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Die Prinzen von Danmark

Auch dänisches Design wandelt sich, und die Kollektion “Eva Solo” ist einer der sympathischsten Boten dieses Wandels. Wiewohl erst sieben Jahre alt, ist Eva Solo bereits ein “Household Name” und wird von Monat zu Monat bekannter. Die Kollektion verbindet praktische Utensilien für Küche und Haus mit Freude an schöner Form und Spaß an überraschender Ausführung. Schon mancher nahm an, hinter dem Markennamen könne niemand anderes als eine Designerin aus Fleisch und Blut und selben Namens stehen. Es ist die halbe Wahrheit.

Die gut 50 Gegenstände, die sich seit Begründung der Design-Marke 1997 mittlerweile unter Eva Solo versammeln, gehen auf den Vornamen der Tochter des dänischen Küchenartikelherstellers Erik Mangor zurück. Der Vorname findet sich auch in den Vorgängerkollektionen “Eva” (seit 1950) und “Eva Trio” (seit 1977), die noch immer so erfolgreich im skandinavischen Markt für Töpfe und Pfannen, Gläser und Bestecke laufen, dass sie längst Design-Klassiker geworden sind. Der Name steckt zudem seit fünf Jahren in der Firmenbezeichnung EVA DENMARK, und das Töchterchen Eva von 1939 ist heute die Mutter des Firmenchefs Jan Engelbrecht. Eine natürliche Person namens Eva Solo indes hat es nie gegeben.

Oscar für Henrik & Claus

Das wollen wir festhalten und notieren, dass die Fleisch-und-Blut-Mutmaßung nur als Indiz für die Lebendigkeit der Marke verstanden werden kann. Deren Schöpfer, die selbstständigen Industriedesigner Henrik Holbaek und Claus Jensen (“Tools Design”), freut das ebenso wie den Familienbetrieb EVA DENMARK mit seinen 38 Angestellten, der erst vor wenigen Monaten in eine moderne Adresse am Westrand Kopenhagens gezogen ist und sein Renommee in Europa und den USA (Export in 35 Länder) ständig ausbaut.

Eben hat es für drei Produkte aus der Solo-Sammlung Einträge ins International Design Yearbook 2004 gegeben, eine Art Oscar für Designer. Bereits im Vorjahr und 2001 hatten Holbaek und Jensen den Sprung in die Designer-Bibel geschafft; sie haben zahlreiche andere nationale wie internationale Auszeichnungen für Eva-Solo-Entwürfe erhalten und sich auch damit an die Spitze des neuen dänischen Designs gearbeitet.

Eva-Solo-Erzeugnisse

Dabei ist es weniger der Gegenstand an sich als die Originalität seiner Ausführung und die Einfachheit seiner Handhabung, mit denen Henrik Holbaek und Claus Jensen verblüffen und besonders bei jüngeren Käufern Anklang finden: Da ist als eines der neuesten Eva-Solo-Erzeugnisse der Kaffeebrüher, mit dem man den Schwarzen in seiner Urform zubereiten kann – ohne Dampf, Druck und Zug und ohne Maschine oder Filterpapier, nur mit frisch gemahlenen Bohnen und Wasser. “CafeSolo” besteht aus einer firlefanzfreien Glaskanne, einem wärmeisolierenden Trichter mit tropffreiem Gießer, einem Kippdeckel, der sich beim Eingießen automatisch öffnet und einem wärmeisolierenden Mantel mit Reißverschluss. Er macht das Stück zu einer kleinen Persönlichkeit.

Da ist die tropffreie Karaffe, die eine Grundbedingung aller Eva Solo-Produkte erfüllt: Sie ist spülmaschinenfest. Da ist die Zitruspresse aus einer mundgeblasenen Glaskanne mit aufgesetztem Edelstahlkern in Form einer Knospe; der Eiswürfelkühler, der wie eine kleine Schokotorte, oder der Pizzaschneider, der wie ein neuartiges Sportgerät aussieht. Da ist die selbst gießende Pflanzenvase mit Wasserreservoir, das Zimmerpflanzen bis zu einer Woche tränkt, der Messerhalter mit Außengehäuse aus Aluminium und einem für die Reinigung herausnehmbaren Falteneinsatz aus Kunststoff.

Paul McCartney gerührt

Da ist schließlich das erste Produkt der Eva- Solo-Sammlung überhaupt: zwei angenehm weiche Topflappen aus Silikon, die vor Hitze schützen, ein hygienisches Werkzeug in der Küche sind, selbstverständlich in den Geschirrspüler gegeben werden können, immer in Form bleiben und nicht schmelzen. Und da gibt es den raffiniert designten Löffel- und Wendersatz für die Küche aus schwarzem Nylon. Diesem international geehrten Kabinettstück haben die beiden Dänen ein Telegramm von Paul McCartney zu verdanken, mit dem der Ex-Beatle sein Entzücken über die Augenweide mitteilen wollte.

In den Utensilien leben traditionelle Prinzipien dänischen Designs, angereichert um neue Zutaten fort. Erhalten geblieben ist das Faible für Alltagsdinge, die zuverlässig und dauerhaft funktionieren. Bewahrt wird das Streben nach einfacher Bedienung und der Verzicht auf konstruktive wie formale Umwege, die bei Gebrauchskunst im Haushalt Unzufriedenheit erzeugen.

