Baufinanzierung 2012 - Was Sie zum Hauskauf wissen müssen
Tipps zur Baufinanzierung sowie wichtige Änderungen ab 2012 vom Finanzexperten Frank Wilke.

Frau Fritz-Kramer, Sie verstehen es bitte nicht als unhöflich, wenn wir zuerst Christof Stein als KfW-Banker gratulieren. Es passiert nicht alle Tage, dass ein Bankprodukt wie „KfW 40“ eine Marke wird, mit der eine ganze Branche ihre energetische Qualität definiert.
Dagmar Fritz-Kramer: Bei allen Wünschen und kritischen Anmerkungen, die ich zu den gegenwärtigen Schwerpunkten und dem Ansatz der Energiesparförderung habe – was die Kreditanstalt für Wiederaufbau in den letzten Jahren mit dieser Förderung angeschoben hat, ist aller Ehren wert.
Christof Stein: Wir freuen uns natürlich, dass sich über unsere Förderinstrumente die Marke „KfW-Energiesparhaus“ als Maßstab für energieeffiziente Wohngebäude etabliert hat. Bauherren und Käufer erhalten so eine verlässliche Aussage über die energetische Qualität des Gebäudes.
Welche Energiesparmaßnahmen für Wohnbauten fördert denn die KfW?
Christof Stein: Im Rahmen der energetischen Sanierung werden alle Maßnahmen gefördert, die unmittelbar zur Verbesserung der Energieeffizienz erforderlich sind. Bezuschusst werden Kosten für das Material ebenso wie für notwendige Nebenarbeiten, beispielsweise für die Entsorgung und das Neuverputzen nach vorgenommer Dämmung der Außenwände. Da viele Maßnahmen die zusätzliche Einbeziehung von Sachverständigen erfordern, wird auch deren Arbeit bei Ein- und Zweifamilienhäusern bezuschusst.
EIN BANKPRODUKT ALS GÜTEMARKE
Wir fördern entsprechende Maßnahmen im Neubau ebenso wie im Bestand, obwohl dort der Effekt für die Senkung sowohl des Heizenergieverbrauchs als auch der CO2-Emissionen erheblich größer ist.
Die drei aktuellen großen Förderpakete sind derzeit:
Der zu erreichende Standard für Ein- und Zweifamilienhäuser wird durch die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) definiert. Besser gebaute oder sanierte Häuser erhalten dann die Förderung. Wer ein bestehendes Haus saniert und das energetische Niveau eines Neubaus um 30 Prozent unterschreitet, erhält zum Beispiel neben einem attraktiven Förderdarlehen einen Tilgungszuschuss von bis zu 6.250 Euro pro Wohneinheit.
Wie wirksam sind die KfW-Förderprogramme? Welches Angebot wird am häufigsten in Anspruch genommen?
Christof Stein: Das größte Nachfrage-Volumen mit mehr als 80.000 Zusagen und einem Volumen von annähernd 4 Milliarden Euro entfiel 2008 auf die Programme zur energetischen Sanierung. Im Programm „Ökologisch Bauen“, zu dem die KfW 40- und KfW 60-Häuser gehören, waren es ca. 30.000 Darlehenszusagen über 2,5 Milliarden Euro.
Dagmar Fritz-Kramer: Glauben Sie mir, dass ich mich zu gerne ganz toll mit Ihnen darüber freuen würde?
Was hindert Sie daran?
Dagmar Fritz-Kramer: Das Wissen darum, wie sehr wir erst am Anfang dieses Weges stehen. Wir haben zu lange gebraucht, um überhaupt die Brisanz unserer energetischen und ökologischen Probleme mit der alten Art, Häuser zu bauen und zu bewohnen, zu erkennen. Mit dem Klimawandel vor der Tür wird uns nun die Zeit knapp für die Suche nach innovativen, wirklich bahnbrechenden Lösungen beim ökologischen Bauen. Entschieden bessere Dämmung und radikale Senkung des Energieverbrauchs sind in Ordnung, aber doch nur ein erster Schritt. Wenn wir nur den Energieverbrauch während der Nutzung eines Wohngebäudes in den Focus rücken, wird der ökologische Rucksack der CO2- und Energieverbräuche für die Herstellung des Gebäudes gar nicht mit einbezogen. Das kann nicht richtig sein.
