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Ein Schiff wird kommen ...!?

Die Anlageform Schiffsbeteiligungen muss sich derzeit mit negativen Schlagzeilen abfinden. Zu recht? Oder kann man gerade hier und jetzt eine gute Anlage tätigen? Michael Rathmann, Inhaber der MIRA GmbH und seit über 20 Jahren im Markt der Schiffsbeteiligungen tätig, gibt Antworten.

Herr Rathmann, was sind eigentlich Schiffsbeteiligungen? Wie muss ich mir das vorstellen?

Michael Rathmann: Schon die mediterrane Antike kannte Schiffsbeteiligungen. Geldgeber fanden sich zusammen, um den Bau von Handelsschiffen zu finanzieren. Sie vermieteten den Laderaum des fertigen Frachters an Kaufleute und erzielten daraus Renditen auf ihre Beteiligung und ihr eingesetztes Kapital. An diesem Prinzip hat sich bis heute nichts geändert. Die Investitionskosten für einen Schiffsneubau liegen im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich. Um ihn finanzierbar zu machen, gründet man eine Personengesellschaft, die das Schiff erwirbt und sucht Kapitalgeber, die sich mit Eigenmitteln an der Gesellschaft beteiligen. Der Kaufpreis für das Schiff wird dann aus dem eingezahlten Eigenkapital und einer Schiffshypothek bezahlt. Der Eigenkapitalanteil liegt dabei zwischen 35 und 50 Prozent.

Also kaufe ich einen winzigen Teil eines Schiffes?

Michael Rathmann: Nein, Sie können nicht sagen "dieser Anker oder das Rettungsboot gehört mir", sondern das Schiff gehört der Gesellschaft, beispielsweise einer GmbH & Co. KG. An dieser Gesellschaft sind Sie mit Ihrer Einlage als Kommanditist beteiligt und erhalten einen entsprechenden Anteil an deren Gewinn.

Und warum sind Schiffsbeteiligungen attraktiv für Anleger? Was ist das Besondere?

Michael Rathmann: Betriebswirtschaftlich gut konzipierte Schiffsbeteiligungen sind in der Lage, schon anfänglich Ausschüttungen an die Gesellschafter zu leisten, die zwischen 6 und 8 Prozent der Kapitaleinlage betragen. Das Besondere daran ist die Tonnagesteuer, eine spezielle Gewinnermittlungsart, die es so nur in der Schifffahrt gibt. Der Gewinn der Gesellschaft wird errechnet aus der Größe des Schiffes und ist daher eine konstante Rechengröße. Dieser steuerliche Gewinn entspricht etwa 0,1 bis 0,2 Prozent der geleisteten Kapitaleinlage und ist jedes Jahr der gleiche Betrag. Habe ich mich zum Beispiel mit 100.000 Euro an einem Schiff beteiligt, beträgt mein steuerpflichtiger Gewinnanteil lediglich 100 bis 200 Euro, obwohl der Auszahlungsbetrag zwischen 6.000 und 8.000 Euro liegt. Das bietet keine andere Form der Kapitalanlage. Es fällt übrigens auch keine Abgeltungsteuer an.

Also hohe Nach-Steuer-Renditen. Womit kann denn der Anleger rechnen? Und welche Risiken hat diese Anlageform?

Michael Rathmann: Die Nach-Steuer-Rendite ist schon sehr gut, und die anfänglichen Ausschüttungen können sich im Verlauf der Beteiligung deutlich steigern. Wenn es dem Management der Gesellschaft gelingt, das Schiff vor der üblichen Tilgungsdauer der Schiffshypothek von 12 bis 15 Jahren zu entschulden, geht der Spaß für die Anleger erst richtig los. Die Ausschüttungen steigen dann in den zweistelligen Prozentbereich; mehr als 20 Prozent pro Jahr sind keine Einzelfälle. Die erfolgreichste Beteiligung in meinem Portfolio hat vier Jahre hintereinander 26 Prozent des eingezahlten Kapitals ausgeschüttet. Aber es gibt natürlich auch Risiken, so wie bei jedem unternehmerischen Engagement. In der gegenwärtigen Weltwirtschaftslage hat auch die Schifffahrt Probleme. Aber wir haben in den letzten 20 Jahren vier Krisen in der Branche erlebt, die immer nur von einer gewissen Dauer waren und sich von selbst wieder erledigt haben. Rund 95 Prozent des Welthandels wird mit Schiffen betrieben … Nach jedem Tal kommt ein Berg!

Und wer sollte oder kann einsteigen? Nur Reiche? Wie lange ist denn der Anlagehorizont?

Michael Rathmann: Beteiligen kann sich grundsätzlich jeder Anleger, der über freie Liquidität verfügt. Die Einstiegssummen in diese Beteiligungsform liegen zwischen 10.000 bis 15.000 Euro. Die durchschnittliche Anlagedauer beträgt 15 bis 20 Jahre, aber es hat sich in den letzten Jahren ein stabiler Zweitmarkt entwickelt. Dort kann man seine Beteiligung auch vorzeitig zu einem fairen Handelskurs wieder veräußern.

Sind in Zeiten der Finanzkrise, wo so vieles den Bach hinunter geht, Schiffsbeteiligungen nicht auch extrem betroffen? Es gab aktuell einige Pleitefälle von Schiffs-Fonds.

Michael Rathmann: Die derzeitige Krise macht sich vor allem Schiffen bemerkbar, deren Charterverträge gerade jetzt auslaufen. In der Krise ist es ziemlich schwierig, Beschäftigung zu finden. Aber es sind nicht alle Schiffe gleichermaßen betroffen. Der Markt für Produktentanker präsentiert sich in glänzender Verfassung. Experten sehen ihn für die nächsten Jahre sehr stabil. Die von der Presse aufgebauschten Pleitefälle waren für mich keine Überraschung, weil man sich an diesen drei Schiffen ohnehin nicht hätte beteiligen sollen. Kenner der Szene haben dies mit einem lakonischen "war doch klar" abgetan. Schlimm ist nur, was die Presse daraus gemacht hat. Für die ist quasi die ganze Branche pleite. Denn für viele Journalisten gilt der Grundsatz: "Only bad news are good news" und das drückt halt auf die Stimmung. Ludwig Erhardt hatte recht: Ein großer Teil der Wirtschaft ist Psychologie!

Worauf sollte denn der Anleger achten? Und was sagen Sie als alter Hase? Können Sie derzeit guten Gewissens Schiffsbeteiligungen empfehlen?

Michael Rathmann: Der Interessent sollte prüfen, ob ein Beteiligungsangebot von einem guten und erfahrenen Emissionshaus herausgegeben wird. Da kann ein Blick in die Leistungsbilanz des Unternehmens schon hilfreich sein. Ansonsten sollte man die Hilfe eines Beraters in Anspruch nehmen, der sich mit der Materie auskennt. Ich beschäftige mich seit fast 20 Jahren ausschließlich mit dem Thema Schiffsbeteiligungen und bin sehr entspannt, was die gegenwärtige Situation betrifft. Es gibt weiterhin exzellente Angebote, mit denen die Anleger und ich selbst viel Freude haben werden.

Herr Rathmann, vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen finden Sie unter MIRA-Anlagen.de oder auf Geld-Magazin.de.

Anette Rehm

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