Urteile, die jeder Anleger kennen sollte
Der Bundesgerichtshof und das Landgericht Hamburg haben in den letzten Wochen wichtige...
Wohin mit seinem Ersparten? An der Zinsfront herrscht verdächtige Ruhe, schon seit Wochen gibt es kaum Änderungen. Und jetzt werden bald die 5 %-Festgelder vom Jahresende 2008 / Anfang 2009 fällig - man darf gespannt sein, wie Banken diese Gelder halten wollen. Die Durchschnittssätze bei Tagesgeld und Festgeld haben die "1" vor dem Komma. Auch bei längeren Laufzeiten ist nicht viel zu holen. Finanzexpertin Anette Rehm von Geld-Magazin.de hat per 1. Dezember die besten Angebote für Sie zusammengestellt.
Tagesgeld
Eingangs ein Wort zur Einlagensicherung: Als einer der Wenigen im Lande hatte Anette Rehm bereits im September 2008 auf die geringe Einlagensicherung bei der Kaupthing Edge hingewiesen, obwohl sie damals in allen Vergleichen Spitzenreiter war. Kaupthing Edge ist Geschichte; aber auch weiterhin sollte das Thema Sicherheit der Einlagen bei der Anlageentscheidung eine wichtige Rolle spielen. Bei fraglichen Fällen weisen wir auch künftig jeweils darauf hin.
Spitzenreiter ist seit langen Wochen die 1822direkt, die einzige Direkt-Sparkasse: Sie zahlt seit 3. Juni bis zu 2,75 % p.a. - der Zinssatz setzt sich zusammen aus dem variablen Basiszins von 1,30 % p.a. und einem garantiertem Zinszuschlag von 1,45 % p.a. Der Zinszuschlag wird bis 05.03.2010 (für Kontoeröffnungen ab 16.11.) garantiert, nicht aber der variable Basiszins - dieser kann sich ändern. Vorteil gegenüber den niederländischen Anbietern: Die deutsche Einlagensicherung, sowie die zusätzliche Absicherung in voller Höhe der Einlagen durch die Sparkassenorganisation. Die 2,75 % gibt es bis 20.000 Euro, darüber hinaus geht es gestaffelt nach unten (2,30 % bis 50.000 Euro, bis zu 0,5 % ab 500.000 Euro Einlage).
Die 1822direkt wurde übrigens aktuell von ntv und Finanzexperten Max Herbst, FMH, zur besten Tagesgeldbank 2009 gekürt - Kriterium war, über einen langen Zeitraum kontinuierlich gute Zinsen zu bieten, sowohl für Neu- als auch Bestandskunden.
Lange Zeit immer vorne dabei: Die Bank of Scotland (nicht zu verwechseln mit der Royal Bank of Scotland!) zahlt seit 10. November 2,30 % p.a.
Hier greift im Schadensfall erst die britische Einlagensicherung (bis 50.000 Pfund), danach und darüber hinaus dann erst die deutsche. Denn die Bank hat nur eine Niederlassung in Deutschland, sie ist keine deutsche Bank.
Seit 5. September gibt es bei der ING DiBa für alle Neueröffnungen des Extra-Kontos 2,50% p.a. Für die Bestandskunden wird das "neue Geld", das vom 5. bis 25.09. einbezahlt wurde, noch bis 31.1.2010 mit 2,50% verzinst. "Normal" gibt es seit 1. Mai 1,50 % p.a.. Damit nicht vorher Gelder abgezogen wurden, um sie dann "neu" wieder zurückzubuchen, hat die DiBa die Kunden konzertiert erst am 5.09. informiert, der Kontostand per 4.09. wurde festgehalten.
Und jetzt hat sie noch nachgeschoben: Bei Neueröffnungen gibt es eine 25 Euro-Gutschrift (Mindesteinlage nach 4 Wochen: 5.000 Euro). Das erhöht den Zins quasi nochmal um 0,5 %-Punkte, wenn man nur die Mindesteinlage einzahlt.
Negativbeispiel I: Die holländische Credite Europe Bank hatte viele Monaten sehr hohe Zinsen, und damit viele Neukunden gewonnen. Die Zeiten sind leider vorbei: Seit 8.9. gibt es nur noch 1,50 % p.a. Diejenigen, die gewechselt haben, haben nun magere Zinsen ....
Die anderen Niederländer, NIBC, haben am 17.11. ohne vorherige Ankündigung gesenkt: 2,10 % p.a. gibt es nun.