Wer bestimmt eigentlich die Zielsetzungen und die Kriterien für die Förderprogramme der KfW?
Christof Stein: Grundlage für die technischen Mindestanforderungen unserer Programme ist die Energieeinsparverordnung (EnEV). Verordnungsgeber der EnEV ist der Bund. Gemäß dem Grundsatz: „Gefördert werden kann nur, was nicht ohnehin gesetzlich gefordert ist!“ haben wir Anforderungen an die Energieeffizienz der geförderten Gebäude definiert, die über die gesetzliche Mindestanforderung hinaus gehen.
Maßgeblich sind nach jetzigem Stand der Primärenergiebedarf des Gebäudes sowie der spezifische Transmissionswärmeverlust. Klare Regel: Je besser der energetische Standard des Gebäudes nach der Maßnahme, desto höher ist die Förderung.
Die Festlegung der konkreten KfW-Förderstrategie erfolgt in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), das auch die Haushaltsmittel für die Zinsverbilligung in den Bundesprogrammen zur Verfügung stellt.
2009: DAS KFW-„EFFIZIENZHAUS“
Für 2009 ist die neue Fassung der EnergieEinsparverordnung angekündigt. Was bringt die denn – auch mit Blick auf die künftige Förderung durch die KfW?
Christof Stein: Die politische Zielsetzung, die mit der EnEV 2009 verbunden wird, ist eindeutig: Im Durchschnitt kommt es zu einer 30-prozentigen Verschärfung des bisher geltenden Effizienzniveaus. Das ist nach Meinung der Experten mit konstruktiven Maßnahmen, verbesserter Bauphysik und moderner Heiztechnik in Verbindung mit erneuerbaren Energien zu leisten.
Um mehr Transparenz und Praxisnähe zu erreichen, ist vorgesehen, dass die neuen Standards der EnEV nach einheitlichen Kriterien sowohl für die Komplettsanierung als auch für den Neubau definiert werden.
Daher werden wir 2009 unsere Förderstandards als „KfW-Effizienzhaus“ für Neubau und Sanierung festlegen. Damit wollen wir an die Erfolge der Marken „KfW-Energiesparhaus 40“ und „KfW-Energiesparhaus 60“ anknüpfen und deren positive Effekte auch für die Sanierung nutzen.
Die KfW-Förderprogramme dürften nach heutigen Maßstäben dann wohl „KfW 30“- oder „KfW 25“-Niveau einfordern?
Christof Stein: Das ist noch nicht endgültig entschieden. Unser wichtiges Anliegen bleibt, dass wir mit unserer Förderung sowohl in möglichst großer Zahl Investitionen für die Verbesserung der Energieeffizienz auslösen als auch besonders anspruchsvolle, innovative Lösungen anstoßen. Ein Haus energetisch top zu konzipieren macht es erstmal teurer; aber das zahlt sich durch die geringeren Energieverbräuche aus.
Sie klingen so, als sprächen sie aus persönlicher Erfahrung.
Christof Stein: Ich selbst habe 1998 gebaut und die Erfahrung gemacht, dass das Ziel eines optimalen Energieniveaus mit Architektur allein nicht erreichbar ist. Ich bin sehr gut gefahren damit, dass ich in die damals modernste und effizienteste Heizungsanlage investiert habe. Meinem Vater habe ich übrigens auch geholfen, seine Ölheizung aus den 70er Jahren gegen eine moderne Holzpelletheizung auszutauschen; er sagt heute, er fühle sich von der Kostenersparnis wie auch ökologisch richtig gut damit.
Die Wahl der Heiztechnik, namentlich der Holzpelletheizung bringt derzeit bei der Berechnung eines „KfW 40-Hauses“ über einen entsprechenden Bonusfaktor besonders viele Pluspunkte. Ist das Folge von Lobbyarbeit oder geht es um die bessere CO²-Bilanz?
