So schmeckt Weihnachten!
Margit Schönberger, Autorin und Journalistin, vor allem aber Feinschmeckerin, über ihre kulinarischen...

Dass Steven Raichlen von seiner kulinarischen Endlostour nicht dick und rund nach Hause kam, lag vielleicht an manch kuriosen Spezialitäten, die ihm die Weltenbürger auftischten. „In Griechenland servierte man mir eine absolute Delikatesse: Hirn, Leber, Herz, Niere und Hoden am Spieß“, berichtet der amerikanische Grill-Papst. „Es schmeckte besser, als der Gedanke daran vermuten lässt.“
In Momenten wie diesen die Gastfreundschaft nicht zu verletzen, war wohl die größte Herausforderung auf Stevens Welt-Grill-Tour. („Ihr Deutschen kennt das doch: Der Teller wird aufgegessen oder Oma ist sauer.“) Denn schließlich, und das betrachtet der TV-Star als Privileg, öffneten ihm viele Menschen die Türen in ihre privatesten Reiche. „An den Esstischen, an denen ich Platz nehmen durfte, wurden Familienentscheidungen getroffen, gestritten, und man kam sich inniglich nah.“
Der Respekt vor Traditionen und Andersartigkeit, mit dem Steven Raichlen seinen Gastgebern begegnete, garantierte ihm, auf seinem Weg fortlaufend mit geheimen Adressen grandioser Grillköche beliefert zu werden. So erfuhr er durch Zufall von einem Restaurant im Südwesten Frankreichs, in dem der Küchenchef die Kunst des Zubereitens von gegrillten Schnecken beherrscht. „Das Problem war nur, dass ich mich mit meiner Frau Barbara im 240 Kilometer entfernten Arles in der Provence befand, dass das Restaurant an den folgenden zwei Tagen geschlossen hatte und wir Frankreich am dritten Tag verlassen wollten“, so Steven. Nun, er bekam seine Schnecken – das wohl teuerste Gericht seiner Reise, denn neben Maut und Benzinkosten musste er seiner Frau versprechen, sie nach den Strapazen in einem Luxushotel übernachten zu lassen.
Steven Raichlen ist ein Besessener im positiven Sinne. Seine Neugierde führte ihn an die Grills nach Aserbaidschan, Korea und Georgien. Sein Forscherdrang ließ ihn auf die Roste in Marokko, Indien und Mexiko schauen. Seine Meisterschaft hätte ihn sogar ins Weiße Haus führen können. „Als ich von Präsident George W. Bush gebeten wurde, an einem Gartenbarbecue teilzunehmen, habe ich dankend abgelehnt“, erzählt der bekennende Demokrat.
Und auch der Einladung eines saudischen Scheichs zur Eröffnung eines Restaurants sagte er nicht sofort zu. „Ich bin Jude und Sie wissen, dass wir so unsere Probleme miteinander haben. Also fragte ich meinen Rabbi um Rat. Dessen Antwort war weise: Er sagte, dass Geschäfte und der Frieden beim Essen gemacht werden.“ Einen besseren Auftrag kann sich Steven Raichlen für seine Arbeit nicht denken.
Warum Barbecuen nicht Grillen ist
Grillen, Barbecuen, direktes Grillen: Obwohl sich alle drei Methoden ähneln, sind sie doch völlig verschieden“, betont Steven Raichlen. „Wenn Sie die Unterschiede kennen und verstehen, wird es für Sie ein Leichtes sein, Schmackhaftes auf dem Feuer zuzubereiten.“ In diesem Sinne: Lernen wir unsere Lektion.
„Das Grillen ist mit Abstand die üblichste Garmethode am Feuer“, erzählt der Vielgereiste. „Sie wird auf sechs Kontinenten in Restaurants, an Straßenständen und in den Gärten praktiziert, und zwar bei Arm und Reich gleichermaßen. Man tut es über einer Schale in der Größe eines Lagerfeuers in Argentinien oder auf einem Saté-Grill in der Größe eines Schuhkartons.“
Beim Grillen wird das Grillgut bei großer Hitze schnell über den Flammen oder den glühenden Kohlen gegart. Dafür braucht man hohe Temperaturen – in der Regel mehr als 315 Grad Celsius –, und die Garzeit dauert nur Minuten. Für das Grillen eignen sich kleine oder dünne Teile, die zart sind und schnell garen, wie etwa Steaks, Koteletts, Fischfilet, Gemüse, Brot, Pizza, Früchte.
