Veranstaltungstipps: Baden
Was, wann und wo in der Weinregion Baden Veranstaltungen stattfinden haben wir Ihnen hier in einer Übersicht...

Das Weingut Roßdeutscher ist ein alteingesessenes Familienunternehmen auf der Maininsel, die zwischen Nordheim und Sommerach von Boden und Mikroklima offensichtlich besonders begünstigte Weinlagen in die Sonne hält. Und Klaus Roßdeutscher ist einer der jungen Winzer, die seit einiger Zeit mit exzellenten Frankenweinen auf nationalen und internationalen Fachmessen kräftig den Staub von abgeschmackten Vorurteilen blasen – die neue Qualität und Kreativität überrascht auch ausgewiesene Kenner deutscher Weinlandschaften.
Wirkliches Weinverständnis, fasst Klaus Roßdeutscher seine mittlerweile fast 20-jährige Berufserfahrung zusammen, ist auf die Schnelle nicht zu haben. Es wächst auch dem Fleißigsten nur langsam. Geschmacksknospen reifen niemals in dem Tempo, das die Veranstalter von Weinseminaren ihren Kursanten versprechen. Der Winzer hat nicht vergessen, wie sein verehrter Kellermeister seine Jungspunde jeden Freitagnachmittag, nach Feierabend, versteht sich, vor den Fässern antreten ließ zum Weinangucken, Riechen- und Schmeckenlernen.
Essig von Riesling unterscheidet auch die gröbste Zunge; verschiedene Qualitäten und Jahrgänge derselben Rebe herauszuschmecken und dann noch die Lage in etwa richtig zu bestimmen, vermag man erst nach Jahren. Wenn überhaupt. Interessierte Wein-Laien, auch erfahrenere, nehmen dankbar Beschreibungen der Auskenner als Orientierung für den zu erwartenden Trinkgenuss: frisch, fruchtig, feinwürzig und so weiter. Was den Nachteil hat, dass sich die Geschmacksknospen wie von selbst auf dem vorgezeichneten Weg durch die Wildnis der Möglichkeiten vorantasten: Tatsächlich, da ist ja das Waldbeerenaroma
Elegante Dame mit Frühlingsgefühlen
Probierrunde mit Freunden an einem Samstagabend. Ein aufsehenenerregender Wein wie Roßdeutschers Fontanara zum Beispiel verdient jeden Versuch, diesen besonderen Charakter nicht mit Allerweinsworten gewöhnlichzureden, sind sich alle einig. Sein Name bedeutet „frische Quelle“. Die Vermählung der Müller-Thurgau-Würze mit der Rieslaner-Fruchtigkeit (mal als Ahnung von Ananas, dann wieder eher nach Apfel-Melone) funkelt als frühlingshelles Prinzesschen im Glas. Beim zweiten, dritten Nachschmecken kommt schon die Korrektur: Das ist eher eine edle Dame. Die nicht erst ihre Eleganz betonen muss; die hat sie von Hause aus. Zum Glück ist sie auch keine von den kühlen Schönen – diese hier versteht sich exzellent aufs Wecken ungestüm-zarter Frühlingsgefühle !
Nach anderthalb Jahrzehnten Versuchsanbau habe er die seltene Rebe ab 2000 in den Griff bekommen, sagt Klaus Roßdeutscher. Die Reduzierung von 14, 15 Trauben auf nur 8 pro Stock gebe seinem Fontanara diese Qualität des Besonderen.
Der „weltoffen Bodenständige“
Zweiter Versuch. Auge an Geschmack: Hier kommt eine frankenweintypische Boxbeutelflasche – 2007er Nordheimer Vögelein Silvaner Kabinett trocken. Da wir ausgemacht hatten, bei der Suche nach dem Weinerlebnis dieses Mal auf Vorahnungen, Vorgaben, Vorurteile („DER Frankenwein. Große Tradition, aber so richtig doll war er noch nie “) bewusst zu verzichten, werden die Geschmacksknospen neugierig. Und belohnt. Kein Gedanke an erdig-staubig-konservativ – so schmeckt die neue weltoffene Bodenständigkeit Frankens! Alle müssen lachen, als es einmal ausgesprochen ist: ganz schön heftig, unser Geschmacksaufbruch. Der neue Silvaner schmeckt aber tatsächlich nach Freiheit und guter frischer Luft; die Runde lässt er sofort eher an Sommer als an Frühling denken.
Wäre dieser Wein ein Mann, legen wir schließlich nach dem dritten Glas fest, würde es Jan-Josef Liefers sein. Ein besonderer, um nicht zu sagen einmaliger Charakter. Nicht zu jung, nicht alt – um zu wissen, was das Besondere vom Gewöhnlichen angenehm unterscheidet, genau richtig. Hinzu kommt: Liefers‘ schräg-wuseliger „Tatort“-Professor Börner bedient auf wunderbare Weise unser Klischee-Bild eines Mannes, dessen Weinkennerschaft über jeden Zweifel erhaben ist.
Exzellenzprüfung: Der edle Rote
Franken lässt sich so wenig auf Bayern reduzieren wie die hiesigen Weine auf die weißen. Klaus Roßdeutscher kredenzt seinen 2006 Nordheimer Vögelein Spätburgunder Spätlese trocken wohlbedacht als Höhepunkt dieser Weinverkostung. Diesmal sind die vorlauten Signale des Auges an das Geschmackszentrum besonders heftig: Was für ein funkelndes Rubinrot! Kein Jungspund. Oft werden solche Weine zu früh getrunken, bestätigt Klaus Roßdeutscher. 4 bis 6 Jahre sollte man einem gutem Spätburgunder Zeit geben zum Reifen.
Dann erst zeigt er sein wahres Temperament, seine glutrote Leidenschaft. Unsere Sprachschablonen für Weinbeschreibungen stoßen an ihre Grenzen: ein kundiger Liebhaber und Verführer, unbedingt. Erfreulich auf Harmonie aus, auf einen schönen Gleichklang von Gefühl und Verstand. Ein Freund aus Bordeaux kam, sah, probierte – und war voll respektvollen Lobes. (Halbprofessioneller Einspruch: Roßdeutschers Spätburgunder ist lebendiger als Bordeaux.)
Das Problem der Weinverkostung ähnelt der Suche nach dem vollkommenen Duft: Gerade unsere feinen Sinne sind am schnellsten überfordert.