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Alles Öko, oder was?

Grün gewinnt, Bio ist in: nicht nur bei Lebensmitteln und Gebrauchsgütern – auch bei Finanzprodukten setzt sich der ökologische Ansatz immer mehr durch Wie definiert man denn "Öko-Baufinanzierung"? Ist das ein eigenes Produkt? Oder was ist es eigentlich?

Die GLS Bank gegründet 1974 mit Stammsitz Bochum, umschreibt es so:

"Bauen und der Erwerb von Wohneigentum wirken über die eigenen vier Wände hinaus, beispielsweise auf die Verkehrssituation, das Klima, die Natur und auf die Nachbarschaft." Dabei stehen die drei Buchstaben für Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken. Sie ist bundesweit direkt (Telefon, Brief, Internet) tätig, dazu kommen Filialen in Frankfurt, Berlin, Freiburg, München, Hamburg und Stuttgart. Ende 2008 betreute sie rund 62.000 Kunden, die Bilanzsumme betrug für das GJ 2008 runde 1,013 Mrd. Euro.

"Die GLS Bank arbeitet bei allen Bankangeboten – vom Girokonto über das Vermögensmanagement bis hin zu Finanzierungen – nach strengen sozial-ökologischen Grundsätzen", erklärt GLS-Pressesprecher Christof Lützel. Damit stellt die Bank das soziale, ökologische und kulturelle Engagement von Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Für diese Zielgruppe bietet sie auch Baufinanzierungen an. Aber der "grüne Aspekt" wird nicht nur in Worten, sondern auch monetär belohnt. Denn die GLS Bank bietet eine Sonderkondition für Nachhaltigkeit. Die gibt es, wenn beim Bauen oder Modernisieren "ökologische und Nachhaltigkeitskriterien" berücksichtigt werden. Das wären z.B. der Bau eines Passivhauses oder die Verwendung umweltverträglicher Baumaterialien. Der Zinssatz liege bis zu 0,5 %-Punkte unter den Normalkonditionen der Bank; ihn gibt es bei einer Zinsbindungszeit bis 10 Jahre, und bis zu einem benötigten Betrag von 100.000 Euro.

Nun kann der Darlehensinteressent ja viel versprechen; die Bank prüft den Anspruch auf Sonderkondition. So muss z.B. eine Liste der verwendeten Baustoffe angegeben werden, die auch vom Bauherrn bzw. dem Architekten unterzeichnet sein muss. Dabei wird auch per Unterschrift versichert, dass keine PVC-haltigen Materialien verwendet wurden.

Andere Kriterien für nachhaltiges, ökologisches Bauen sind in den Augen der GLS Bank z.B.:

  • Niedriger Energiebedarf, z.B. Passivhausstandard (Jahresheizwärmebedarf unter 15 kWh/m2 Wohnfläche)
  • Energiesparmaßnahmen im Bestand (Modernisierung)
  • Nutzung regenerativer Energien (Solaranlagen, Heizen mit nachwachsenden Rohstoffen)
  • Verwendung nachwachsender, naturbelassener Rohstoffe (Holz, Kork, Wolle)
  • Verwendung recycelter Baustoffe (Steine, Balken, Türen, Fenster)
  • Regenwassernutzung
  • Verwendung schadstofffrei hergestellter Baustoffe (Tapeten, Farben)
  • optimale Wohnflächenausnutzung
  • Nutzung bestehender Gebäude (Altbausanierung, Umwandlung ehemaliger gewerblicher Immobilien in Wohnraum)
  • optimale Flächennutzung (Mehrfamilienhäuser, Schließung von Baulücken innerorts)
  • verkehrsberuhigtes Bauen (Verzicht auf Garagen- und Parkflächen beim Haus, Anbindung des Wohngebietes an den ÖPNV)
  • Installation von kleinen Photovoltaikanlagen oder ökologischen Heizsystemen

Die GLS verbindet den Nachhaltigkeitsgedanken auch mit Web 2.0 – sie bietet auf der Plattform Utopia.de, dem "Internetportal für nachhaltigen Konsum", einen Blog an. So können alle Interessierten mit der Bank ins Gespräch kommen.

Andere Banken, die sich dem ökologischen und nachhaltigem Aspekt verschrieben haben, sind die Umweltbank und die EthikBank.

Die Umweltbank gegründet 1997, Sitz Nürnberg, hat keine Filialen, sondern bietet ihre Finanzprodukte direkt, per Telefon, Brief oder Internet an. Mit der Bilanzsumme 1,025 Mrd. Euro im GJ 2007 ist sie die größte der drei "Öko-Banken", mit rund 60.000 Kunden.