Mal sehen, ob die anderen niederländischen Anbieter jetzt - wie sonst auch - kurzfristig nachziehen. Garanti hat schon reagiert, ab 19. November liegen sie bei 1,90 % (bisher: 2,00 %). Nur die Akbank bietet noch 2,10 % p.a., seit 1. September.
Die Absicherung im Pleitefall liegt bei niederländischen Banken aktuell bei 100.000 Euro (staatlich garantiert, inzwischen bis 31.12.2010). Damit dürften "normale" Tagesgeldanleger durchaus auskommen. Bei deutschen Banken, die dem Einlagensicherungsfonds normalerweise immer angehören, liegt der abgesicherte Betrag jeweils im 7 stelligen Bereich.
Augenwischerei ist das Angebot der Advanzia Bank: 3,93 % gibt es ... aber nur für 1 Monat, nur für Neukunden, danach gibt es 1,74 %. Da die Luxemburger (Einlagen staatlich garantiert bis 50.000 Euro) monatlich die Zinsen gutschreiben, heißt das effektiv 4 % und 2,30 % - als Rendite für das 1. Jahr kommen so 2,98 % heraus.
Die comdirect, früher für sehr gute Zinsen bekannt, zahlt seit 15.6. bei Neukunden folgende Zinsstaffel: 1,75 % p.a. von 0 bis 5.000 Euro. Oberhalb 5.000 Euro geht es dann gestaffelt weiter, erst 1,25 %, ab 30.000 Euro nur noch 1 % und ab 50.000 Euro gar nur 0,50 % Guthabenzins p.a.. Sehr verwirrend, das Ganze. Die Zinsgutschrift ist vierteljährlich, also ein kleiner Zinseszinseffekt.
Die VW Direkt, die Autobank, zahlt nur noch 1,60 % p.a.
Die norisbank senkte bereits per 8.5. auf 1,50 % p.a. für das Top3Zinskonto. Etwas wird die Rendite noch durch die quartalsweise Zinsgutschrift (und den damit verbundenen Zinseszinseffekt) verbessert. Die "Top3"-Zinsgarantie (sie bezieht sich auf den durchschnittlichen Zinssatz der größten 10 deutschen Banken mit Tagesgeld-Angebot der letzten 12 Monate auf 5 Beispiel-Guthaben, die norisbank will immer bei diesen Top3 liegen) gelte immer noch.
An der Veränderung der Zinssätze sieht man, wie wichtig es ist, einen relativ konstanten Anbieter zu wählen - sonst hat man gerade gewechselt, und kurz danach ist der Spitzenzinssatz keiner mehr.
Auch die bisher vergleichsweise konstante netbank (eine reine online-Bank) senkt die Zinsen und zahlt ab 1.10. "nur" noch 1,5 % p.a. und läßt die Besserstellung für Neukunden entfallen. Gut bei der netbank ist die quartalsweise Gutschrift, so kommt - im Vergleich zur Zinsgutschrift nur einmal jährlich - noch ein Zinseszinseffekt dazu; denn die Zinsen bringen dann gleich wieder Zinsen.
Negativbeispiel II: Nachdem die Mercedes-Benz Bank zu Jahresbeginn von den Anträgen zu Tagesgeld und Festgeld überrollt wurde, und nicht nachkam mit den Kontoeröffnungen, hat sich die Lage inzwischen normalisiert. Das liegt aber auch an den Zinssätzen, die ab 31.7. sogar unter Marktdurchschnitt liegen werden: derzeit 1,50 % p.a., ab 31.7. dann 1,30 % (bzw. 1,10 % bei Nicht-Online-Kontoführung). Kunden, die wegen der Superzinsen dorthin gewechselt sind, haben jetzt das Nachsehen ....
Neu bietet die Citibank ein Tagesgeld an, Kondition 1,60 % p.a. Gut: Man kann darüber auch am Geldautomaten verfügen. Schlecht: Man muss ein Verrechnungskonto (Girokonto) eröffnen, dass nur bei einer Gesamteinlage von mindestens 2.500 Euro gebühren frei bleibt.
Neu seit Sommer ist auch der Anbieter Fidor mit dem "Ficoba Community Tagesgeld" zu aktuell 3,01 % p.a. Das ist offensichtlich darauf angelegt, derzeit einen Tick besser zu sein als die anderen Angebote. Dahinter steht Fidor Community Banking, eine Internetplattform. Diese vermittelt das Tagesgeld nur, der Produktgeber ist die SWK Bank, Bingen. Und diese ist nicht Mitglied in einem Einlagensicherungsfonds; damit sind die Einlagen "nur" staatlich abgesichert, bis 50.000 Euro. Zweiter Haken: Man muss sich für das Bonusprogramm von Fidor anmelden, bevor man das Tagesgeld abschliessen kann ... kostet zwar nichts, aber Sie kriegen viele schöne Angebote, die Sie bitte schön abschliessen sollen ...
