Frauen essen anders. Männer auch.

Heide-Ulrike Wendt fragte Jörg Zittlau, Autor des gleichnamigen Buches, was Sexus und Essen miteinander verbindet.

Heide-Ulrike Wendt fragte Jörg Zittlau, Autor des gleichnamigen Buches, was Sexus und Essen miteinander verbindet.

Als Sie mit der Recherche für Ihr Buch begannen, sollen Sie überall die gleiche Antwort bekommen haben: „Tut uns Leid, zu diesem Thema sind uns kei­ne For­schungs­arbeiten bekannt.“ Nur die Anglo­amerikaner scheinen zu wissen, wie nachhaltig ein blutiges Steak oder ein leckeres Praliné das Ver­hält­nis von Mann und Frau bestimmen. Wieso die?

Jörg Zittlau: Zum einen ist in den USA die Nah­rungs­mittel-Werbung schon länger mit Sex garniert. Zum anderen sind die Psychotherapeuten und Sozio­lo­gen dort mehr für das Thema Mann-Frau-Essen sen­si­­bil­isiert, weil es in ihren Ländern mehr Diäten und noch mehr essgestörte Frauen gibt als hierzulande.


Frauen sind neugierig auf Ge­wür­ze, Früchte und Rezepte aus aller Welt. Männer be­vor­zugen hingegen das, was ihnen schon bei Mama geschmeckt hat – immer dasselbe. Gibt es nicht inzwischen auch sehr verschiedene Mamas?

Jörg Zittlau: Das ist richtig. Viele der Söhne, die im Moment noch im Buddelkasten spielen, werden später wohl andere Vor­lieben haben als die heutigen Männer. Da wird häufiger auch mal eine vegetarische Pizza auf dem Tisch stehen anstelle von Geschnet­zeltem mit Rösti. Doch das wird nichts daran ändern, dass die Männer von Morgen ähnlich an Muttis Kü­che festhalten werden wie heute.


Sie sagen, dass Männer sehr bescheiden sind in ih­rem An­spruch aufs Drumherum beim Essen. Wenn sie ins Restaurant gehen, brauchen sie keine wei­ssen Tischdecken oder für jeden Gang ein neues Besteck. Wäre für das erste Date dann nicht eher ein Schnellimbiss als ein Fünfsternerestau­rant zu empfehlen?

Jörg Zittlau: Nein. Männer verzichten nur auf das Drum­herum beim Essen, wenn sie niemandem etwas beweisen müssen – also wenn sie mit ihren Kumpels oder ihrer Familie ausgehen. Wenn sie aber jemanden betören wollen, machen sie genau das Gegenteil. Dann kann das Restaurant gar nicht teuer und aufwändig genug sein.


Warum sind Frauen die Naschkatzen?

Jörg Zittlau: Frauen naschen, wenn sie unter Stress stehen und es ihnen emotional schlecht geht. Und da sie sich in der Regel häufiger mies fühlen als Män­ner, sind sie eben auch die grösseren Naschkatzen.


Und weshalb ist Alkohol eher Männersache?

Jörg Zittlau: Weil sie schon in der Kindheit lernen, dass Saufen zum echten Mann-Sein gehört. Sie vertragen auch mehr als Frauen.



Frauen können mit dem Essen aufhören, selbst wenn sie noch nicht satt sind. Auf der anderen Sei­te heisst es, sie essen auch, wenn sie keinen Hunger haben. Ist das nicht ein Widerspruch?

Jörg Zittlau: Keineswegs. Beides zeigt, dass Frauen beim Essen stör­anfälliger sind. Sie ziehen trotz ihres Hungers beim Essen die Not­bremse – aus Angst vor zu vielen Kalorien. Und sie greifen ohne Hunger in den Kühlschrank, um ein emotionales Loch mit Essen auszufüllen. Beides hat nichts mit dem normalen Re­gel­kreis des Hungers zu tun.


Auch Sie werfen in Ihrem Buch auf: Warum überhaupt schlank? Das fragen sich Frauen jedes Jahr kurz vor ihrer Frühjahrsdiät.

Jörg Zittlau: Aus medizinischen Grün­den brauchen Frau­en nur äusserst selten eine Diät. Die meisten ma­chen eine, weil sie anderen Frau­en zeigen wollen, dass sie ihr Gewicht voll im Griff haben. Und das ist sicherlich äusserst fragwürdig. Den Männern übrigens – das zeigen jüngste Umfragen – gefallen mollige Frauen besser als schlanke.


Wenn Mädchen weinen, schenkt ihnen Mama Scho­­kolade – zum Trost. Jungs bekommen Scho­ko­la­de, wenn sie eine Eins aus der Schule nach Hause bringen – als Belohnung. Warum ist das so?

Jörg Zittlau: Männer müssen für Belohnungen Leis­tung bringen. Frau­en belohnt man schon dafür, dass sie schön und zerbrechlich sind. Diese Verteilung hat uralte Tradition und wird bereits im Kin­des­alter von den Eltern vermittelt.


Sie zitieren einen Fertig­kuchen­hersteller, der be­haup­tet: „Mein Job, aber auch die Hälfte aller Lebens­mit­telprodukte und Restaurants wären überflüssig, wenn es bei den Leuten im Bett besser klappen wür­de.“ Echt?

Jörg Zittlau: Spätestens seit Sigmund Freud wissen wir, dass der Sexualtrieb, wenn er unerfüllt bleibt, durch die verstärkte Befriedigung anderer Bedürf­nis­se kompensiert wird. Und hier scheint vor allem der Esstrieb eine grosse Rolle zu spielen. Wir müssen davon ausgehen, dass der Mann Recht hat.


Bleiben uns also noch Aphrodisiaka. Machen die wenigstens richtig scharf?

Jörg Zittlau: Die meisten nützen gar nichts. Gerade von den als Antörnern gepriesenen Trüffeln wissen wir, dass sie wohl bei Schweinen wirken, aber nicht beim Menschen. Und der Spar­gel sieht zwar aus wie ein Phallus, aber das ist dann auch schon alles.


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