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Desperate Housewives

Notizen aus dem Bordelais, Teil 2: „Les Médocaines“ oder: Wie vier Französinnen den Wein-Tourismus um Bordeaux auch für Deutsche beleben und so manchen Winzer-Mann beschämen.

Charmante Viererbande aus dem Bordelais – „Les Médocaines”, von 
links nach rechts:
Martine Cazeneuve, Eigentümerin Weingut „Château Paloumey”
Marie-Laure Lurton, 
„Château La Tour de Bessan”
Armelle Falcy-Cruse, 
„Château du Taillan”
Florence Lafragette, 
„Château Loudenne”
Foto: Les Médocaines
Die Keller von Weinhändlern und -maklern, wie hier die „Bibliothèque Impériale” von „Millésima”, sind beliebte Veranstaltungsorte für Empfänge.Für edle Tropfen: Teak massiv, verschiedene Größen.
Für edle Tropfen: Teak massiv, verschiedene Größen. 
Von MOEBEL KOLONIE
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Von MOEBEL KOLONIE
Abendstund hat Gold im Mund. Besonders in Saint-Emilion. Die Gemeinde trägt den Namen des Mönchs, der im 8. Jahrhundert in einer in den Kalkfelsen gehauenen Grotte eine Ermitage einrichtete. Nach seinem Tod bauten ihm zu Ehren Anhänger die Felsenkirche oberhalb der Grotte. Sie ist bis heute erhalten.
Freuen sich auch auf deutsche Wein-
Liebhaber: Marie-Laure, Martine, Florence, Armelle
Freuen sich auch auf deutsche Wein-
Liebhaber: Marie-Laure, Martine, Florence, Armelle
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Liebhaber: Marie-Laure, Martine, Florence, Armelle
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Liebhaber: Marie-Laure, Martine, Florence, Armelle

Wir treffen uns, ganz französisch, beim Essen. Es ist Mittag und in der Weinkellerei „Winery“ vor den Toren Bordeaux’ scheint die Schwerkraft alle Besucher und Mitarbeiter ins Restaurant zu spülen. Dass sich der Weinkeller eines vor allem im US-Englisch gebrauchten Namens bedient, ist ungewöhnlich, aber kein Zufall. Das Firmengelände wird von einem Zweckbau aus Stahl und Glas geprägt, umgeben von einem grünen Auslauf mit einigen modernen Skulpturen, von denen „Der Mann, der die Wolken misst“ die originellste und am wenigsten abstoßende ist.

Die Anlage erinnert an einen Baumarkt auf der grünen Wiese. Sie hat rein gar nichts von dem, was man mit dem Ambiente einer französischen Weinbauregion verbindet. Eigentümer Philippe Raoux weiß das – und hat sich trotzdem so entschieden. Der bewusste Stilbruch soll einen zeitgemäßeren Umgang mit dem Bordeaux signalisieren. Die „Winery“ mit ihrem Riesenshop befindet sich im Médoc, einer der bekanntesten Bordeaux-Lagen, und fast alle Anregungen hat er sich im berühmt gewordenen Weingebiet von Napa Valley (Kalifornien) geholt. Die „Winery“ verspricht daher bereits vom Äußeren her einen ungewohnten Zugang zum Gegenstand. Sie ist eines der modernen Gesichter des Bordeaux, des Inbegriffs für Weinkultur, -erfahrung und des weltweit größten Anbaugebiets für Qualitätsweine mit klassifizierter Herkunftsbezeichnung.

Andere neue Gesichter, sympathischere als der Keller im Baumarkt-Kleid, treffen wir im Restaurant, obgleich auch sie kurzzeitig mit amerikanischer Flachkultur assoziiert wurden: die vier Winzerinnen der „Médocaines“, die wegen ihres unkonventionellen Vorstoßes zur flexibleren Vermarktung des „heiligen“ Bordeaux-Weins schon mal „Desperate Housewives“ getauft wurden – die charmante Viererbande mit Martine Cazeneuve, Armelle Falcy-Cruse, Florence Lafragette und Marie-Laure Lurton.

Die „Mesdames Médoc“ haben es zur Prominenz im Bordelais, zur Fernsehbekanntheit in Frankreich und bei Weinfreunden in aller Welt gebracht. Ihre Geschichte ist eines der Beispiele für Veränderungen im Gebiet der Weinhauptstadt der Welt, und das kam so: Kurz vor der Lese 2005, die bekanntlich einen Spitzenjahrgang lieferte, regten die Frauen Cazeneuve und Lurton im Winzerverband an, die lange unnahbar gehaltenen Güter des Bordelais für den Tourismus, für einen direkteren Zugang zum Thema Bordeaux-Wein und damit für verbesserte Wettbewerbspositionen im weltweit immer brutaler werdenden Konkurrenzkampf zu öffnen.