„Barbecue verband man früher mit den ärmeren Schichten der Gesellschaft, die eine Küche kreierten, die auf billigem Fleisch basierte – Fleischstücke, die heute als Barbecue verehrt werden“, so Steven Raichlen. Das Barbecuen ist eine langsame, indirekte Garmethode bei niedrigen Temperaturen, für die glimmende Holzscheite oder Holzkohle zusammen mit Holzstücken verwendet werden. Das Fleisch wird in reichlich Rauch gegart und liegt nicht direkt an der Hitzequelle, sondern daneben.
Obwohl das echte Barbecue in der Karibik entstanden ist, wird es heute meist in den USA praktizert. Die Grillmeister in Kansas City garen Rippchen sechs Stunden lang in einer separaten Garkammer bei Temperaturen um die 100 Grad Celsius. Bei diesen niedrigen Temperaturen schwelt das Holz, es brennt nicht. Der so entstehende Rauch gibt dem Barbecue seinen charakteristischen Geschmack.
Das indirekte Grillen ist eine neuzeitliche Erfindung. „Wie beim Barbecue wird das Grillgut neben dem Feuer gegart. Doch wie beim Grillen findet der Garvorgang in derselben Kammer statt, in der sich die Hitzequelle befindet. Das macht aus Ihrem Grill eine Art Backofen“, erklärt der Lehrmeister. Die Temperaturen liegen in der Regel bei 180 Grad Celsius. Beim Holzkohlegrill werden die Kohlen am Rand der Feuerwanne aufgehäuft; das Grillgut kommt mittig auf den Rost. Beim Gasgrill werden die Brenner nur einer Seite angezündet und das Grillgut über den flammenlosen Bereich gelegt. So können Sie große Fleischstücke garen, ohne dass diese verbrennen oder trocken werden.
Stevens Lieblingsrezept: Honig-Sesam-Shrimps
„Ich mag den Kontrast zwischen süßem Honig und der Gewürzmischung sowie die Kombination des Nussgeschmacks der Sesamkerne mit den salzigen Shrimps und der Sojasauce.“
Zutaten:
Die Shrimps unter fließend kaltem Wasser waschen, abtropfen lassen und mit Küchenpapier trocken tupfen. 3 EL des Sesamöls, Reiswein, Sojasauce, Honig, Sesamkerne, Chilisauce und 5-Gewürze-Mischung in einer großen Schüssel verrühren. Den Knoblauch, Ingwer, die zerdrückten weißen Teile der Frühlingszwiebeln und die Shrimps unterrühren, zudecken und 30 Minuten bis 1 Stunde im Kühlschrank marinieren.
Mit einem Seihlöffel die Shrimps aus der Marinade heben, in eine Schüssel geben und mit den restlichen 2 EL Sesamöl verrühren. Die Marinade in einen Topf geben. Mit dem Seihlöffel Knoblauch, Ingwer und Frühligszwiebeln aus der Mariande entfernen. Die Marinade bei mittlerer Hitze zum Kochen bringen und unbedeckt 3 Minuten kochen, bis eine dicke, sirupartige Glasur entsteht. Von der Kochstelle nehmen und zur Seite stellen.
Den Grill für direktes Grillen vorbereiten und gut aufheizen. Wenn der Grill heiß ist, den Grillrost mit Öl einpinseln. Die Shrimps auf den heißen Rost legen und unter Wenden mit der Zange etwa 2 Minuten pro Seite grillen, bis die Shrimps außen schön rot und innen fest und rosa sind. Die Shrimps während des Grillens mit der Glasur bestreichen.
Die Shrimps auf Tellern oder einer Platte anrichten, mit dem gehackten Grün der Frühlingszwiebeln garnieren und zusammen mit den Limonenvierteln servieren. Dazu passt Chilisauce, wie von den Thailändern bevorzugt, oder Ketchup, den die Amerikaner mögen.