Im 7. Himmel der Küchenkünste

Moderne Küche. Gestaltet vom KÜCHENKREIS

Wenn Anwara und Andreas Kleine kenianische Köstlichkeiten zubereiten, dann erfüllen herrliche Gerüche ihren liebsten Raum im Haus: die Küche. Den Ort ihrer gemeinsamen Leidenschaft haben sie sich jetzt von einem Profi umgestalten lassen. Einladung zu einer kulinarischen Entdeckungsreise in ihr neues Reich

Für Anwara Kleine ist Kochen nicht Pflicht, sondern Freude. „Bei uns in Ke­nia wird jedes Essen mit Liebe zubereitet. Es ist ein Stück Lebens­kultur“, erzählt die 35-Jährige, während im Topf gerade Maniok mit Lammfleisch nach einem Rezept ihrer Mut­ter duftend vor sich hinköchelt. Sie lebt schon seit 18 Jahren hier, hat sich an graue November und unfröhliche Gesichter ge­wöhnt. Aber was sie nie begreifen wird: Wie man Tütensuppen frischem Gemüse vor­zie­hen kann.


In ihrem Mann Andreas (40) hat Anwara einen Seelen­verwandten getroffen. Den Messeorganisator mit eigener Firma lernte sie auf einer Produktschau kennen und beim Kochen in seiner Jung­ge­sellenküche lieben. Er verwöhnte sie mit ungarischem Gulasch und italienischer Pasta, seinen Spezialitäten. Sie revanchierte sich und führte ihn in die Geheimnisse der kenianischen Koch­kunst ein.


Das ganze Procedere in einem schlauchartigen Raum von knapp elf Quadratmetern, die kleine Abstellkammer mitgerechnet. „Ich bin mit meiner Muschel­küche zurechtgekommen“, sagt Andreas Kleine und seine Frau entgegnet: „Ich hatte keine Arbeits­flä­che und keinen Stauraum.“ Bei diesem kurzen Wortgefecht wird klar: Leidenschaft fürs Kochen hin, Liebe her – die neue Küche der beiden ist das Resultat hartnäckiger Aus­ein­andersetzung um Nötiges und um Entbehr­li­ches, um Schönes und um Kosten.


Bertram Dörr kennt sich mit diesen typisch männlichen und weiblichen „Gefechten“ aus. Für ihn ist der „Kunde das Maß aller Dinge“. Als Mitglied des Kü­chen­verbundes DER KREIS fühlt er sich dem Cre­do verpflichtet, nicht nur Küchenmöbel an den Mann zu bringen, sondern Bedürfnisse zu er­füllen. Wer zu ihm kommt, den fragt er erst mal aus. Wer welche Tätig­keiten in der Küche verrichtet. Wie oft. Welche Technik auf der Wunschliste steht. Welche Stilistik favorisiert wird.



Klar weiß der Profi Dörr, wie edle, zweckmäßige Küchen aussehen. Aber es soll ja nicht seine Küche werden, schließlich soll sich keiner fühlen, als sei er zu Be­such in seiner eigenen Küche. Eine Kleine-Küche muss aussehen wie eine Kleine-Welt. The­oretisch klar, nur praktisch nicht ganz. „Herr Kleine ließ neben seinem Wohnhaus gerade ein Gebäude für die Firma errichten. Er hatte keine Lust auf zwei Baustellen“, erinnert sich Bertram Dörr. „Frau Kleine dagegen woll­te die günstige Gelegenheit nutzen, um die Küche zu renovieren.“


Die klare Ansage des Hausherren: „Keine größeren Umbauten, keine neuen Fliesen, keine neuen Elektro­lei­tungen, den Raum akzeptieren, wie er ist, und das Beste daraus machen – und das möglichst preisgünstig.“ Anwara Kleine wünschte sich ihren Lieb­lingsraum nicht nur praktisch, mit ausreichend Platz für alle Tiegel, Töpfe und Pfannen, er sollte auch schön werden, was ganz billig nicht zu ha­ben ist.


