieEinsparverordnung angekündigt. Was bringt die denn – auch mit Blick auf die künftige Förderung durch die KfW?


Christof Stein: Die politische Zielsetzung, die mit der EnEV 2009 verbunden wird, ist eindeutig: Im Durchschnitt kommt es zu einer 30-prozentigen Verschärfung des bisher geltenden Effizienzniveaus. Das ist nach Meinung der Experten mit konstruktiven Maßnahmen, verbesserter Bauphysik und moderner Heiztechnik in Verbindung mit erneuerbaren Energien zu leisten.

Um mehr Transparenz und Praxisnähe zu erreichen, ist vorgesehen, dass die neuen Stan­dards der EnEV nach einheitlichen Kriterien sowohl für die Kom­plett­sanierung als auch für den Neubau definiert werden.

Daher werden wir 2009 unsere Förderstandards als „KfW-Effizienzhaus“ für Neubau und Sa­nierung festlegen. Damit wollen wir an die Erfolge der Mar­ken „KfW-Energiesparhaus 40“ und „KfW-Energie­sparhaus 60“ anknüpfen und de­ren positive Effekte auch für die Sanie­rung nutzen.


Die KfW-Förderprogramme dürften nach heutigen Maßstäben dann wohl „KfW 30“- oder „KfW 25“-Niveau einfordern?


Christof Stein: Das ist noch nicht endgültig entschieden. Unser wichtiges Anliegen bleibt, dass wir mit unserer Förderung sowohl in möglichst großer Zahl Investi­tio­nen für die Verbesserung der Energie­effi­zienz auslösen als auch besonders an­spruchsvolle, innovative Lösungen anstoßen. Ein Haus energetisch top zu konzipieren macht es erstmal teurer; aber das zahlt sich durch die geringeren Energie­ve­rbräuche aus.


Sie klingen so, als sprächen sie aus persönlicher Erfahrung.


Christof Stein: Ich selbst habe 1998 gebaut und die Erfahrung gemacht, dass das Ziel eines optimalen Energieniveaus mit Archi­tektur allein nicht erreichbar ist. Ich bin sehr gut gefahren damit, dass ich in die damals modernste und effizienteste Heizungsanlage investiert habe. Meinem Vater habe ich übrigens auch geholfen, seine Ölheizung aus den 70er Jahren gegen eine moderne Holz­pel­let­heizung auszutauschen; er sagt heute, er fühle sich von der Kosten­ersparnis wie auch ökologisch richtig gut damit.



Die Wahl der Heiztechnik, namentlich der Holzpelletheizung bringt derzeit bei der Berechnung eines „KfW 40-Hauses“ über einen entsprechenden Bonusfaktor besonders viele Pluspunkte. Ist das Folge von Lobbyarbeit oder geht es um die bessere CO²-Bilanz?


Christof Stein: Die nachhaltige Verrin­ge­rung der CO²-Emissionen ist eines der vorrangigsten strategischen Förderziele, mit denen uns die Politik beauftragt. Dem­ent­sprechend gestalten wir unsere Förder­schwer­punkte.


Springen wir zu kurz?


Dagmar Fritz-Kramer: Die größten Po­tenzen zur CO²-Vermeidung sehe ich zumindest beim Neubau weniger in neuer Technik als vielmehr in der Ablösung energetisch überholter Baustoffe. Wenn die CO²-Vermeidung unser wichtigstes Kriterium ist, sollten alle aus dem heimischen Natur­baustoff Holz errichteten Wohnhäuser ab sofort besonders bevorzugt gefördert werden. Eine bessere Öko- und CO²-Bilanz er­reicht kein anderer Baustoff. Das ist keine Lobbyarbeit, sondern Tatsache. Massivholz ist nicht nur CO²-neutral: Ein damit errichtetes Klima­schutz-Haus speichert je nach Grö­ße zwischen 35 und 50 Tonnen Kohlendioxid, verbessert also die CO²-Gesamtbilanz ganz erheblich. Ich bin der Überzeugung, dass in Zukunft nur ganzheitliche Ansätze wirklich noch zu echten Effekten führen. Vor lauter Freude über immer dickere und dichtere Dämmung der Wohnhäuser übersehen viele, dass wir uns krumm und krank dämmen, wenn wir alle anderen Klima-Faktoren ignorieren.


GANZHEITLICH ANSETZEN


Übertreiben Sie jetzt ein wenig?


Dagmar Fritz-Kramer: Keineswegs. Sieht man sich die perfekt abgedichteten Wohn­­häu­ser mit kontrollierter Lüftung und Wärme­rück­gewinnung, wie sie zur radikalen Sen­kung des Energiebedarfs empfohlen werden, genauer an, dann wirbelt die Lüf­tungsanlage sehr effizient auch sämtliche austretenden Emis­sionen durch alle Räume.


Wenn man bedenkt, dass nur fünf Prozent aller Bau­stof­fe als wirklich schadstoffarm gelten und dass die gesetzliche Festlegung der Mindestmengen von Emissionsstoffen so abgedichtete Räume wie heute gar nicht kannte, dann muss man nicht erst einen Allergiker in der Familie haben, um den Zusammenhang zwischen minimaler Energie und minimierter Emission herzustellen. Plus nachhaltiger CO²-Redu­zierung. Ich denke, dass diese drei Faktoren zusammen und ihre Wechselwirkungen der Schlüs­sel für die nächste Runde sein werden.



