zuhause3.de - Mein Trendscouthefte bestellenLeseraktionen

Leicht unterbelichtet

Winter ist Glitzerschnee, kuschlige Kaminabende, Stille. Winter ist aber auch wenig Sonne, trübe Stimmung, matter Körper. Daran hat Lichtmangel Mitschuld – der sich allerdings ausgleichen lässt.

Leicht unterbelichtet

Leicht unterbelichtet

Der schöne Schein des Lichts hält die nimmt Einfluss auf Winterschlaf und Fortpflanzung, auf Appetit und Wohlbefinden. Geraten die Tage kürzer und das Klima ruppiger, hat nicht nur das letzte Sommerstündlein geschlagen, oftmals geht dieser Umschwung einher mit deutlichen Stimmungseinbrüchen. Aus solchen Talsohlen der auch geistigen Dunkelheit bewegen wir uns erst jetzt, mit zunehmend kürzerer Distanz zum Frühling, allmählich wieder heraus, zurück zum Licht. Irgendetwas muss dieses seltsam Stofflose also an sich haben, dass wir stets darauf vertrauen können: Auf Regen folgt Sonnenschein.

Diese Erscheinung des sogenannten Winter-Blues ist bei vielen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt, doch spürt nahezu jeder bisweilen die organisch-psychischen Symptome mangelnden Lichts: Wir quälen uns morgens nur unter Aufbringung sämtlicher Kräfte aus der gemütlichen Bettenburg, fühlen uns müde, antriebslos. Unser Organismus gerät durcheinander, Stoffwechsel, Körpertemperatur und Schlafverhalten ändern sich. Daran hat das Hormon Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert.

Während es sich in den Frühlings- und Sommermonaten tagsüber so gut wie gar nicht im Blut feststellen lässt, liegt in den Wintermonaten auch am Tage eine erhöhte Konzentration vor. Wird es dunkel, schüttet der Körper Melatonin aus und unser Körper versteht: umschalten auf Ruhemodus. Gegen Morgen dann sinkt der Melatoninspiegel und das System Körper fährt wieder hoch. Dehnen sich die Dunkelphasen länger und länger aus, wie aktuell eben, wird dem Organismus verstärkt geringere Aktivität signalisiert.

Leicht unterbelichtet

Leicht unterbelichtet

Diese jahreszeitlich bedingten Stimmungsschwankungen sind zwar seit Langem bekannt (schon in der Antike tauschte man sich über diese Umstände aus), doch erst in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts untersuchten Wissenschaftler des National Institute of Mental Health in den USA das Phänomen, das seither umgangssprachlich „Winterblues“ heißt und in der Fachsprache „saisonal abhängige Depression“ (SAD – sea- sonal affective disorder). Aktuellen Studien nach spielt auch hier eine gewisse Erbanlage eine Rolle, nicht alle erwischt es gleich hart. Die Forscher konzentrieren sich vor allem auf das Gen 5-HTTLPR. Dieses kann unterschiedlich lange Allele (je ein Teil der doppelten Erbinformation eines Gens) aufweisen, wobei das längere mehr und das kürzere weniger Serotonin transportiert. Letzteres steht schon seit geraumer Zeit im Ruf, Depressionen verschiedener Art zu beeinflussen.

Allgemein bekannt ist auch der Zusammenhang zwischen geografischer Lage, damit einhergehender Menge an Sonnenlicht und Depressionsrate. Gibt etwa jeder dritte Bewohner Alaskas an, unter Winterdepressionen zu leiden, trifft dies nur auf 4 von 100 Menschen in Florida zu. So verwundert es kaum, dass sich diejenigen besser durch den Winter schlagen, die es sich leisten können, aus nördlichen Gefilden zu fliehen, um wenigstens kurzzeitig die Wonnen südlicher Milde zu genießen. Bei übermäßiger Melancholie im Winter und ausreichen- dem Kleingeld empfiehlt der Arzt also vor- zugsweise das Mittelmeer – vor dem Griff zu Medikamenten.

Sollten Budget und Zeit nur für eine Sommerreise reichen, bietet eine Lichttherapie jenseits der Chemie Hilfe. So eine Lichttherapie kann auf ärztliche Verordnung oder auch in eigener Verantwortung stattfinden. Üblich für eine solche Behandlung sind Leuchtstoffröhren mit einer Lichtintensität von 2.500 bis 10.000 Lux – normale Innenräume bringen es nur auf 300 bis 500 Lux, selbst helle Büroräume schaffen die 1.000-Lux- Schallgrenze nicht.