Christof Stein: Die nachhaltige Verringerung der CO²-Emissionen ist eines der vorrangigsten strategischen Förderziele, mit denen uns die Politik beauftragt. Dementsprechend gestalten wir unsere Förderschwerpunkte.
Springen wir zu kurz?
Dagmar Fritz-Kramer: Die größten Potenzen zur CO²-Vermeidung sehe ich zumindest beim Neubau weniger in neuer Technik als vielmehr in der Ablösung energetisch überholter Baustoffe. Wenn die CO²-Vermeidung unser wichtigstes Kriterium ist, sollten alle aus dem heimischen Naturbaustoff Holz errichteten Wohnhäuser ab sofort besonders bevorzugt gefördert werden. Eine bessere Öko- und CO²-Bilanz erreicht kein anderer Baustoff. Das ist keine Lobbyarbeit, sondern Tatsache. Massivholz ist nicht nur CO²-neutral: Ein damit errichtetes Klimaschutz-Haus speichert je nach Größe zwischen 35 und 50 Tonnen Kohlendioxid, verbessert also die CO²-Gesamtbilanz ganz erheblich. Ich bin der Überzeugung, dass in Zukunft nur ganzheitliche Ansätze wirklich noch zu echten Effekten führen. Vor lauter Freude über immer dickere und dichtere Dämmung der Wohnhäuser übersehen viele, dass wir uns krumm und krank dämmen, wenn wir alle anderen Klima-Faktoren ignorieren.
GANZHEITLICH ANSETZEN
Übertreiben Sie jetzt ein wenig?
Dagmar Fritz-Kramer: Keineswegs. Sieht man sich die perfekt abgedichteten Wohnhäuser mit kontrollierter Lüftung und Wärmerückgewinnung, wie sie zur radikalen Senkung des Energiebedarfs empfohlen werden, genauer an, dann wirbelt die Lüftungsanlage sehr effizient auch sämtliche austretenden Emissionen durch alle Räume.
Wenn man bedenkt, dass nur fünf Prozent aller Baustoffe als wirklich schadstoffarm gelten und dass die gesetzliche Festlegung der Mindestmengen von Emissionsstoffen so abgedichtete Räume wie heute gar nicht kannte, dann muss man nicht erst einen Allergiker in der Familie haben, um den Zusammenhang zwischen minimaler Energie und minimierter Emission herzustellen. Plus nachhaltiger CO²-Reduzierung. Ich denke, dass diese drei Faktoren zusammen und ihre Wechselwirkungen der Schlüssel für die nächste Runde sein werden.
Da die KfW mit ihren Förderprogrammen völlig richtig immer die nächsthöhere Stufe anstösst, würde es mich freuen, wenn solche Ansätze in den nächsten Förderungen berücksichtigt wären. Unsere Nachbarn machen das zum Teil besser: Die Schweiz mit ihrem „Minergie-Eco“-Programm fördert ganz bewusst die Einheit von Energieeffizienz und Ökologie, von Lebenskomfort und Gesundheit. Die Österreicher gehen mit ihrem „Klima:aktiv-haus“-Förderprogramm in dieselbe Richtung. Auch die Italiener mit „Klimahaus Plus“-Programm.
Wie sicher ist es denn, dass die im Rahmen der KfW-Energieprogramme geförderten Objekte auch in der Qualität und Ausstattung durchgeführt werden, für die die Mittel bewilligt wurden. Kontrolliert das jemand?
Christof Stein: Bei Neubauten im Förderprogramm „Ökologisch Bauen“ und bei Sanierung auf ein energetisches Niveau im CO²-Gebäudesanierungsprogramm ist sowohl bei der Antragstellung als auch nach der Fertigstellung der Maßnahme eine Bestätigung vorzulegen, mit der die Einhaltung der technischen Anforderungen durch einen Sachverständigen zu belegen ist. Die KfW führt stichprobenweise auch eigene „Vor-Ort-Kontrollen“ von geförderten Objekten durch KfW-Sachverständige durch, um die geforderten Qualitätskriterien zu sichern. Auf die Möglichkeit solcher Vor-Ort-Kontrollen wird in den derzeitigen Programmbestimmungen ausdrücklich hingewiesen.