Auf die Frage, was ihnen in der Regel den ersten Anstoß für die Gestaltung eines neuen Stücks gibt, sagt Henrik Holbaek (44) beim Gespräch in dem rund 200 Quadratmeter großen Dachstudio mit zwei giebelhohen Gummibäumen, mit Parkett, Fachwerkdecke und großen Oberlichtern: “Meist fragen wir uns als erstes: Warum ist es so schwer, bestimmte Dinge zu machen? Warum etwa kann man keine Küchenwaage in den Geschirrspüler packen? So entstand unsere mechanische Küchenwaage aus drei einfachen Teilen. Sie kann in die Spülmaschine gegeben werden, ohne Funktion und Form zu verlieren.”

Das Wetter als Hausfreund

Wir sind keine Amerikaner

Claus Jensen (38), von den beiden neuen dänischen Design-Prinzen derjenige, der gedankliche Entwürfe am liebsten gleich mit den Händen zu erfassen und in der Studio-Werkstatt zu modellieren versucht, sieht die Erklärung für Dänemarks Design-Tradition nicht zuletzt darin, “dass im Unterschied etwa zu den Deutschen, die wunderbare Beispiele großen Industriedesigns hervorgebracht haben, bei uns große Industrie nie bestand und wir uns auch deshalb immer mehr um Dinge des täglichen Lebens gekümmert haben”. Das Design habe “mehr Individualität” gehabt, sei “immer persönlicher angelegt worden”. Auch der klimabedingte Umstand, “dass Skandinavier mehr Zeit in ihrem Haus verbringen, hat uns vielleicht empfänglicher für schönes Design werden lassen. Wir können nicht ohne weiteres wie Italiener unsere Freunde ins nächste Straßencafé bitten. Da spielt das Wetter nicht immer mit.”

Selbst Henrik Holbaek und Claus Jensen können sich nicht leicht verständigen, welche Elemente den Ruf des klassischen dänischen Designs eigentlich ausmachen. Immerhin einigen sie sich auf folgende Zutaten: “Die Verwendung einheimischer Rohstoffe, quasi das Holz aus dem eigenen Garten; die Verwendung heller Farben und Töne; und das Selbstverständnis, beim Design nichts zu übertreiben – keep it simple!” Holbaek: “Wir sind keine Amerikaner. Wir setzen kein Gold ein, wo es auch andere Materialien tun.” Die Demokratisierung von Design ist in Skandinavien sichtbar erfolgreicher geglückt als anderswo, ebenso wie sich kaum bürgerfreundlichere Königreiche als die der Länder im Norden finden.

“Bestandteil der Kultur”

Jacob Mohr Hansen (35), Marketingchef von EVA DENMARK, spricht “von einem Bestandteil unserer Kultur”, als er den prominenten Ruf der Skandinavier in Designfragen zu fassen sucht. “Designerartikel spielen in Dänemark eine große Rolle. Praktisch jeder liebt schönes Design, und da es in vielen unserer Restaurants recht teuer ist, haben wir immer schon Freunde lieber nach Hause eingeladen. Das Interesse am schönen Heim ist bei uns riesig.” Hansen übrigens sieht ebenso wie die beiden Designer in der Marke Eva Solo “kein besonders dänisches, eher ein internationales Erzeugnis. Wir wollen ein paar Schritte über das Label ‘Dänisch’ hinausgehen, und wenn Sie sehen, mit welchen Materialien – Edelstahl – und welchen Farben – schwarz, grau – Holbaek und Jensen oft arbeiten, wird deutlich, dass ihnen das gelungen ist.” Jensen erinnert daran, dass das klassische Design vergangener Jahrzehnte "fast" nur streng vertikale und horizontale Linien kannte. In Verbindung damit ist das Wort Funktionalität oft missbraucht worden.”

Tatsächlich offenbaren viele Gegenstände der Eva-Solo-Kollektion, wie Holbaek und Jensen mit Kurven Schwung in die Welt der Geraden und Senkrechten brachten.

In der Hauptrolle: der Spaß

In einem weiteren Punkt hebt sich das Dream Team gleichfalls von Tradition ab: “Wir wollen Dinge herstellen”, so Henrik, “bei denen es Spaß bereitet, sie zu benutzen, Spaß macht, sie anzuschauen, und Freude, sie zu schaffen. Der Spaßfaktor spielt für uns keine Nebenrolle.” Jensen: “Manchmal lässt man einen neuen Entwurf besser ein paar Stunden in Ruhe. Es kann sein, dass fehlender Spaß auf den Geburtsfehler eines neuen Produkts weist.”

Spaß und Freude halten Holbaek und Jensen für ebenso unmittelbare Produktivkräfte wie die Suche nach Einfachheit ihrer Gegenstände. Oder, wie Claus es unter Berufung auf den Designlehrer seines Designlehrers formuliert: “Gelungenes Design sieht aus, als wäre es so leicht entstanden wie das Muster, das ein Mann in den Schnee pinkelt.” Dänemark, twelve points!

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