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Der Plan vom Traum vom Bad

Wohlfühl-, Ruhe-, Erlebnisorte für die genussvollen Momente des Tages – auf solche Refugien versteht sich die Stuttgarter Firma Sanitär-Wahl bestens. Designer Cyrus Ghanai hat exklusiv für mein schönes zu hause3 drei Bäder entworfen: ein Mittelklasse-, ein Oberklasse- und ein Luxus­klasse-­Bad, 16 Quadratmeter groß. Und wir haben mit dem Designer und dem Geschäftsführer Harald Wahl über kluge, ideenreiche Badplanung gesprochen.

Wann sollte man mit der Planung des Bades beginnen?

Cyrus Ghanai: Idealerweise gleich mit der Hausidee. Weil zu diesem Zeitpunkt Größe, Lage und Stil noch den meisten Freiraum bieten. Ein weiterer Vorteil: Die Anschlüsse können zu diesem Zeitpunkt bedarfsgerecht bedacht werden.

Wie viel Zeit vergeht von der Idee bis zum ersten Vollbad?

Cyrus Ghanai: Es gibt Kunden, mit denen habe ich bis zu zehn Sitzungen, weil immer wieder eine neue Idee hinzukommt. Bei anspruchsvollen Objekten kann es ein paar Monate dauern. Dafür hat man dann aber auch ein Bad, bei dem wirklich alles stimmt. Renovierungen erledigen sich meist schneller, da hier einfach schon mehr Vorgaben existieren.

Badplaner aus Leidenschaft

Cyrus Ghanai (43) ist Badplaner aus Lei­denschaft. Der studierte Innen­archi­tekt lebt in Stuttgart und ist seit 13 Jahren Spezialist auf dem Gebiet von Badplanung, Ausstel­lungs­­ge­stal­tung und Produktdesign. Seit 2006 ar­beitet er als Planer für den Groß­händler Sanitär-Wahl und das Raum­konzeptstudio Living­house. Aktu­elles Vorzeigeobjekt: die neue Wahl-Badausstellung in Bö­blingen. Sein Know-how gibt er auch in Badplanungs-Seminaren weiter.

Wie gehen Sie vor?

Cyrus Ghanai: Ich muss natürlich erst eruieren, was die Kunden sich vorstellen. Das ist meist recht langwierig, da ist auch psychologisches Geschick nötig, damit mein Gegenüber in sich hineinhorcht. Was fand er beispielsweise in einem Hotel toll? Hat ihn die Luxusdusche mehr beeindruckt als der Whirlpool? Ganz wichtig ist die Organisation der alltäglichen Bewegungsabläufe, die man sich selbst oft erst bewusst machen muss. Ein Beispiel: der Haartrockner. Föne ich mir die Haare vor dem Spiegel? Lege ich den Fön nach Benutzung in die Ecke oder verstaue ich ihn im Schrank? Solche Kleinigkeiten sind enorm wichtig, um sich am Ende behaglich in seinem Bad zu fühlen. Ein gutes Bad stellt sich kompromisslos in den Dienst seiner Nutzer.

Was macht eine gute Badgestaltung aus?

Harald Wahl: Wir nehmen uns alle Zeit, um eben jene Details zu erkunden, die künftige Benutzer als erfrischend und beglückend empfinden. Zum Beispiel haben Männer und Frauen unterschiedliche Gewohnheiten und sind meist unterschiedlich groß. Damit beide glücklich werden, müssen die Höhen der Becken und Schränke genau bedacht werden.

Was unterschätzen Ihre Kunden?

Cyrus Ghanai: Zum Beispiel die Kosten für Beleuchtung und Materialien, wie Fliesen, Naturstein etc. Aber auch der Realisierungsaufwand wird oft unterschätzt.

Wer baut, kann selbst entscheiden, wie viel Platz er dem Bad zubilligt. Was raten Sie?

Cyrus Ghanai: Mindestens 12 bis 15 Quadratmeter. Mehr Bad ist noch schöner.

Inwiefern haben sich die Planungen im Laufe der Jahre verändert?

Harald Wahl: Die Leute legen wesentlich mehr Wert auf Individualität. Man will nicht einfach das Standardprogramm eines Anbieters übernehmen, gibt sich äußerst ungern mit Durchschnittlichem und Normalem zufrieden.

Cyrus Ghanai: Die Zeiten der Nasszelle nur zu Reinigungszwecken sind vorbei. Das Bad ist in der Rangliste weit nach oben gerückt als Ort für die genussvollen Momente des Tages. Es wird zum Raum mit sinnlichen Qualitäten.

Es gibt eine Fülle von Sanitärobjekten und Badmöbeln. Wie findet man das Passende?

Harald Wahl : Sich verschiedene Ausstellungen anschauen und darauf achten, wer nur Standardprodukte verkaufen möchte oder wer individuelle Vorstellungen kreativ und originell umsetzen kann. Die Auswahl der einzelnen Produkte sollte erst an zweiter Stelle stehen.

Wohin geht der Trend?

Harald Wahl: Unsere Kunden sind selbstbewusster – das Bad wird wichtiger, stilvoller und komfortabler.

Cyrus Ghanai: Die Frage nach den Trends finde ich persönlich immer schwierig. Ich wage aber zu behaupten, dass zum Beispiel Badewannen eigentlich out sind, obwohl es richtig schöne Modelle gibt.