Die Prüfung der programmgemäßen Mittelverwendung erfolgt ansonsten durch die Hausbanken, die wiederum aber auch stichprobenmäßig durch die KfW überprüft werden.
Für die Förderung von KfW-Energiesparhäusern 40 oder 60 ist die Einhaltung der geforderten energetischen Qualität Voraussetzung. Hierzu erhalten wir vom Bauherrn und seinem Sachverständigen in jedem Fall eine Bestätigung mit den konkreten energetischen Werten des Gebäudes. Diese Bestätigung haben wir auch deshalb eingeführt, damit der Sachverständige den Bau begleitet und in der Lage ist, die für die Erreichung des energetischen Niveaus erforderlichen Parameter beurteilen zu können. Sollte ein Bauherr das Gebäude nicht so errichten, wie er es für die Fördermittel beantragt und im Kreditvertrag mit uns vereinbart hat, macht er sich des Subventionsbetrugs schuldig. Dann wird eine Rückforderung eingeleitet und das Fördergeld zurückverlangt. Das betrifft aber nur wenige Einzelfälle; intensive Kommunikation der Förderbedingungen, die Einschaltung von Sachverständigen, funktionierende Kontrol-len und rechtzeitige Beanstandungen zeigen Wirkung.
NUR MIT FACHBETRIEBEN
Fördern Sie auch Eigenleistungen von Bauherren?
Christof Stein: Es werden nur Arbeiten anerkannt, die Profis, also Handwerksbetriebe ausführen. Für Eigenleistung gibt es keine Förderkredite. So wird Pfusch verhindert, Qualität gesichert und der handwerkliche Mittelstand gefördert.
Natürlich kann auch durch schlechte Bauausführung eines Handwerksbetriebs zu Problemen führen. Deshalb bieten wir als Förderbank den Baubegleitungszuschuss für die Herbeiziehung eines externen Sachverständigen an, der dem Bauherren und uns als Förderbank das vereinbarte Energie-Niveau garantiert.
MITTEL ERHEBLICH AUFGESTOCKT
Müssen wir uns angesichts der Finanzkrise Sorgen machen, dass die Fördermöglichkeiten der KfW gekürzt oder gekappt werden?
Christof Stein: Ganz im Gegenteil. Gerade jetzt zeigt sich der Vorteil der Förderkredite, bei denen die KfW den Hausbanken die Refinanzierung zur Verfügung stellt. Von besonderer Bedeutung sind in der aktuellen Situation die direkten konjunkturellen Wirkungen der energetischen Gebäudesanierung. Wir sind daher froh. dass die Bundesregierung im Rahmen des Maßnahmepaketes „Beschäftigungssicherung durch Wachstumsstärkung“ die Haushaltsmittel für diesen Bereich bis 2011 so deutlich aufgestockt hat.
Was muss ich als Hausbesitzer oder Bauherr tun, um an die KfW- Fördertöpfe zu kommen?
Christof Stein: Die Förderung im Rahmen der Zuschussvariante des CO2-Gebäudesanierungsprogramms wird direkt bei der KfW beantragt. Ebenso wie der Antrag auf Zuschuss muss auch der Kreditantrag immer vor Beginn des Vorhabens gestellt werden, denn Umschuldungen und Nachfinanzierungen sind nicht möglich. Die Bank finanziert die Vorhaben „aus einer Hand".
Ein KfW-Kredit kann aber den Finanzierungsbedarf in manchen Fällen nur teilweise abdecken. Die Bank ergänzt die Finanzierung dann mit einem Hausbankdarlehen. Die Entscheidung über die Kreditvergabe trifft die Hausbank, die uns gegenüber auch die volle Haftung für den KfW-Kredit übernimmt. Fällt die Prüfung positiv aus, befürwortet die Hausbank den Kredit auf dem Antragsformular und reicht es bei der KfW ein.
Wir prüfen nur noch, ob alle Fördervoraussetzungen erfüllt sind. Der Kreditvertrag wird mit der Hausbank geschlossen. Die zahlt den KfW-Kredit aus und leitet auch die Rückzahlungen an uns weiter.