Wer verbuchte den Punktsieg? „Eigentlich Anwara“, sagt Andreas Kleine schmunzelnd. „Nicht in jedem Fall“, berichtigt seine Frau. Doch von ihrem partnerschaftlichen Kom­promiss sind beide begeistert. Die neue Kü­che mit ihren hellen, vanillefarbenen, bis un­ter die Decke reichenden Lackmöbeln wirkt jetzt größer und bietet mit breiten Schüben unter dem Herd und den vielen Unter- und Ober­schränken genug Stauraum für alle Utensilien. Be­son­ders mö­gen sie den Apo­the­ker­schrank, in dem die Vorräte untergebracht sind. Vorher mussten die beiden immer in den Keller steigen, wenn sie etwas brauchten. Und die Arbeitsfläche reicht jetzt von einem Ende der Küche bis zum anderen, sodass sie sich wunderbar ausbreiten können.


Einziger Wermutstropfen: Für so viel Frei­heit musste der alte Sitzplatz weichen. Bertram Dörr hat hunderte Küchen ge­plant und weiß: „Der Mensch versammelt sich gern um den Herd. Doch bei den räumlichen Gegeben­­heiten war es schlichtweg unmö­g­lich, auch noch Tisch und Stüh­le unterzubringen.“ Wenn Andreas Kleine es heute recht über­legt, hätte er sich durchringen und die Wand zwischen Wohnzimmer und Küche entfernen sollen. Aber das hätte nicht nur Staubwolken in der Firma, sondern auch im eigenen Haus bedeutet. „Und irgendwo muss man auch einen Schlussstrich ziehen“, bekennt er pragmatisch. Jetzt steht eben immer die Tür offen, damit sie den Esstisch im Wohnzimmer im Blick haben.



Ansonsten sieht man überall den guten Ge­schmack und die ordnende Hand seiner Frau. Bei der Arbeitsfläche aus Granit zum Beispiel, von deren Robustheit mittlerweile auch ihr Mann überzeugt ist. Ebenso bei den Elektro­geräten: nicht die billigsten wie der extra-breite Herd, der mit Bedacht etwas niedriger als die Arbeitsplatte ge­setzt wurde und so gute Sicht in die Töpfe zulässt.


Mit seinem Entwurf ist Bertram Dörr trotz schwieriger Platzverhältnisse eine Kü­che ge­lungen, die der Kleineschen Koch­lei­den­schaft allen Raum bietet. Anwara und Andre­as be­weisen das mit einem mehrgängigen kenianischen Me­nü, bestehend aus Samosas, Maniok mit Lamm, Rinderhack­fleisch­bällchen mit geschälten Kicher­erbsen und Safran­reis. Als Nach­speise serviert die Hausherrin gebratene Bananen mit Kokosmilch.


Umso angenehmer findet es Anwara Klei­ne, dass hierzulande Kochen auch Männern Spaß macht. Ihr gefällt es, von ihrem Andreas mit Pasta verwöhnt zu werden. Auch Sohn Giancarlo (7) rührt gelegentlich in den Töpfen. Und der 2-jährige Lauritz hat seinen Stammplatz auf der Arbeitsfläche neben dem Herd, wo er hin und wieder vom Kochlöffel na­schen darf.


Zu den Lieblingsgerichten der vier Kleines gehören die Samosas, eine leckere Vor­speise. Dafür wird ein hauch­dünner Teig in Dreiecke geschnitten, mit Rinder­hack­fleisch gefüllt und in Öl gebacken. So re­kordverdächtig der Berg Teigtaschen auch war, es blieb noch nie auch nur ein Stück übrig.