Wer sie, wie ich, trotzdem für unverzichtbar hält, sollte bei der Auswahl der Wanne worauf achten?

Cyrus Ghanai: Viele dimensionieren ihre Wanne zu klein. Wenn Schultern und Füße rausgucken, macht das Baden einfach keinen Spaß. Deshalb muss die Wanne proportional zur Körpergröße sein. Außerdem sollte man bedenken, ob man lieber zu zweit badet oder allein.

Harald Wahl: Älteren Menschen ist eine Wanne mitunter zu riskant, trotz moderner Einstiegshilfen und Stufen. Die gute Alternative sind großflächige Duschkabinen. Mit oder ohne Sitz. Wer auf die Duschwanne verzichtet, sollte bedenken, dass die Fliesenfugen schwerer zu reinigen sind als die glatte Oberfläche der Wanne.

In einem Ihrer Grundrisse sehen Sie ein Urinal vor. Gehört das auch zu den Neuheiten in der Badezimmerwelt?

Cyrus Ghanai: Es gibt immer mehr Kunden, die sich zusätzlich ein Urinal wünschen.

Harald Wahl: So neu ist das gar nicht. In öffentlichen Gebäuden ist es gang und gäbe. Warum nicht auch im privaten Bereich?

Cyrus Ghanai: Lieber ein Urinal, als ein Aufkleber über der Toilette. Ich weiß, dass es Männer mehr mögen als Frauen.

Ihr Entwurf für ein Luxusbad präsentiert einen offenen Grundriss – Bad und Schlafzimmer sind miteinander verbunden. Nur Wunschdenken oder gibt es wirklich Leute, die sich solch ein Bad wünschen?

Cyrus Ghanai: Es gibt sogar steigende Nachfrage nach solcher Offenheit. Meist spielen sich diese Begehrlichkeiten im oberen Preisniveau ab. Das heißt, diese Häuser verfügen über ein weiteres Bad, in dem die Toilette untergebracht ist, und vielleicht noch über ein zusätzliches Kinderbad.

Harald Wahl: Ich finde solche Wünsche auch gar nicht so ungewöhnlich. Bisher waren Bad und Schlafzimmer nebeneinander angeordnet. Nur durch eine dünne Wand getrennt. Jetzt lassen Sie diese eben weg. Man kann ja immer noch einen Sichtschutz stellen. Diese Unbefangenheit gibt den Räumen eine aufregend neue Intimität. Außerdem gehen alltägliche Abläufe nahtlos ineinander über.

Cyrus Ghanai: Das einzige Problem sind die Temperaturen. Wer gern kalt schläft, sollte auf eine Anbindung zum Bad dann doch lieber verzichten. Wie entsteht Wohlgefühl?

Harald Wahl (52) ist Geschäfts­­führer vom Großhandel Sanitär-Wahl und von Living­house.

Der Familienbetrieb Sanitär-Wahl wurde bereits in den 1970er-Jahren gegründet und ist kontinuierlich ge­wachsen – erst in diesem Jahr wurde ein neuer Showroom in Böblingen eröffnet. Vor fünf Jahren wurde Livinghouse ins Le­ben gerufen, ein Verbund ambitionierter Einrichter und Handwerksbe­triebe: „Mit Livinghouse reagieren wir auf Ansprüche nach Einmaligkeit und Exklusivität. Nicht das Produkt stellt sich allein zur Schau, wir schaffen vielmehr Räume.“ Das Konzept ist einmalig in Deutschland: hochwertige Produkte, umfangreiche Be­ra­tung durch exzellente Innenar­chi­tekten und Realisierung durch kooporative Handwerksfirmen.

Gibt es eine Steigerung von Wellness?

Harald Wahl: Neue Begriffe wie Cocooning oder Wellbeing versuchen den ausgetretenen Wellness-Begriff zu ersetzen. Aber ich mag diese Wortspielereien nicht sehr. Was verstehen Sie denn unter Wellness?

Ich denke dabei an Dampfdusche, Whirlpool und stimmungsvolles Licht ...

Harald Wahl: Sie beziehen den Begriff nur auf technische Geräte. Dabei ist Wellness im Bad viel simpler: Es meint ein wohliges, entspannendes Gefühl, das sich technisch kaum steigern lässt. Egal, ob Sie auf einer Wiese liegen oder ein Buch lesend am Kamin sitzen oder sich in ihrem Bad aufhalten. Das alles kann Wellness sein. Es bedeutet: Im konkreten Augenblick gibt keinen angenehmern Ort für mich weit und breit.

Was ist, wenn die Wünsche größer als das Budget sind?

Harald Wahl: Je teurer ein Bad, desto mehr technische Elemente sind installiert. Man muss Prioritäten setzen, was wirklich unverzichtbar ist. Jede Wanne kann durch einen simplen Airpool aufgewertet werden. Das ist die günstigste und klassischste Variante. Das Wasser wird einfach nur mit Luft versetzt, dadurch entfallen teure Reinigungsprozeduren der Rohre, wie bei anderen weitaus komplizierteren Systemen. Es muss also nicht gleich ein Whirlpool sein. Aber, wie gesagt, Wellness hängt nicht von der Technik ab.

Das Gespräch führte Jule Fiedler