Sie sieht sich als Direkt- und Beraterbank, die ausschließlich auf den Bereich der ethisch-ökologischen Geldanlage spezialisiert ist. Sie bietet ihren Anlegern nach eigenen Worten "attraktiv verzinste ökologische Geldanlagen und finanziert damit zu Vorzugskonditionen umweltfreundliche Projekte". Dazu gehören natürlich auch Baufinanzierungen für Ökohäuser ; sie hat bisher über 2.800 Passiv-, Solar- und Holzhäuser finanziert. Das wären rund 28 % des gesamten Kreditportfolios der Umweltbank, noch stärker wird die Finanzierung von gewerblichen Photovoltaikanlagen betrieben.

Zusammengefasst belohnt die Umweltbank folgende Massnahmen mit nach eigener Aussage niedrigen Baufinanzierungskonditionen:

  • Verwendung von ökologischen Baustoffen
  • Sanierung / Erhalt bestehender Gebäudesubstanz
  • Wärmedämmung
  • geringer Energieverbrauch
  • eine solarthermische Anlage
  • eine Photovoltaik-Anlage
  • eine Biomasse-Heizung (z.B. Holzhackschnitzel, Pellets, Pflanzenöl)
  • Einbau einer Wärmepumpe
  • Regenwassernutzung
  • Fassadenbegrünung
  • Innenausbau mit ökologischen Materialien.

Seit Februar 2009 neu im Angebot ist der ÖkoBaukredit bei der EthikBank.

Auch die EthikBank ist eine Direktbank, "serviceorientiert mit ökologischer und sozialer Verantwortung". Sitz ist Eisenberg bei Jena, gegründet wurde sie 2002, als Tochter der Volksbank Eisenberg eG, übrigens eine der innovativsten Volksbanken Deutschlands. Die EthikBank ist "klein aber fein"; die Kundenzahl beträgt knapp 8.000, die Bilanzsumme Ende 2008 lag bei 71 Mio. Euro.

Sylke Schröder, Vorstand EthikBank

Sylke Schröder, Vorstand EthikBank

Sylke Schröder, Vorstand der EthikBank, ist sich der Verantwortung des Bankgeschäfts und gegenüber den Ansprüchen bewußt: "Wir sind davon überzeugt, dass nur solche Unternehmen langfristig erfolgreich sind, die ihre wirtschaftlichen Interessen mit ihrer sozialökogischen Verantwortung in Einklang bringen, und nicht wirtschaftlichen Erfolg auf Kosten anderer Menschen erzielen wollen." Zuerst mit Einlage- und Girokonten am Markt, wurde im August 2008 mit guter Akzeptanz ein ÖkoKredit (Privatdarlehen für ökologische und soziale Projekte, Darlehenssummen zwischen 3.000 und 40.000 Euro) eingeführt.

Ihm folgte im 1. Quartal 2009 dann das Baufinanzierungsangebot. Dabei gibt die EthikBank die Vertrauengarantie, dass jeder vertragsgemäß bediente ÖkoBaukredit nicht weiterverkauft wird – das Thema "Kreditverkauf" an Spekulanten hatte Anfang 2008 für grosse Verunsicherung bei Baufinanzierungskunden gesorgt, denn die gängige Praxis diverser Kreditinstitute, ihre Forderungen aus Baufinanzierungen an andere Institute weiterzuverkaufen, wurde damals wegen einiger Negativfälle stark kritisiert (Spekulanten kündigten bis dato ordnungsgemäß bediente Hypothekendarlehen bei der ersten Zahlungsschwierigkeit bzw. anstehender Prolongation und forderten die Rückzahlung der ausstehenden Darlehenssumme auf einen Schlag).

Der ÖkoBaukredit finanziert den Bau, Kauf oder die Umschuldung für alle Immobilien, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

Kriterien ÖkoBaukredit der EthikBank

Kriterien ÖkoBaukredit der EthikBank

Die ökologische Verwendung weist der Kunde der EthikBank durch das Kostenangebot und die Handwerkerrechnung nach.

"Unseren Kunden ist wichtig, dass ihr Geld "in guten Händen" ist," so Sylke Schröder. "Und dies gilt natürlich auch umgekehrt für die Baufinanzierung – hier sollen natürlich auch nur Vorhaben, die dem strengen Anspruch der EthikBank entsprechen, finanziert werden." Die ersten Anträge liegen vor, für Erfahrungen ist der Angebotszeitraum allerdings noch zu kurz.

