Fremdwährungsdarlehen 2010 nicht interessant

In den letzten Jahren waren sie oft die Wahl der "Cleveren": Baufinanzierungen in Fremdwährung, vor allem in Schweizer Franken und Japanischen Yen. Aktuell sind sie nicht zu empfehlen. Denn die Rahmendaten haben sich grundlegend geändert.

Diese Produkte ziehen einen Vorteil aus dem Zinsunterschied zwischen Deutschland und dem jeweiligen anderen Land. So hatte die Schweiz jahrelang um circa 2 %-Punkte niedrigere Baufinanzierungszinsen, als hier gezahlt werden mussten. Das zweite Kriterium: Die Fremdwährung muss entweder stabil bleiben, oder gegenüber dem Euro sogar nachgeben. Dann hätte der Baufinanzierungskunde bei Fälligkeit des Darlehens noch den Währungsvorteil, in Euro weniger zurückzahlen zu müssen, als er aufgenommen hat.


Gute Voraussetzungen für Fremdwährungsdarlehen sind nicht mehr gegeben

Diese Voraussetzungen, die für ein Fremdwährungsdarlehen sprechen, sind 2010 nicht mehr gegeben:

  • Ein aktuelles Angebot Fremdwährungsdarlehen in Schweizer Franken lautet Mitte März: 2,1 % effektiv für 1 Jahr fest, für einen Finanzierungsbedarf von 250.000 Euro. Zinssatz in Deutschland: 2,82 % p.a. effektiv, bei 5 Jahren Zinsbindung. Das Zinsgefälle zwischen der Schweiz und Deutschland ist also nur gering. Als Folge der weltweiten Finanzkrise haben fast alle Staaten derzeit ein sehr niedriges Zinsniveau. In Japan steigen die Leitzinsen zwar - langsam - wieder, um die Wirtschaft anzukurbeln. Da sie aber quasi vom "Null-Zins-Niveau" kommen, lieg kein nennenswerter Zinsvorsprung vor.
  • Die Entwicklung des Euros gegenüber den Fremdwährungen ist negativ. Seit 2007 hat der Schweizer Franken gegenüber dem Euro um 16 % zugelegt, der Japanische Yen sogar um 35 %. Die Anzeichen dafür, dass die Eurokrise noch nicht ausgestanden ist, sind vorhanden. Spanien wird als ähnlicher Wackelkandidat wie Griechenland genannt, auch die Griechenland-Krise selbst ist nicht beendet. Daher ist das Währungsrisiko weiterhin beträchtlich.


Mit solchen Risiken könnte nicht nur die gesamte Baufinanzierung "platzen", es könnte am Ende sogar das Risiko, dass Sie den gesamt fälligen Betrag nicht zurückzahlen könnten, bestehen. Ähnlich wie bei einer Baufinanzierung mit Tilgungsaussetzung gegen Fonds / fondsgebunden Lebensversicherung könnte es zu einer - mehr oder weniger großen - Lücke kommen.


Nicht umsonst erwägt unser Nachbarland Österreich, solche Fremdwährungskredite für Privatpersonen ganz zu verbieten (Quellen: Financial Times Deutschland, und Der Standard Österreich, beide März 2010). Die dort ausgereichten Fremdwährungsdarlehen hatten zwischenzeitlich einen Marktanteil von gut einem Drittel erreicht.


Fazit: Derzeit spricht nichts für Fremdwährungsdarlehen

Vor allem risikobewusste Baufinanzierer nutzen besser das einheimische, niedrige Zinsniveau, und schlagen bei guten Zinsangeboten mit möglichst langer Zinsbindung zu. Dabei sollten Sie aber auf jeden Fall möglichst viele, möglichst variable und kostenfreie Optionen auf Sonderzahlungen einbauen lassen. Denn eventuell später Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen muss ja nicht sein ....


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