Ein neuer Anbieter in diesem Kreis ist die noa bank, eine deutsche Bank mit Fokus auf ethischen, nachhaltigen und ökologischen Finanzprodukten, die "Ihrem Geld Sinn geben will". Zur Zeit bietet sie auf Tagesgeld 2,20 %, abgesichert nach deutscher Einlagensicherung.
Die Kondition der Tagesanleihe des Bundes, gestartet als Alternative zu den Tagesgeldkonten der Banken, ist weiterhin unattraktiv: 0,28 % (aktueller Tageszins), bei einem Kurs von 100,55 %. Aus Konditionssicht eher keine so gute Wahl! Da kann die Werbefigur Günther Schild, die Schildkröte, noch so putzig und entspannt aussehen und im Fernseh-Spot trommeln!
Normale sicherheitsbewußte Anleger fahren mit einem Konto bei einer deutschen Bank besser, sprich die dem deutschen Einlagensicherungsfonds angehört, und auch dem deutschen Anlegerschutz wie von der Regierung garantiert unterliegt. Denn die Zinsen sind eigentlich fast bei jeder Bank oder Sparkasse besser als bei der Tagesanleihe.
Festgeld
Für Festgeld aus Anlegersicht spricht, dass Sie sich den Zinssatz über die komplette Laufzeit sichern, Senkungen gelten nur für Neuabschlüsse. Tagesgeld wird i.d.R. (Ausnahme garantierter Zins) variabel verzinst, d.h. jede Zinssenkung schlägt voll durch. Dass das für die Banken günstiger ist, merkt man an den inzwischen häufig höheren Tagesgeld- als Festgeldzinsen einzelner Banken.
Die Bank of Scotland hat Anfang Oktober Festgeld neu eingeführt, und ändert seitdem munter die Kondition. Aktuell liegt der Zins für die Laufzeit von 2 Jahren jetzt bei 2,35%, für 3 Jahre gibt es 3,10% und für 4 Jahre bei 3,50%. Weder eine Mindest- noch eine Höchsteinlage begrenzen den Anlagebetrag. Statt der jährlichen kann auch eine monatliche Zinsgutschrift bei entsprechend niedrigeren Nominalzinsen gewählt werden.
Die ING DiBa zahlt seit 10. November für 6 Monate 1,80 % (allerdings erst ab einer Anlagesumme von 50.000 Euro, ab 10.000 Euro sind es nur 1,50%), für 12 Monate gibt es auch nur 1,50 % p.a., unabhängig vom Anlagebetrag (Minimum 10.000 Euro). Auch die Laufzeit 3 Monate wird weiterhin mit 1,50 % angeboten. Damit sind es keine echten Alternativen zum für Bestandskunden ebenfalls nicht sehr attraktiven Tagesgeld.
Bisher recht gut bei der Laufzeit 12 Monate, gibt es bei der niederländischen Credit Europe Bank seit 8.9. nur noch 1,50 %. Durch die Verlängerung der Staatsgarantie für die Einlagen von Oktober 2009 auf Ende 2010 wären zwar die Festgelder 12 Monate bei niederländischen Banken wieder interessant - 100.000 Euro sind je Kunde abgesichert. Aber bei den Konditionen eher nicht ....
Ansonsten findet derzeit ein reger Wechsel der "Spitzenanbieter" statt - viele zeigen keine Konstanz. Zum eigentlichen Spitzenreiter mit 3,30 %, der BIG Bank, weiter unten - hiervon raten wir ab.
Die ICICI Bank, die Tochter einer indischen Bank, bot lange Zeit noch als Einzige die 3,00 %, seit 7.10. gibt es nur noch 2,60 % auf 12 Monate. Die Einlagen sind analog der Bank of Scotland zuerst nach britischem, und nachfolgend nach deutschem Recht abgesichert. Also besteht Schutz bis zu 50.000 Pfund je Anleger, die eventuelle Beantragung und Korrespondenz im Schadensfall muss dann natürlich (wie auch bei der Kauthing Edge) in Englisch geführt werden ....
Die Akbank, eine niederländische Bank, zahlt seit 1. September nur noch 2,50 % für 12 Monate, die Einlagensicherung erfolgt über die Staatsgarantie.
Neben dem Tagesgeld senkte die NIBC Direct am 17.11. ohne Vorwarnung auch die Festgeldkondition: auf 2,40 % p.a. für 12 Monate, ebenfalls durch die niederländische Staatsgarantie abgesichert.