Ein weiterer erhellender Vergleich: Ein durchschnittlicher Sommertag hierzulande hält 10.000 Lux parat, wohingegen am Äquator etwa 80.000 Lux erreicht werden. Die Fantasie der Hersteller ist umfänglich: Vom herkömmlichen Strahler bis zum Lichtwecker, der flexiblen und unauffälligen Einsatz allerorten bietet, kann die Sonne auch am finsteren Wintermorgen Einzug ins Dunkel halten. Das abgestrahlte Licht solcher Lampen ist weiß, ganz ohne Infrarot- oder ultravioletten Anteil.

Je nach Lampenart sollte die Behandlungsdauer zwischen 30 Minuten bei 10.000 Lux und 120 Minuten bei 2.500 Lux liegen. Währenddessen die geöffneten Augen den Leuchtstoffröhren zuwenden, damit über die Retina des Auges das Startsignal an die Zirbeldrüse zur Ausschüttung bestimmter Hormone (Melatonin, siehe oben) und anderer Botenstoffe (zum Beispiel den Neurotransmitter Serotonin) gegeben werden kann, die unsere innere Uhr wieder im Takt ticken lassen.

Der Abstand zwischen Lichtquelle und Gesicht sollte etwa 50 Zentimeter betragen, erhöht man ihn, reduziert sich die Luxzahl proportional erheblich. Am effektivsten ist, so manche Forscher, wenn man jede Stunde etwa 5 Minuten direkt in eine starke Lichtquelle sieht, natürlich nur, wenn die Komponenten UV- und Infrarotstrahlen nicht enthalten sind. Funktioniert die „Datenübertragung“ in unserem Körper geregelt, erhöht das unsere Denkfähigkeit, unser Wohlbefinden und wir schlafen für gewöhnlich besser – das Leben wird wieder intensiver.

Konzentrations-, Schlaf- und auch Verhaltensstörungen lassen spürbar nach oder verflüchtigen sich vollkommen. Ob es uns also mental gut oder schlecht geht, hängt maßgeblich von der Ausschüttung des Melatonins im Körper ab. Fernsehen und Lichttherapie werden übrigens keine Freunde – die das Auge erreichende Lichtmenge ist einfach zu gering. Wer den Tag gut gelaunt verbringen möchte, sollte sich der Lichttherapie am frühen Morgen unterziehen, damit die Wirkung in der Wachphase möglichst lange anhält. Üblicherweise reicht eine zweiwöchige Behandlung, doch kann diese auch verlängert werden.

Die Langzeitwirkung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, die Therapie kann mehrfach wiederholt werden, es gibt so gut wie keine unerwünschten Nebenwirkungen. Treten doch einmal Kopfschmerz, Augenrötung oder trockene Haut auf, so gehen diese Symptome meist nach wenigen Stunden zurück. Selten beobachtet ist das Umschlagen eines depressiven in einen manischen Zustand. Licht hilft übrigens auch, herkömmliche Depressionen in die Flucht zu schlagen. Patienten erfuhren sehr viel schnellere Heilung, wenn sie neben Medikamenten zugleich mit Licht behandelt wurden.

Das vertreibt nicht ausschließlich dunkle Stimmungswolken, es hat daneben ausgesprochen positive Wirkung auf die Haut, beispielsweise bei Neurodermitikern. Bestimmtes blaues Licht soll entzündete weiße Blutkörperchen in der Haut abtöten. Auf einem einer Sonnenbank ähnlichen Gerät werden durch die spezielle Lichtstrahlung die entzündeten Zellen abgetötet und anschließend zu den Lymphknoten abtransportiert. Von dort geht ans Knochenmark die Nachricht, nicht länger Zellen hervorzubringen, die Neurodermitis auslösen. Bleiben diese Zellen aus, erholt die Haut sich allmählich und wird schließlich gesund. Ähnliche Therapien können ebenfalls bei anderen Hautkrankheiten wie Schup- penflechte, Hand- und Fußekzemen, Akne, krankhaftem Haarausfall und Sklerodermie angewendet werden.

Lichttherapie kann noch mehr: Ihr werden gute Wirkung bei Schlafstörungen allgemeiner Art zugeschrieben, im Alter oder bei Schichtarbeitern. Sie mildert den Jet-Lag. Neuerdings findet sie auch bei prä-menstruellen Syndromen (PMS) Anwendung. Und man vermutet eine immunologisch stärkende Wirkung – obschon die wissenschaftlich nicht belegt ist. Unter Lichtschein bildet sich verstärkt Vitamin D in unserer Haut, was Rachitis und Osteoporose vorbeugt. Kurzum: Nicht selten ist die Lichttherapie das Mittel der Wahl – in jedem Fall für den Feldzug gegen Winterdepressionen.

Lesen Sie mehr zu: Licht, Winter, Schlafen.