Bausparkassen haben ebenfalls die Zeichen der Zeit erkannt und setzen auf Klimaschutz- und Umweltaspekte. So bietet die Debeka Bausparkasse schon seit längerem ein Debeka Öko-Darlehen an: das "Öko-Konstant". Es ist quasi eine Erweiterung des "normalen" Konstant-Darlehens (Kombination Vorausdarlehen und Bausparvertrag, mit Vorteil einer festen Rate während der gesamten Laufzeit bis Komplettrückzahlung, also keine Gefahr einer "Zinsfalle" bei auslaufender Zinsbindung und nötiger Anschlussfinanzierung zu ggf. höheren Zinsen). "Öko" wird bei der Debeka ebenfalls mit einem Zinsvorteil, nämlich minus 0,15 % auf den Nominalzins, belohnt. Die Darlehenssumme beträgt minimal 5.000, maximal leider nur 35.000 Euro. Die Debeka Bausparkasse will damit Bauherren und Eigenheimbesitzer, die energiebewusst und damit auch ökonomisch wie auch ökologisch planen und handeln, unterstützen: beim Bau von Energiesparhäusern sowie bei Modernisierungs- und Renovierungsmaßnahmen mit einem ökologischen Hintergrund. Im Detail sind dies:

  • Energiesparhaus nach KfW-Richtlinien
  • Wärmepumpe
  • Biomasse und Biogas-Anlage
  • Photovoltaik-Anlage
  • Geothermische Anlage
  • Wärmetauscher in Verbindung mit Wärmezurückgewinnungsanlage
  • Dach- oder Fassadenisolierungen
  • Einbau von Wärmeschutzverglasungen, Niedertemperaturkesseln oder Wärmerückgewinnungsanlagen.

Der Zusatzvorteil, wenn man sich für eine Öko-Baufinanzierung mit unterlegtem Bausparvertrag entscheidet: man kann auch vermögenswirksame Leistungen mit einfliessen lassen (also zahlt der Chef ein bißchen was von Ihrer Baufinanzierung …) und kriegt ggf. noch staatliche Förderung (Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmersparzulage).

Auch die Hamelner Bausparkasse BHW - inzwischen zur Postbank gehörend - bietet ein Öko-Darlehen an. Hier heißt das Produkt ebenfalls "Öko Konstant 10", ist aber nicht zu verwechseln mit dem Konstantdarlehen der Debeka Bausparkasse. Dazu gibt es auch noch ein "Modernisierung Konstant 10".

Bei der BHW wurde ein Darlehen der KfW-Förderbank (Programm Wohnraum Modernisieren Öko plus oder Wohnraum Modernisieren Standard, je nach zu verwirklichender Maßnahme) mit einem BHW-Bausparvertrag nach Tarif Dispo maXX gemixt. Aus der Zuteilung des Bausparvertrages wird nach 5 Jahren das KfW-Darlehen abgelöst; nach 10 Jahren ist das Öko Konstant 10 dann komplett zurückgezahlt. Wie der Name schon verrät, ist auch hier der Vorteil: konstante Rate über die komplette Laufzeit.

Es gelten also für den Erhalt des zinsgünstigen Darlehens die jeweiligen Programmvorausetzungen der KfW. Wenn man ganz strenge Maßstäbe anlegt, darf das "Modernisierung Konstant 10" eigentlich gar nicht zu den Öko-Baufinanzierungen gezählt werden … die Hamelner bieten es trotzdem unter diesem Label mit an.

Zu guter Letzt natürlich die grosse Frage: Wie sieht es mit den Konditionen aus? Muss man "das gute Gewissen" teuer (= mit schlechteren Konditionen) bezahlen? Wie liegen die Zinssätze im Marktvergleich?

Konditionsübersicht Öko-Baufinanzierungen

Konditionsübersicht Öko-Baufinanzierungen Stand 24.3.09

Konditionsübersicht Öko-Baufinanzierungen Stand 24.3.09

Für größere Darstellung bitte Übersicht anclicken.

Konditionen Stand 24. März 2009.

Die jeweils aktuelle Kondition sehen Sie auf den Internetauftritten der einzelnen Anbieter.

Natürlich können auch die entsprechenden KfW-Förderprogramme mit den genannten Öko-Darlehen kombiniert werden.

Die Konditionen einer Öko-Baufinanzierung im Vergleich zu einem "normalen" Hypothekendarlehen können sich also durchaus sehen lassen. GLS Bank und EthikBank betonen z.B. auch bewußt, dass sie keine "Zinsjäger" ansprechen, sondern verantwortungsbewußte Menschen, die gute, faire Konditionen verbunden mit sozialer Verantwortung honorieren. Und der Kunde profitiert sowieso auch monetär, denn die meisten finanzierten Maßnahmen fördern die Energieeinsparung und machen sich so im Geldbeutel positiv bemerkbar!

Anette Rehm

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