Fair, offen, ehrlich - die EthikBank

Wir sprachen mit Sylke Schröder, Vorstandsmitglied der EthikBank.

Gerade bei Finanzprodukten setzt sich der ökologische und nachhaltige Ansatz immer mehr durch. Trend oder Philosophie? Bei der EthikBank ist es Grundlage der Geschäftspolitik.

Dass es Banken gibt, die das Geld ihrer Kunden nach sozialökologischen Kriterien verwenden, spricht sich so richtig erst seit Ausbrechen der Finanzmarktkrise herum. Seitdem werden immer mehr Menschen auf die EthikBank und ihre Angebote aufmerksam: eine ethisch-ökologische Direktbank. Sie bedient Kunden in ganz Deutschland und in Österreich. Dabei legt die Bank bis ins Detail offen, wie und wo sie das Geld ihrer Kunden verwendet. Basis sind ihre strengen Anlagekriterien. Wir sprachen mit Sylke Schröder, Vorstandsmitglied der EthikBank.


Frau Schröder, die EthikBank behauptet von sich, eine "gläserne" Bank zu sein.Was ist so transparent an dem Geschäftsmodell?


Sylke Schröder: Im Unterschied zu konventionellen Banken veröffentlichen wir bis ins Detail, wie und wo wir das Geld unserer Kunden investieren. Grundsätzlich hat eine Bank zwei Möglichkeiten: Sie kann Kredite vergeben und sie kann am Kapitalmarkt Wertpapiere kaufen. An dieser Stelle kommen unsere Anlagekriterien ins Spiel. Wir gehen aber noch einen Schritt weiter und veröffentlichen unsere Geschäfte im Internet. Das ist die höchstmögliche Transparenz, die eine Bank leisten kann.


Was steht hinter Ihren Anlagekriterien?


Sylke Schröder: Alle Kredite haben einen strengen ökologischen Verwendungszweck. Bei den Wertpapieren prüfen wir unsere Tabu- und Positivkriterien. Tabu sind für uns Militärwaffenproduktion, Atomkraft, grüne Gentechnik und Kinderarbeit. Darüber hinaus investieren wir nicht in Unternehmen, die das Ozon zerstörende Chemikalien herstellen. Unternehmen, die dann noch übrig bleiben, untersuchen wir nach neun Positivkriterien, zum Beispiel Umweltpolitik, Weiterbildung oder Korruptionsvorsorge.


Können Sie Beispiele nennen?


Sylke Schröder: Auf der Negativliste stehen unter anderem BASF und Bayer, die beide unser Tabukriterium "grüne Gentechnik" verletzen. Bei den Energieversorgern Eon und RWE haben wir wegen der Atomkraft ein Problem; bei RWE kommen zudem Militärwaffen ins Spiel. (Stand: Oktober 2009)


Was ist außerdem für das EthikBank-Prinzip charakteristisch?


Sylke Schröder: Unsere Förderprojekte. Die EthikBank unterstützt eine Mädchenschule in Afghanistan (Frauenprojekt), ein bulgarisches Kinderheim (Ethikprojekt) und den Schutz des Baikalsees (Umweltprojekt). Unsere Kunden können sich ebenfalls engagieren, indem sie sich bei ihrer Geldanlage für eine Fördervariante entscheiden. Damit verzichten sie auf einen Teil ihrer Zinsen und

können dafür den Projektfortschritt verfolgen. Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer testiert uns Jahr für Jahr die 100-prozentige Weitergabe aller Kundenspenden.



Finden sich Ihre ethischen und ökologischen Ansprüche auch in den Produkten?


Sylke Schröder: Unbedingt! Unsere Kredite folgen einem strengen ökologischen Verwendungszweck und sind mit einer Vertrauensgarantie ausgestattet. Auf der Einlagenseite investieren wir jeden Spargroschen entsprechend unseren Anlagekriterien. Die Transparenz, die wir uns dabei auf die Fahnen schreiben, setzt sich im Angebot fort. Wir haben einfache Produkte und klare Preise, die möglichst ohne Sternchen und Bedingungen auskommen.


Was heißt Vertrauensgarantie?


Sylke Schröder: Wir garantieren unseren Kunden im Kreditvertrag, dass wir vertragsgemäß bediente Kredite nicht an Spekulanten verkaufen.


Was für Kredite bieten Sie?


Sylke Schröder: Zum einen den ÖkoKredit – einen umweltgerechten Modernisierungskredit bis 40.000 Euro. Außerdem den Öko-Baukredit. Dieser finanziert ökologische Neubauten, zum Beispiel Passiv- oder Effizienzhäuser nach KfW-Standard. Der ÖkoBaukredit steht zudem konventionellen Immobilien offen, sofern diese ökologisch saniert werden.



Können Sie uns ein Beispiel nennen?


Sylke Schröder: Unser erster vergebener ÖkoBaukredit finanziert beispielsweise ein altes Schulhaus in Sachsen. Das haben ein Architekt und seine Frau nach ökologischen Grundsätzen saniert. Im Erdgeschoss befindet sich nun das Architekturbüro, im Obergeschoss wohnt die junge Familie.


Kann der ÖkoBaukredit auch mit einem KfW-Darlehen gekoppelt werden?


Sylke Schröder: Sofern die Förderbedingungen erfüllt sind, ja.


Finanzierungsbeispiel


Der ÖkoBaukredit ist in folgendem Beispiel gekoppelt mit einem KfW-Darlehen aus dem Programm "Energieeffizient Bauen" (154). Die Baukosten betragen 400.000 Euro. Dafür will der Bauherr 150.000 Euro Eigenkapital einbringen, sodass sich ein Finanzierungsbedarf von insgesamt 250.000 Euro ergibt. Der Beleihungswert beträgt somit 60 Prozent.


1. ÖkoBaukredit, Laufzeit 25 Jahre, Zinsbindung 10 Jahre, Finanzierungssumme 200.000

Effektivzins 4,40 Prozent, anfängliche Tilgung 2,25 Prozent

Monatliche Rate 1.084 Euro


2. KfW-Darlehen, Laufzeit 20 Jahre, Zinsbindung 10 Jahre, Finanzierungssumme 50.000 Euro

Effektivzins 4,16 Prozent, anfängliche Tilgung 4,08 Prozent

Monatliche Rate 341 Euro



Abgesehen von den KfW-Konditionen – wie beurteilen Sie Ihre Konditionen im Vergleich zu anderen Baufinanzierern?


Sylke Schröder: Der Preis für eine Baufinanzierung ist von verschiedenen Faktoren abhängig, zum Beispiel von der Zinsbindungsfrist und vom Beleihungswert. Die EthikBank bietet faire Konditionen an, die sich hinter den Kreditzinsen konventioneller Banken nicht verstecken müssen.


EthikBank – Zahlen + Fakten


  • Gründungsjahr: 2002
  • Anzahl Kunden: 8.500
  • Bilanzvolumen: 81 Millionen Euro
  • Geschäftsbereiche: Girokonten, Geldanlagen, Ökokredite

Kundenzentrum: Tel.: 03 66 91/86 23 45

E-Mail: kundenzentrum(at)ethikbank.de


Sie ist eine ethisch-ökologische Direktbank. Sie bedient Kunden in ganz Deutschland und in Österreich. Dabei legt die Bank bis ins Detail offen, wie und wo sie das Geld ihrer Kunden verwendet. Basis sind ihre strengen Anlagekriterien.


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