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Ohne Borten und Blenden

Die bezaubernde Blomenburg in Schleswig-Holstein lädt Familien und Singles, Junge und Jung­gebliebene, Eigentümer und Mieter ein, auf schönen Bauplätzen am Landschaftspark einen Wohn-Ort der Lebensart entstehen zu lassen. Gebaut werden soll mit besten Architekten. Wir haben drei Büros nach ersten Entwürfen befragt.

Das Blomenburg-Team plant, schönes und günstiges Bauland zum Ort der Lebensart zu machen. Wie könnte Ihr Beitrag aussehen?

Elmar L. Rottkamp: Neben dem scheinbaren Ende der Stadtflucht junger und jung gebliebender Mittelständler aufgrund von anonymen Einfamilienhaus-Siedlungen in den Vorstädten ist ein Trend zu alternativen Wohnformen zu beobachten. Unsere Entwürfe (Fotos auf dieser Doppelseite) versuchen, diese beiden Themen aufzunehmen: mit hoher architektonischer Qualität und anderen Wohnformen Menschen dazu zu bringen, Bauland in der Nähe der Blomenburg zu erwerben. Die architektonische Qualität hört nicht an der Eingangstür auf. Gemäß dem Genius loci ist eine Einbettung des Gebäudes in die Landschaft und der Bezug zur Umgebung essenziell. Neben der Architektur soll die städtebauliche Qualität dazu beitragen, dass ein eigenständiges Quartier mit Gemeinschaftsgefühl entsteht.

Das Grundstück kann bis zu 200 Einzel-Bauvorhaben aufnehmen, die nicht als „Uniform” enden sollen. Was für Elemente verbieten sich bei solchem Ehrgeiz?

Elmar L. Rottkamp: Unser Büro sieht sich der klassischen Moderne verpflichtet. Wir versuchen, mit jedem Entwurf etwas Einzigartiges zu schaffen, das in seiner Gesamtkomposition stimmig ist. Problematisch ist es aus unserer Sicht, wenn dieses Ganze aus dem Lot gerät, etwa durch eine Stilmixtur. Nicht zuletzt das Besinnen auf einfache Materialien, klare Sichtbezüge und schnörkellose Bauformen haben dazu geführt, dass unsere Gebäude weit publiziert wurden. Wir achten darauf, dass unsere Häuser frei sind von modischen Borten und Blenden. Jedes Bauteil und jedes Material sollte Sinnhaftigkeit verkörpern.

Blomenburg will Individualisten wahlverwandtschaftlich zusammenbringen. Kann Architektur das unterstützen?

Elmar L. Rottkamp: Wie dargestellt, soll ein eigenständiges Quartier entstehen, welches ein Gemeinschaftsgefühl der Bewohner mit ähnlichen Lebenstilen zulässt. Dies impliziert jedoch, dass neben jedem individuellen Gebäude auch ein Bezug zum Nachbarn und die städtebauliche Einbindung von großer Bedeutung sind. Wir werden von Anfang an darauf hinwirken, dass die hohe architektonische Qualität auch im halböffentlichen und öffentlichen Bereich fortgeführt wird. Viele unserer Entwürfe, zum Beispiel die Atelierhäuser am Königsweg in Berlin, sehen eben keine Eingrenzung mit dem klassischen „Jägerzaun" vor. Sie setzen bewusst auf die Verschmelzung von öffentlichem Raum und halböffentlichem Bereich vor dem Gebäude, vielfach durch Einsatz von begrenzenden Wänden oder der bewussten Integration und Ausgestaltung der „unbeliebten" Nebengebäude wie Abstellschuppen oder Müllstellplatz. Gerade die anonymen Einfamilienhaussiedlungen am Stadtrand vernachlässigen den Stadtraum im Allgemeinen und die Verbindung des Gebäudes mit eben diesem.

Welche unerlässlichen Voraussetzungen hat eine Architektur des Glücks im privaten Hausbau heute beizubringen?

Elmar L. Rottkamp: Wir laden neue Bauherren bewusst erst einmal zum Gespräch ein, um etwas über ihre täglichen Gewohnheiten – auch die der Kinder – zu erfahren. So erkennen wir, welche Dinge ihnen wichtig sind. Dies können Raumfolgen, besondere Einrichtungsgegenstände, Raumgrößen, Sichtachsen und so weiter sein. Erst danach beschäftigen wir uns mit dem Entwurf in Grundriss und Fassade. Die Summe dieser Einzelteile führt dann zu der angesprochenen „Architektur des Glücks".

Kann ein Architekt überhaupt etwas für die „Chemie" der künftigen Bewohner tun?

Elmar L. Rottkamp: Natürlich! Neben der hohen architektonischen Qualität werden wir darauf hinwirken, dass interdisziplinär auch in früher Projektphase Landschaftsplaner einbezogen werden. Wir haben zudem erfahren, dass unsere Bauherren beflügelt wurden durch unsere architektonischen Ansätze. Im Gedankenaustausch beobachten wir eine Sensibilisierung der künftigen Hausherren. Dies trägt dazu bei, dass sie sich mit dem Quartier identifizieren und so die „Chemie" stimmig wird.

Rainer Oschmann

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