Hatte Oma recht? Ernährungsmythen

Hatte Oma recht? Ernährungsmythen

Sind Großmutters Beipack-Ratschläge zur gesunden Ernährung so unschlagbar gut wie ihre Kochkünste? Oder müssen wir mit dem neuesten Stand der Wissenschaft widersprechen?

Marmelade mit einem kleinen Schimmelfleck ..

.. sollte entsorgt werden. Das unsichtbare Myzel (Schimmelgeflecht) hat sich meist schon im ganzen Glas ausgebreitet, bevor der Pilzrasen an der Oberfläche zu sehen ist.


Viel Obst und Säfte bringen viel Vitamine

Obst hat zwar Vitamine, aber vor allem auch Kalorien. 1 Liter Orangensaft enthält etwa 700 kcal, ein Drittel des kompletten Tagesenergiebedarfes, genau wie 1 Kilogramm Weintrauben. Zwei Bananen entsprechen einem Filetsteak. Lieber verdünnten Saft oder Wasser trinken und täglich einen Apfel essen. Der erspart ja bekanntlich den Hausarzt.


Aufgewärmter Spinat ist giftig

Seit in den 60er-Jahren mysteriöse Notfälle bei Babys auf Spinatbrei zurückgeführt wurden, hält sich diese These hartnäckig. Eine Untersuchung des G- und S-Labor in Rheda-Wiedenbrück für eine Fernsehshow brachte Erstaunliches ans Licht: Frischer Spinat enthält nur geringste Mengen des gefährlichen Nitrits – aber Nitrat. Das ist zwar nicht giftig, kann sich aber in das gefährliche Nitrit umwandeln.


Die Lebensmittelchemiker kochten Spinat und stellten keine erhöhten Nitritwerte fest. Die eine Hälfte des Spinats verwahrten sie 24 Stunden im Kühlschrank, die andere im Raum. Anschließend wärmten sie beide Chargen wieder auf. Das Ergebnis: ungefährliche 10 Milligramm Nitrit. Dieselbe Prozedur nach weiteren 24 Stunden: Der Spinat aus dem Kühlschrank war völlig ungefährlich, aber der im Warmen gelagerte zeigte einen vierfach erhöhten Nitritgehalt. Dieser Wert kann für Kinder tatsächlich gefährlich werden. Spinat ist also bei kühler Lagerung auch nach mehreren Tagen aufgewärmt ungefährlich. Säuglingen sollte er nur frisch verabreicht werden. Übrigens: Spinat weist nur 3,5 Milligramm Eisen in 100 Gramm auf, Schokolade 6,5 Milligramm. Das „Eisenmärchen“ beruht auf einem Rechenfehler der Wissenschaft.



Traubenzucker ist gesünder und geht schnell ins Blut

Stimmt nicht. Es ist zwar richtig, dass Traubenzucker schnell ins Blut geht. Aber gewöhnlicher Zucker ist genauso gut für einen schnellen Energieschub. Woher rührt der Irrglaube? Traubenzucker (Glucose) ist ein sogenannter Einfachzucker. Der gewöhnliche Haushaltszucker (Saccharose) ist jedoch ein Zweifachzucker: Zwei verschiedene Einfachzucker, die der Körper aufspalten muss, sind chemisch verbunden. Einige Studien behaupten, dass sich dieser Aufspaltungsprozess so schnell vollzieht, dass die Zeit, die der Zucker benötigt, um ins Blut zu gelangen, dadurch kaum verlängert wird.


Einen Unterschied gibt es dennoch: Um dem Körper dieselbe Menge Glukose anzubieten, muss man ungefähr die doppelte Menge Haushaltszucker konsumieren. Traubenzucker bedeuten doppelte Kalorien – also Vorsicht: ein Dickmacher. Auch die Annahme, brauner Zucker sei gesünder als der weiße, ist falsch. Er ist nur teurer.


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Dr. Ute Gola,  Ernährungsmedizinerin im Institut für Ernährung und Präven­tion GmbH in Berlin

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