Esst mehr Gemüse!

Esst mehr Gemüse!

80 Prozent der Deutschen glauben, dass gesunde Ernährung ein schwieriges Unterfangen ist. Genuss und Gesundheit gehen für sie nicht zusammen. Wir programmieren das Image der ge­sun­den Ernährung um. Denn gutes Essen ist ab sofort kein Ge­heimnis mehr. Wer weiß, was und warum genau das in den Topf kommt, ernährt sich bewusster und besser. Wissen ist eben lecker!

Mit einem Jahresumsatz von 3,5 Mil­­liarden Euro lag der Marktanteil aller Ökoprodukte am Lebensmittelmarkt (ohne Getränke) in Deutschland im Jahr 2004 bei etwa 2,5 Prozent, so das Verbrau­cher­­minis­terium. 39 Prozent der Deutschen kaufen ihre Le­bens­mittel einmal pro Woche in einem Dis­counter. 2008 machte Burger King in Deutschland einen Umsatz von 764 Millionen Euro.


Fast die Hälfte der Deutschen isst nach eigenen Angaben eher selten gut, so eine repräsentative Umfrage. In der Bundesrepublik sind 75,4 Prozent der Männer und 58,9 Prozent der Frauen zu schwer, so eine Studie der Interna­ti­onal Association for the Study of Obesity (IASO).


Nur 15 Prozent der Deutschen sagen von sich selbst, dass sie keine Defizite im Ernährungs­ver­hal­ten ha­ben: Sie essen ge­nug Obst und Gemüse, sie es­sen regelmäßig, sie essen nicht zu viel und nicht zu schnell.


Dörte Junge wundern diese Zahlen alle nicht. „Lebensmittel stellen in der Wahrnehmung der Menschen kaum noch einen Wert an sich dar. Wenn man nicht mal mehr weiß, was es braucht, um eine Möhre hochzuziehen, be­ein­flusst das definitiv auch die Achtung vor dem Essen“, sagt die Ernährungsbera­terin und Autorin („Einfach. Lecker. Gemüse.“ Bir­­cher-Benner Verlag, 12,90 Euro).


Jeden Tag kann die Fachfrau fürs gesunde Es­sen beobachten, wie kompliziert es für viele Menschen mittlerweile ist, gesunde Er­nährung und genussvolles Essen zusammenzubringen. „Das Schlimmste daran: Die we­nigsten sind bereit, ins Essen zu investieren“, lautet ihre Fest­stellung. „Nah­­rungsmittel sind eben keine Prestige­objekte wie ein Auto oder ein Haus. Man sieht nicht, wenn man hier Wert auf qualitativ Hochwertiges legt.“



Ebenso wenig wird Zeit in die tägliche Nah­­rungsaufnahme ge­steckt. „Die Prioritäten haben sich verschoben: Heute sitzen viele lieber vier Stunden vor dem Computer, als sich eine halbe Stunde Zeit für die Zu­be­reitung eines leckeren Essens zu nehmen“, so Dörte Junge. Statt Frühstück im Familien­kreis wird auf dem Weg zur Arbeit schnell ein Croissant vom Bäcker gekaut. Statt sich mittags eine Auszeit zu nehmen, wird am Schreib­­tisch ein Sandwich in den Mund ge­schoben. Und abends besteht das Gourmet­programm aus mikrowellengewärmten Fer­tig­gerichten. Das Resultat stellt sich schleichend her: Wir nehmen zu, leben ungesund und werden letztlich krank.


In Kochkursen versucht die Schleswig-Holsteinerin, dieses Fehlver­hal­ten umzuprogrammieren. „Es ist ratsam, wieder genussvolle Erfah­rungen mit dem Es­sen zu ma­chen“, lautet ihre Devise. Ihre Tipps?

  • Nehmen Sie sich an einem Tag in der Woche vor, selbst zu kochen. Und dann vergleichen Sie Ihr Selbst­ge­mach­tes mit Convenience-Produkten.
  • Durchbrechen Sie Rituale und servieren Sie statt Kuchen zum Kaffeeklatsch ein Trifle, statt Würstchen Gemü­se­spie­ße zum Grillabend. Überraschungen ma­­chen Lust aufs Essen.
  • Lehnen Sie keine Speisen kategorisch ab. Wer nicht weiß, wie etwas schmeckt, kann nicht sagen, ob er es mag. Das wissen schon die Kleinsten.
  • Beschränken Sie sich beim Kochen auf we­­nige Zutaten. Das ist praktikabel. Einen Lafer oder Kleeberg können Sie mit ein bisschen Übung und zu besonderen Gele­genheiten nachahmen.
  • Üben Sie! Die Fingerfertigkeit beim Zwie­belschneiden muss genauso trainiert werden wie der Geschmackssinn. Und verzweifeln Sie nicht: Alles ist erlernbar.

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Dr. Ute Gola,  Ernährungsmedizinerin im Institut für Ernährung und Präven­tion GmbH in Berlin

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