Ein Beispiel für "Genaues Hinsehen erforderlich!": Die SWK Bank bietet ab 9.November 2,55 % für 12 Monate. Der "Haken": sie ist nicht Mitglied im Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken, sondern "nur" bei der gesetzlichen Einlagensicherung. Damit sind Einlagen bis maximal 50.000 Euro abgedeckt.
Die comdirect zahlt inzwischen nur noch 0,5 % für 3 Monate (0,6 % oberhalb 50.000 Euro), längere Laufzeiten werden nicht mehr mit Festgeld bedient. Alternativ wird das Laufzeitkonto mit einem Zins von "bis zu 3,33% p.a." (für 5 Jahre, für 1 Jahr oder 3 bzw. 4 Jahre gibt es maximal 2,25 % p.a.) angeboten.
Tipp: Einige Banken und Sparkassen versuchen derzeit mit längeren Laufzeiten (Berliner Bank 3 % auf 3 Jahre) höhere Zinssätze zu bieten. Der Nachteil: die lange Festlegung - derzeit sollte man einen Anlagehorizont von 1 bis 2 Jahren wählen. Und sich nicht langfristig mit Zinsen zufrieden geben, die auch mit Tagesgeld sowie kürzeren Laufzeiten erreicht werden können.
Wer sich dennoch traut: die Credit Europe Bank zahlt für Festgeld 10 Jahre 4,25 % p.a., für 5 Jahre immerhin 3,25 %, Kondition ab 29.10. - der "Haken": die niederländische Staatsgarantie für die Einlagen ist derzeit auf 31.12.2010 befristet. Positiv dagegen: bei den Laufzeiten 7 Jahre (4 % p.a.) und 10 Jahren werden die Zinsen monatlich gutgeschrieben.
Vorsicht ist auch bei dem Angebot der BIGBANK geboten. Für 12 Monate bietet sie 3,30 % - das ist zwar derzeit der höchste Zinssatz. Und der Zins für Laufzeiten 48 bis 60 Monate und mehr als 30.000 Euro beträgt stolze 4,30 %. Die Haken (jawohl, mehrere ...): Zinszahlung am Laufzeitende, also kein Zinseszinseffekt. Es handelt sich um eine Bank aus Estland, in Deutschland nur online vertreten. Abgesichert sind die Einlagen nach EU-Recht, also jeweils 50.000 Euro je Kunde Staatsgarantie. Nur (siehe Island und Kaupthing Edge) ist diese staatliche Garantie nichts wert, wenn der Staat selbst pleite geht - dieses Risiko ist bei kleineren Staaten eher gegeben als bei grossen. BIG heißt in diesem Zusammenhang nicht "gross", sondern ist die Abkürzung für Balti Investeeringute Grupi; die Bank wurde 1992 gegründet.
Gutzis und Alternativen
Darf es auch etwas anderes als klassisches Tagesgeld oder Festgeld sein? Hier einige interessante Alternativen:
Darf es auch etwas anderes als klassisches Tagesgeld oder Festgeld sein? Hier einige interessante Alternativen:
Wer sich für Sparpläne interessiert: bei der Debeka Bausparkasse gibt es den Bausparvertrag als Sparvertrag mit einer Rendite (nach FINANZtest) von knapp 3 % p.a., zuzüglich eventueller staatlicher Förderung.
Wer ein "alles in einem"-Konto möchte, für den wird das DKB-Cash-Konto jetzt immer interessanter: kostenloses Girokonto, überall gebührenfrei Geld abheben, und 2,05 % p.a. auf die Einlagen, täglich verfügbar.
Was wir nicht empfehlen, sind Kombinationsprodukte aus Festgeld und Fonds. Hier wird zwar für das Festgeld ein sehr hoher Zins (z.B. 5 % beim Allianz Festgeld Plus) geboten, dafür muss man aber auch Fonds kaufen, häufig mit hohen Gebühren und Kosten. Damit sind meist die Zinsen schon wieder aufgezehrt.
Einige der genannten Produkte hat Geld-Magazin.de bereits in der Rubrik "Produkt im Test" getestet - dort sehen Sie weitere Details.
Gold als Ausweg?
Gold sollte maximal als Beimischung, mit höchstens 10 % Ihres Vermögens, gekauft werden. Derzeit ist der Goldkurs - emotions- und spekulationsbedingt - bereits sehr hoch, da die Krisen- und Geldentwertungsangst eine große Rolle spielt. Einen ausführlichen Bericht dazu lesen Sie hier
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Anette Rehm
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