Da die KfW mit ihren Förder­pro­grammen völlig richtig immer die nächst­höhere Stufe anstösst, würde es mich freuen, wenn solche Ansätze in den nächsten Förderungen berücksichtigt wären. Unsere Nachbarn machen das zum Teil besser: Die Schweiz mit ihrem „Minergie-Eco“-Pro­gramm fördert ganz bewusst die Einheit von Energie­effizienz und Ökologie, von Lebens­komfort und Gesundheit. Die Österreicher gehen mit ihrem „Klima:aktiv-haus“-Förder­programm in dieselbe Richtung. Auch die Italiener mit „Klimahaus Plus“-Pro­gramm.


Wie sicher ist es denn, dass die im Rahmen der KfW-Energieprogramme geförderten Objekte auch in der Qualität und Aus­stat­tung durchgeführt werden, für die die Mittel bewilligt wurden. Kontrolliert das jemand?


Christof Stein: Bei Neubauten im Förder­programm „Ökologisch Bauen“ und bei Sanierung auf ein energetisches Niveau im CO²-Ge­bäudesanierungsprogramm ist so­wohl bei der Antragstellung als auch nach der Fer­tigstellung der Maßnahme eine Bestä­ti­gung vorzulegen, mit der die Einhaltung der technischen Anforderungen durch einen Sach­verständi­gen zu belegen ist. Die KfW führt stichprobenweise auch eigene „Vor-Ort-Kontrollen“ von geförderten Ob­jekten durch KfW-Sachverständige durch, um die geforderten Qualitätskrite­rien zu sichern. Auf die Möglichkeit solcher Vor-Ort-Kon­trollen wird in den derzeitigen Pro­gramm­bestimmungen ausdrücklich hingewiesen.

Die Prüfung der programmgemäßen Mittel­verwendung erfolgt ansonsten durch die Hausbanken, die wiederum aber auch stichprobenmäßig durch die KfW überprüft werden.


Für die Förderung von KfW-Energiespar­häusern 40 oder 60 ist die Einhaltung der ge­forderten energetischen Qualität Vor­aus­setzung. Hierzu erhalten wir vom Bauherrn und seinem Sachverständigen in jedem Fall eine Bestätigung mit den konkreten energetischen Werten des Gebäudes. Diese Be­stätigung haben wir auch deshalb eingeführt, damit der Sachverständige den Bau begleitet und in der Lage ist, die für die Erreichung des energetischen Niveaus erforderlichen Parameter beurteilen zu können. Sollte ein Bauherr das Gebäude nicht so er­richten, wie er es für die Fördermittel beantragt und im Kreditvertrag mit uns vereinbart hat, macht er sich des Subventions­betrugs schuldig. Dann wird eine Rück­for­derung eingeleitet und das Fördergeld zu­rück­­verlangt. Das betrifft aber nur wenige Einzelfälle; intensive Kommunikation der Förderbedingungen, die Einschaltung von Sachverständigen, funktionierende Kontrol-len und rechtzeitige Beanstandungen zeigen Wirkung.



NUR MIT FACHBETRIEBEN


Fördern Sie auch Eigenleistungen von Bau­herren?


Christof Stein: Es werden nur Arbeiten an­er­kannt, die Profis, also Handwerksbetriebe ausführen. Für Eigenleistung gibt es keine Förderkredite. So wird Pfusch verhindert, Qua­­lität gesichert und der handwerkliche Mit­telstand gefördert.

Natürlich kann auch durch schlechte Bau­aus­führung eines Handwerks­betriebs zu Problemen führen. Deshalb bieten wir als För­derbank den Baubegleitungs­zuschuss für die Her­bei­ziehung eines externen Sachver­ständigen an, der dem Bau­herren und uns als Förderbank das vereinbarte Energie-Niveau garantiert.


MITTEL ERHEBLICH AUFGESTOCKT


Müssen wir uns angesichts der Finanzkrise Sorgen machen, dass die Fördermöglich­kei­ten der KfW gekürzt oder gekappt werden?


Christof Stein: Ganz im Gegenteil. Gerade jetzt zeigt sich der Vorteil der Förderkredite, bei denen die KfW den Hausbanken die Refinanzierung zur Verfügung stellt. Von besonderer Bedeutung sind in der aktuellen Situation die direkten konjunkturellen Wirkungen der energetischen Gebäu­de­sanierung. Wir sind daher froh. dass die Bun­de­­s­­re­gie­rung im Rahmen des Maß­nah­me­paketes „Be­schäf­ti­gungs­siche­rung durch Wachs­tums­stärkung“ die Haushaltsmittel für diesen Bereich bis 2011 so deutlich aufgestockt hat.


Was muss ich als Hausbesitzer oder Bauherr tun, um an die KfW- Fördertöpfe zu kommen?


Christof Stein: Die Förderung im Rahmen der Zuschussvariante des CO2-Gebäudesa­nierungsprogramms wird direkt bei der KfW beantragt. Ebenso wie der Antrag auf Zuschuss muss auch der Kreditantrag immer vor Beginn des Vorhabens gestellt wer­den, denn Umschuldungen und Nach­fi­nan­zie­rungen sind nicht möglich. Die Bank fi­nanziert die Vorhaben „aus einer Hand".


Ein KfW-Kredit kann aber den Finanzierungs­be­darf in manchen Fällen nur teilweise abdecken. Die Bank ergänzt die Finanzierung dann mit einem Hausbankdarlehen. Die Entscheidung über die Kreditvergabe trifft die Hausbank, die uns gegenüber auch die volle Haftung für den KfW-Kredit übernimmt. Fällt die Prüfung positiv aus, befürwortet die Hausbank den Kredit auf dem Antragsformular und reicht es bei der KfW ein.


Wir prü­fen nur noch, ob alle Fördervoraus­set­zungen erfüllt sind. Der Kreditvertrag wird mit der Hausbank geschlossen. Die zahlt den KfW-Kredit aus und leitet auch die Rückzahlungen an uns weiter.


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