Zu den typischen Zutaten in Kenia zählt Maniok, eine stärkehaltige Pflanze, die wie Kartoffeln zubereitet wird. An­wara richtet die zerkleinerten Knollen mit Rindfleisch an, wie von der Mutter ge­lernt. Während sie erzählt, rührt ihr Mann vorsichtig in der Soße aus Tomaten in Joghurt, in der die Rinderhackbällchen ga­ren, kontrolliert die Töpfe mit den gelben Kichererbsen und dem Safranreis. Der breite Herd demonstriert mal wieder seine Qualitäten. Für jeden Topf findet sich ein Plätzchen, der Überblick ist hervorragend, von Chaos keine Spur. Was warm gehalten werden muss, schiebt Andreas Kleine in den Ofen, der im Hoch­schrank an der Wand in bequemer Ar­beits­höhe plat­ziert ist. Noch so ein Stück Komfort, das die Kleines nicht mehr missen möchten.


Gut gelaunt, weil Kochen in der neuen Küche schließlich noch mehr Spaß macht als in der alten, tischen die beiden schließ­­­lich auf. Kenia-Cuisine. Meine Zun­ge vergibt auf der Stelle sieben „Mi­chelin“-Sterne!



Zum Ausprobieren: Maniok mit Lamm

Zutaten: 500 g Lammfleisch, 1 Knoblauchzehe, 1 Zwiebel, 2 große Maniok-Knollen, 2 bis 3 Tomaten, 500 g passierte Tomaten

1 Zwiebel, 1/2 TL Curry, 1 Prise Cayennepfeffer, Salz


ÖL Das Lammfleisch in Stücke schneiden und mit dem Knoblauch im Öl anbraten. Ge­hack­te Zwiebel andünsten, gewürfelte To­maten da­zugeben, schließlich passierte To­maten, Curry, Cayenne­pfeffer, Salz hinzufügen. Das Fleisch in die Sauce geben und mit Wasser bedeckt etwa 20 Minuten weich ko­chen.

Inzwischen Maniok halbieren, Mittel­teil ent­fernen, den Rest in kleine Stücke schneiden. Diese der Sauce mit dem Fleisch hinzufügen und noch­mals 15 bis 20 Minuten kochen.

Hin und wieder eine Garprobe machen – auch

bei den Ma­niok-Knollen gibt es fest- und weich­kochende Sorten.



Zum Ausprobieren: Anwaras Samosas

Zutaten für 4 Personen: für den Teig: 375 g Mehl, 2 TL Salz, 250 ml kaltes Wasser, 5 ml Zitronensaft

Für die Füllung: 500 g Rinderhackfleisch, 2 Zwiebeln, 1/2 TL Kurkuma, 1/2 Limette, 3 Knoblauchzehen, gepresst, 1 Handvoll Petersilie, 1 TL Ingwer, gehackt, 1 Chilischote, gehackt, 1/2 TL Kümmel und Pfeffer, 3 Nelken , Öl zum Frittieren


Für den Teig Mehl und Salz in einer Schüs­sel mit Wasser verrühren, bis ein zäher Teig entsteht. Zitronensaft zufügen, Teig erneut kneten. An­schlie­ßend in 12 gleichmäßige Teile schneiden, zu Bällchen formen, die bis auf einen Durchmesser von 10 Zentimeter ausgerollt werden. Die Oberflächen mit Öl bestreichen, die Teig­plättchen übereinanderstapeln, dann den Sta­pel in einer Pfanne ohne Öl auf niedriger Stufe 3 bis 4 Minuten erhitzen. Abkühlen lassen und in 7 Zen­timeter breite Streifen schneiden. Die Schichten wieder voneinander trennen und in ein feuchtes Tuch einwickeln. Zur Seite legen. Wer es eilig hat, kann auch fertigen Blät­terteig ver­wenden.


Für die Füllung Rinderhack mit Kurkuma in einer Pfanne anbraten, mit Salz abschmecken. Knob­lauch, Ingwer, Zwiebeln, Petersilie, Chi­lischoten und die übrigen Gewürze in einem Mixer zerkleinern, danach andünsten. Limet­ten­saft hinzugeben. Die Füllung auf die Teig­dreiecke verteilen und zu Dreieck­taschen falten. Die Ränder mit einer Paste aus Mehl und Wasser verkleben. 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen und danach in hei­ßem Öl knus­prig braten.


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