Es war Florence Lafragette, Besitzerin des Guts „Château Loudenne” im Nordwesten des Médoc, die als erste die Frage stellte: „Warum öffnen wir eigentlich nicht unsere Châteaux für Gäste in der Weinernte?“ Und es war Armelles Ehemann Nicolas, der unter Nicken vieler anderen Herren Winzer sagte: „Wenn ihr Spaß haben wollt, macht das von mir aus. Wir Männer haben für so was keine Zeit!“ Als über Florences Öffnungsantrag abgestimmt wurde, gingen ganze vier Hände hoch – von den vier Frauen, die uns nun im Restaurant gegenübersitzen, deren weiße und rote Bordeaux-Weine, allesamt klassifiziert, wir kosten und die unter dem Namen „Les Médocaines“ (Die Frauen des Médoc) in kurzer Zeit so viel in Bewegung gesetzt haben, dass nach den Worten von Armelle Falcy-Cruse „neulich sogar der erste männliche Winzer beantragte, Mitglied bei den ,Médocaines’ zu werden...“

Ihr Konzept ist ebenso einfach wie naheliegend. Und doch bedurfte es vielleicht erst der Aufgeschlossenheit und des fehlenden Platzhirschgehabes von Frauen, damit die Sache Fahrt aufnehmen konnte. Heute stehen die Güter der vier Winzerinnen, die allesamt im Médoc, zwischen Bordeaux und Atlantikküste liegen, während der Lese wöchentlich an einem Tag Besuchern und Weinfreunden offen.

Außerhalb der Ernte veranstalten die „Mesdames Médoc“ einmal pro Woche im Rahmen eines Tagesprogramms die Besichtigung ihrer Güter und mehrere interaktive Runden: eine Kochwerkstatt, in der die Winzerinnen französische Gerichte zubereiten und dazu entsprechende Weine reichen; natürlich Verkostungen der hauseigenen Bordeaux-Weine und eine Probe, bei der die Besucher die Zusammensetzung des Weins erraten können.

Eine der Besonderheiten des Bordeaux’ besteht ja darin, dass er im Gegensatz zu anderen Weinregionen Frankreichs und anderer Länder in der Regel aus einer Assemblage (Komposition) verschiedener Sorten stammt. Wenngleich jede Sorte ihre Eigenschaften hat – im Bordelais beim dominierenden Roten (89 Prozent des Anbaus) vor allem Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc –, ist es erst der Zusammenklang der Rebsorten, der sich in der Assemblage voll entfaltet und dem Bordeaux seine Noblesse gibt. Beispiel: Bei Kombination von Cabernet Sauvignon und Merlot verhilft Ersterer dem Merlot zu besserer Lagerfähigkeit, indem er seine Gerbstoff-(Tannin-)Struktur stärkt, während Merlot dem Sauvignon mehr Geschmeidigkeit bringt. Zudem vermählen sich die Aromen beider Rebsorten – ganz wie die Farben auf einem Gemälde von Monet.

Die Tagesausflüge auf die Güter von Martine und Marie-Laure, Armelle und Florence (www.lesmedocaines.com) beginnen und enden in Bordeaux. Sie kosten 80 Euro pro Person und beinhalten Bustarif, Verkostung, Werkstatt, Imbiss auf dem Feld (während der Weinlese) und ein Mittagessen. Armelle Falcy-Cruse berichtet, dass sich mittlerweile ein Drittel ihres Geschäfts aus dieser Art Tourismus speist. Die Weinfreunde kommen vor allem aus dem Ausland. Am Morgen unseres Treffs hatten die vier Frauen unter anderem einen Bus mit begeisterten Deutschen aus Ulm zu Gast.

Sie begrüßen viele Chinesen, Schweizer, Japaner und Briten, und Gäste aus New York seien zuletzt besonders stolz darauf gewesen, dass die Initiative zu diesem Tête-à-Tête mit der bekanntesten Weinregion der Welt von Frauen begonnen wurde.

Marie-Laure Lurton, eine Grande Dame von 154 Zentimetern, die acht Marathons, darunter den von Paris, gelaufen ist, einer Weindynastie entstammt und drei Güter bewirtschaftet, bündelt das, was „Les Médocaines“ erreichten: „Wir wollten dem Bordeaux etwas von seinem Heiligenschein nehmen. Bei dem, was wir angestoßen haben, tun sich Frauen offenkundig leichter als Männer. Sie haben weniger Angst, Wissen und Erfahrung zu teilen. Jedenfalls sind wir dabei, das Image von Bordeaux zu ändern.“ Armelle, die lebhafteste der vier, verspricht: „Unser Herangehen wird in zehn Jahren die Regel sein.“

Naheliegend. Und doch bedurfte es vielleicht erst der Aufgeschlossenheit und des fehlenden Platzhirschgehabes von Frauen, damit die Sache Fahrt aufnehmen konnte. Heute stehen die Güter der vier Winzerinnen, die allesamt im Médoc, zwischen Bordeaux und Atlantikküste liegen, während der Lese wöchentlich an einem Tag Besuchern und Weinfreunden offen.

