Legen, hängen, einfrieren - Kräuter richtig aufbewahren
Kräuter des Sommers sind eine schöne und nützliche Erinnerung an die vergangene Gartensaison.

Gibt es ähnlich wie bei den Obstsorten auch bei Gartenkräutern ein neues Interesse an alten Sorten, und wenn ja, womit erklären Sie es?
Barbara Sommerfeld: Eindeutig ja. Viele Jahre beschränkte sich das Interesse an Kräutern auf Petersilie, Dill und Schnittlauch, heute werden Rosmarin, Basilikum oder Oregano im Handel kaum weniger nachgefragt.
Meine Erklärung dafür: Unsere hoch entwickelte Gesellschaft bringt viele „Zivilisationskrankheiten“ mit sich, etwa Magen-Darm-Probleme infolge ungesunder Ernährung, Herz-Kreislauf-Probleme wegen negativen Stresses und so weiter. Nicht zuletzt spielt das Gesundheitswesen eine Rolle: Der rapide wachsende Konsum an chemischen Präparaten und Pillen bereitet nicht nur Ärzten und Krankenkassen Sorge. Auch der Laie spürt, dass Chemie allein kein guter Heiler ist. Vor diesem Hintergrund besinnen sich viele wieder auf alte Heilpflanzen.
„Eure Lebensmittel sollen Eure Heilmittel sein“, hat schon der griechische Arzt Hippokrates (460–377 v. Chr.) gefordert, und Hildegard v. Bingen beschrieb 1.300 Jahre später den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit in vielen ihrer Bücher. Zu den Lebensmitteln gehört heute wieder eine Vielfalt an Kräutern, weil man entdeckt hat, welche Abwechslung sie in die Küche bringt. Sie können Essen zum Erlebnis machen und bewusst oder unbewusst zur Gesunderhaltung des Organismus beitragen.
Wann gelten Kräuter, die sich als Heil- oder essbare Kräuter empfehlen, als alte?
Barbara Sommerfeld: Ich denke, es hat weniger mit dem tatsächlichen Alter der Pflanze oder ihrer erstmaligen Erwähnung zu tun als vielmehr damit, dass viele Kräuter durch die Entwicklung der Medizin in Vergessenheit geraten waren. Schon immer jedoch haben Kräuter eine große Rolle in Ernährung und Gesundheitspflege gespielt.
Weshalb vor allem kam es zum zwischenzeitlichen Verschwinden alter Kräuter aus dem Bewusstsein?
Barbara Sommerfeld: Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden durch den Ausbau der chemischen Wissenschaft und die Entwicklung der experimentellen Pharmakologie die Heilpflanzen beinahe gänzlich verdrängt. Sie lebten fast nur noch im Gedächtnis der sogenannten Volksheilkunde fort. Oftmals jahrtausende alte Erfahrungen mit den Heilpflanzen wurden damals ignoriert, und anstelle der Heilpflanzen galten mehr und mehr chemisch-synthetisch hergestellte Präparate und Arzneien als neue Allheilmittel. Kenntnisse über die Kräuter gingen zunehmend verloren, selbst ein Medizinstudent erfuhr immer weniger von Heilpflanzen.
Bei welchen alten Heil- und Esskräutern fällt das Comeback besonders kräftig aus?
Barbara Sommerfeld: Da ist zunächst der Bärlauch. Er ist die reinste Modepflanze! Mit Öl, Essig und Pesto eignet er sich für Käse, Suppen, Soßen, Salate und Gemüse. Bärlauch gilt auch als „wilder Knoblauch“. Er hat in der Tat ein mildes Knoblaucharoma, schmeckt frisch deutlich schärfer als gekocht und findet vielfältige kulinarische Verwendung. Gleichzeitig wird er in der Volksheilkunde wegen seiner verdauungsfördernden Wirkung bei Magen-Darm-Problemen empfohlen, zudem bei Bluthochdruck und Arterienverkalkung.
Wegen welcher Eigenschaften ergänzen alte Kräuter das Kräutersortiment vor allem?
Barbara Sommerfeld: Ganz klar mit ihrem Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen.
Welche sind Ihre drei liebsten alten Kräuter?
Barbara Sommerfeld: Ich habe kein Lieblingskraut. Als Kräuterfrau betrachte ich die Pflanzen als Lebewesen, die für mich Inhalt und Geist haben. Ich rede wahrhaftig mit meinen Pflanzen und bedanke mich stets dafür, dass sie mir ihren Geschmack, ihre Schönheit und ihre Heilkraft – in welcher Form auch immer – zur Verfügung stellen.
Für wie dauerhaft halten Sie das neue Interesse an alten Kräutern?
Barbara Sommerfeld: Das ist kein Strohfeuer, da glücklicherweise die Pflanzen immer mehr erforscht, ihre Inhaltsstoffe und ihre Wirkungsweisen wissenschaftlich nachgewiesen werden.
Wer interessiert sich nach Ihrer Erfahrung besonders für die Nutzung der Kräuter?
Barbara Sommerfeld: Interesse und Neugier registriere ich in allen Altersgruppen.
Was ist bei den meisten alten Kräutern für den Gartenfreund wichtiger: ihr Nutz- oder ihr Schmuckwert?
Barbara Sommerfeld: Das kommt auf die Einstellung des Gartenfreundes an. Meist kann aber beides gut kombiniert werden.
Handelt es sich bei den alten Kräutern in der Regel um ehemals in Deutschland heimische oder eher um Pflanzen aus fremden Regionen, die erst jetzt bei uns heimisch werden können?
Barbara Sommerfeld: Da müsste man jedes Kraut für sich betrachten. Dill zum Beispiel stammt aus Zentralasien. Petersilie kommt wild wachsend im Mittelmeergebiet und auf den Kanarischen Inseln vor. Der Löwenzahn ist in ganz Europa verbreitet, wurde erstmals aber von arabischen Ärzten beschrieben, war auch bei den Indianern Nordamerikas bekannt. Giersch ist in ganz Europa, Kleinasien, im Kaukasus und in Sibirien zu Hause .
Welche Mahlzeit erhält Ihrer Meinung nach erst mit welchem alten Kraut ihre Krönung?
Barbara Sommerfeld: Rosmarin zu Lamm, Beifuß zum Braten – und zwar nicht nur zu Gans oder Ente, auch Kräuterschmalz veredelt er.
Warum ist Ihnen die „Fee“ im Firmennamen wichtig?
Barbara Sommerfeld: Weil die „Fee“ für Geschichten, Mythologie und Brauchtum steht. Ich befasse mich nicht nur mit dem Material „Kraut“, sondern auch mit Pflanzenmythologie und mit der Geschichte der Pflanzen, mit jahreszeitlichen Höhepunkten wie Sommer- und Wintersonnenwende, Walpurgisnacht, Halloween, Ostern und Weihnachten. Dabei betrachte ich stets den Ursprung und lasse beiseite, was wir Menschen aus Konsumgründen daraus gemacht haben. In meinem Kräutergarten gibt es Feen und Elfen und einen keltischen Steinkreis.
Sind Anbau und Pflege alter Kräuter und Duftpflanzen im heimischen Garten für jedermann machbar?
Barbara Sommerfeld: Absolut. Die einzige Voraussetzung, die mitgebracht werden sollte, ist Interesse für die wundervolle Welt der Kräuter.