Außerhalb der Ernte veranstalten die „Mesdames Médoc“ einmal pro Woche im Rahmen eines Tagesprogramms die Besichtigung ihrer Güter und mehrere interaktive Runden: eine Kochwerkstatt, in der die Winzerinnen französische Gerichte zubereiten und dazu entsprechende Weine reichen; natürlich Verkostungen der hauseigenen Bordeaux-Weine und eine Probe, bei der die Besucher die Zusammensetzung des Weins erraten können.

Eine der Besonderheiten des Bordeaux’ besteht ja darin, dass er im Gegensatz zu anderen Weinregionen Frankreichs und anderer Länder in der Regel aus einer Assemblage (Komposition) verschiedener Sorten stammt. Wenngleich jede Sorte ihre Eigenschaften hat – im Bordelais beim dominierenden Roten (89 Prozent des Anbaus) vor allem Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc –, ist es erst der Zusammenklang der Rebsorten, der sich in der Assemblage voll entfaltet und dem Bordeaux seine Noblesse gibt. Beispiel: Bei Kombination von Cabernet Sauvignon und Merlot verhilft Ersterer dem Merlot zu besserer Lagerfähigkeit, indem er seine Gerbstoff-(Tannin-)Struktur stärkt, während Merlot dem Sauvignon mehr Geschmeidigkeit bringt. Zudem vermählen sich die Aromen beider Rebsorten – ganz wie die Farben auf einem Gemälde von Monet.

Die Tagesausflüge auf die Güter von Martine und Marie-Laure, Armelle und Florence (www.lesmedocaines.com) beginnen und enden in Bordeaux. Sie kosten 80 Euro pro Person und beinhalten Bustarif, Verkostung, Werkstatt, Imbiss auf dem Feld (während der Weinlese) und ein Mittagessen. Armelle Falcy-Cruse berichtet, dass sich mittlerweile ein Drittel ihres Geschäfts aus dieser Art Tourismus speist. Die Weinfreunde kommen vor allem aus dem Ausland. Am Morgen unseres Treffs hatten die vier Frauen unter anderem einen Bus mit begeisterten Deutschen aus Ulm zu Gast.

Sie begrüßen viele Chinesen, Schweizer, Japaner und Briten, und Gäste aus New York seien zuletzt besonders stolz darauf gewesen, dass die Initiative zu diesem Tête-à-Tête mit der bekanntesten Weinregion der Welt von Frauen begonnen wurde.

Marie-Laure Lurton, eine Grande Dame von 154 Zentimetern, die acht Marathons, darunter den von Paris, gelaufen ist, einer Weindynastie entstammt und drei Güter bewirtschaftet, bündelt das, was „Les Médocaines“ erreichten: „Wir wollten dem Bordeaux etwas von seinem Heiligenschein nehmen. Bei dem, was wir angestoßen haben, tun sich Frauen offenkundig leichter als Männer. Sie haben weniger Angst, Wissen und Erfahrung zu teilen. Jedenfalls sind wir dabei, das Image von Bordeaux zu ändern.“ Armelle, die lebhafteste der vier, verspricht: „Unser Herangehen wird in zehn Jahren die Regel sein.“

Gute Behandlung für besten Genuss

Wein ist ein lebendes Produkt, guter Wein, wie so viele Sorten aus dem Raum Bordeaux, entsprechend empfindlich. Um das Beste aus ihm herauszuholen, wenn der Augenblick des Genusses gekommen ist, sollte man ihn gut behandeln. Ein paar Tipps – für Bordeaux und andere schöne Weine:

• Flaschen stets aufrecht und nie bei starker Hitze oder extremer Kälte transportieren.

• Bei konstanter Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 Prozent, gedämpftem Licht (kein Neon), zwischen 12 und 14 Grad Celsius, alternativ im normalen Keller mit maximal 18 Grad oder im Weinklima- klimaschrank lagern.

• Lagerfähigkeit eines Weins hängt ab von: Typ, Jahrgang, Herkunftsbezeichnung (besonders von Lage/Cru), den Methoden der Zubereitung und Reifung, Kellerbedingungen und Flaschengröße. Weine reifen umso langsamer, je größer die Flasche ist.

• Optimale Verkostungstemperatur: Süßweine 6 bis 8 Grad Celsius, trockene Weißweine und Rosés 8 bis 10 Grad, trockene weiße Qualitätsweine und Clairets 11 bis 12 Grad, Rotweine 16 bis 18 Grad.

• Geruchsanalyse: Glas zur Nase führen, ohne zu schwenken. Im Abstand von 10, dann von 5 Zenti- metern, zuletzt direkt überm Glas riechen. Anschließend das Glas leicht schwenken, um den Wein zu belüften.

• Geschmacksanalyse: Einen kleinen Schluck nehmen und den Wein „kauen”, um die Geschmacks- nerven damit zu imprägnieren. Ein wenig Luft durch den Mund ziehen und durch die Nase wie- der aus atmen. Dann schlucken. Messen Sie die Zeit, in der Sie die sensorischen Eigenschaften des Weins wahrnehmen können. Dauert es lange, sagt man, der Wein habe einen langen Abgang

Reiner Oschmann

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